Am Freitag, 09. Januar 2026 um 19 Uhr eröffnet in der St. Matthäus-Kirche am Kulturforum Berlin die Ausstellung „Phantome“ des polnischen Künstlers Dominik Lejman. Die von Hubertus von Amelunxen kuratierte Präsentation versammelt rund 20 Werke aus einem Schaffenszeitraum von nahezu drei Jahrzehnten und zeigt Lejmans charakteristische Verbindung von Malerei und Video als ortsspezifische Auseinandersetzung mit Wahrnehmung, Präsenz und Flüchtigkeit.
Abb. oben: Dominik Lejman, 2020, photo: Michał Gieniusz
Der polnische Künstler Dominik Lejman ist seit drei Jahrzehnten auf Geisterjagd. Seine Kunst, weltweit gezeigt, läßt Videobilder auf abstrakte Malerei fallen. Die Gemälde werden von Widergängern, Phantomen auf kurze Dauer besiedelt – eine verstörende Kunst der Ausrichtung, der Einkerkerung und des Falls. Die von Hubertus von Amelunxen kuratierte Ausstellung in der Berliner St. Matthäus-Kirche zeigt rund 20 Werke aus der Zeit zwischen 1995 und jetzt.

Die Epiphaniaszeit, in der die Ausstellung stattfindet, ist die Zeit der Erscheinung Gottes in der Welt: Zeit und Ewigkeit durchdringen einander. In Dominik Lejmans Werken fallen die Menschen aus der Zeit in die Fugen der Gegenwart – ein Paradox. Sie sind Phantome, keiner Zeit richtig zugehörig, aber in jede Zeit wiederkehrend. Derart kommt die Betrachtung seiner Bilder einer Heimsuchung gleich, in der die Ambivalenz von Heimlich und Unheimlich sich offenbart; Einkerkerung und paradiesische Sehnsucht. »Die Zeit ist aus den Fugen«, sagt der Geist zu Hamlet.

Das Werk von Dominik Lejman ist obsessiv, seine Ästhetik folgt der Bewegung menschlicher Existenz, seiner Ausrichtung, mit einer behutsamen Mischung aus Zweifel, Humor und Verzweiflung. Sein Werk schlägt wie ein Pendulum zwischen Enthüllung und Abstoßung, Erhebung und Fall, Elysium und Kerker. Einzigartig in der Verbindung von Gehalt, medialer Übertragung und Ästhetik hat Dominik Lejman die Frage des Möglichen im Absurden geformt.
Von Phantomen heimgesucht zu werden, bedeutet die Erinnerung an etwas, das wir niemals in der Gegenwart erlebt haben. Umso mehr aber stellt Dominik Lejmans Werk die Frage an uns, wie wir mit welcher Verantwortung mit unserer Präsenz, unserer Zeit, umgehen.

Dominik Lejman (*1969) studierte Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Danzig sowie am Royal College of Art in London. Internationale Aufmerksamkeit erhielt er unter anderem 1999 mit der Ausstellung After the Wall: Art and Culture in Post-Communist Europe. Seine Arbeiten wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt, darunter bei der Architekturbiennale in Venedig, in der Fondazione Prada und im Kunstmuseum Wolfsburg. Lejmans Werke befinden sich in bedeutenden öffentlichen und privaten Sammlungen. Er ist Professor an der Universität der Künste in Posen und lebt und arbeitet in Posen und Berlin.

Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm mit Lesungen, Choreographien, Performances und Vorträgen begleitet.
Phantome: 13.01.2026 19:00 Uhr.
Ulrich Loock, Anda Rottenberg und Hannes Langbein im Gespräch mit Dominik Lejman, Moderation: Hubertus v. Amelunxen (in engl. Sprache).
Schleier: 20.01.2026, 19 Uhr.
Schleier ist eine Performance von Maria Colusi, die die fragile Grenze zwischen sichtbaren und unsichtbaren Kräften erkundet – den liminalen Raum, in dem Materie zu Geist wird, Klang zu Stille und der Körper sich in Atmosphäre auflöst. Es ist eine Begegnung mit den Bedingungen des Geisterns: wie Licht, Atem und Schwingung selbst in Abwesenheit das Potenzial für Präsenz bergen. Der Schleier ist hier kein Vorhang, der Welten trennt, sondern eine lebende Membran – porös, zitternd und empfindungsfähig –, durch die die Wahrnehmung selbst atmet. Maria Colusi ist eine argentinische Tänzerin, Choreografin und Dozentin, die in Berlin lebt. Als langjähriges Mitglied von Sasha Waltz & Guests schafft sie choreografische Werke, die Tanz, Musik und bildende Kunst miteinander verbinden. Ihre Kreationen wurden international an renommierten Veranstaltungsorten und Festivals präsentiert. Colusi unterrichtet außerdem weltweit Komposition und Improvisation.
Der Schachspieler: 27.01.2026, 19 Uhr.
Lesung von Gedichten und Prosatexten von Howard Altman und Zbigniew Herbert mit Howard Altman, Michael Krüger u.a. (im Original und in deutscher Übersetzung).
Ubu: 03.02.2026, 19 Uhr.
Performance von Krzysztof »Leon« Diemaszkiewicz, geboren 1963 in Polen, in Berlin lebender Performer und bildender Künstler. Anfang der 90er Jahre begann er seine Karriere in Danzig, Polen, als Tänzer und Choreograf am Teatr Ekspresji. 1995 gründete er seine eigene Kompanie »Read my lips theatre«. Seit 1998 lebt und arbeitet er hauptsächlich in Berlin und Danzig. Seine Kunst wurde in den USA, Frankreich, Deutschland, der Türkei, Brasilien, Kanada, Italien und vielen anderen Ländern präsentiert. Das Ziel der transgenischen und transsexuellen Arbeit von Dziemaszkiewicz ist es, Gegensätze zu verbinden und Fragen nach den Grenzen zwischen Animalität und Menschlichkeit zu stellen.
Geisterklang: 10.02.2026, 19 Uhr.
Konzert mit dem Jazzmusiker und Komponisten Mikolaj Trzaska.
WANN?
Vernissage: Freitag, 09. Januar um 19 Uhr
Ausstellungsdaten: Freitag, 09. Januar bis Sonntag, 15. Februar 2026
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 11:00–18:00 Uhr
WO?
St. Matthäus-Kirche
Kulturforum Berlin
Matthäikirchplatz
10785 Berlin
KOSTET?
Eintritt frei





