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Möglichkeiten einer Insel. Denken in Bildern von Gerstenberg bis Scharf – Sammlung Scharf-Gerstenberg | 19.12.2025-03.05.2026

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Anlässlich des 100. Geburtstags von Dieter und Hilde Scharf beleuchtet die Ausstellung die Sammelleidenschaft des Ehepaars und ihrer Tochter Julietta Scharf. Seit dem 19. Dezember werden erstmals zahlreiche Werke gezeigt, die nicht zur Sammlung gehören und seit 2008 als Dauerleihgabe unter dem Namen Sammlung Scharf-Gerstenberg in der Nationalgalerie Berlin-Charlottenburg zu sehen sind.

Abb oben: Max Beckmann (Leipzig 1884 – 1950 New York), Paar, 1938, Aquarell und Gouache auf Büttenpapier, 61,5 × 48,5 cm (Blatt), Sammlung Julietta Scharf, Foto: Sammlung Julietta Scharf.

Ausgehend von der renommierten Sammlung seines Großvaters Otto Gerstenberg (1848–1935) gründete Dieter Scharf im Jahr 2001 eine Stiftung, aus deren Bestand er rund 350 Werke für die Sammlung Scharf-Gerstenberg auswählte. Im Mittelpunkt seines sammlerischen Interesses stand der Surrealismus, zugleich werden jedoch auch dessen Vorläuferinnen und Nachfolgerinnen berücksichtigt. Auf zwei Etagen entfalten die Sammlungsräume ein umfassendes Panorama fantastischer Kunst – von Arbeiten Goyas, Piranesis oder Redons bis hin zur Art Brut Jean Dubuffets.

Hannah Höch (Gotha 1889 – 1978 Berlin), Schwarzweißcollage, 1961 Offset, collagiert, auf festem Karton, 45,7 × 37 cm, Stiftung Sammlung Dieter Scharf zur Erinnerung an Otto Gerstenberg, 2024 erworben, Foto: Sammlung Julietta Scharf

Thematisch überschreitet die Ausstellung „Möglichkeiten einer Insel“ den erweiterten Surrealismusbegriff der Sammlung Scharf-Gerstenberg. Einen spannungsreichen Auftakt bilden zwei Bodenarbeiten der Schweizer Künstlerin Kavata Mbiti: die titelgebende Skulptur aus weißem Acrystal „Möglichkeiten einer Insel I“ sowie die dreiteilige schwarze Holzarbeit „Kiel“. Während die erste an biomorphe Formvorstellungen etwa von Hans Arp oder Hans Bellmer erinnert und wie ein sich selbst hervorbringendes, halb abstraktes Wesen wirkt, evoziert die zweite die Assoziation bedrohlich kreisender Haie, deren Rückenflossen aus dem Wasser ragen.

Wo Gefahr existiert, zeigt sich zugleich auch das Rettende – und so entfaltet die Ausstellung ein ganzes Archipel thematischer Inseln. In zwölf Kapiteln werden unterschiedliche künstlerische Strategien vorgestellt, um den Zumutungen des Alltags zu begegnen: durch Rückzug in Idylle, Privatheit oder andere Zeiten, durch den Aufbau eigener Bildwelten, durch fragile Systeme, fantastische Fluchten oder einen ironischen Umgang mit der größten Angst – dem Tod.

Zu sehen sind etwa 150 Gemälde und Aquarelle, Zeichnungen, Grafiken, Skulpturen und Objekte. Neben bekannten Künstler*innen wie Alfred Sisley, Auguste Renoir, Egon Schiele, Max Beckmann oder Hannah Höch werden auch weniger bekannte Positionen der fantastischen Kunst präsentiert, darunter Arbeiten von Alfred Kubin, Léon Spilliaert oder Unica Zürn.

Alfred Sisley (Paris 1839 – 1899 Moret-sur-Loing), Femme à l’ombrelle – Scène d’été, 1883, Öl auf Leinwand, 73 × 54 cm, Sammlung Julietta Scharf, 1927 erworben, Foto: Sammlung Julietta Scharf

Einen ergänzenden Einblick in die Sammlungen der Familie Scharf bietet bis zum 15. Februar 2026 die Alte Nationalgalerie. Auch dort spannt sich der Bogen von Goya bis zur zeitgenössischen Kunst. Während Dieter Scharf – ebenso wie später seine Tochter Julietta – den Surrealismus ins Zentrum seiner Sammlung stellte, konzentrierten sich sein Bruder Walther Scharf und dessen Sohn René mit der „Scharf Collection“ auf den Impressionismus und die klassische Moderne.

Auguste Renoir (Limoges 1841 – 1919 Cagnes-sur-mer), Comtesse Pourtalès (Femme en rose), 1877, Pastell 64 × 48,5 cm, Sammlung Julietta Scharf, 1914 erworben, Foto: Sammlung Julietta Scharf

„Möglichkeiten einer Insel. Denken in Bildern von Gerstenberg bis Scharf“ wird kuratiert von Kyllikki Zacharias, Leiterin der Sammlung Scharf-Gerstenberg.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, 192 Seiten, reich bebildert, mit einem Interview mit Julietta Scharf und einem Beitrag von Dario Gamboni.

WANN?

Vernissage: Donnerstag, 18. Dezember 2025, 19 Uhr

Ausstellungsdaten: Freitag, 19. Dezember bis Sonntag, 03. Mai 2026

Öffnungszeiten: Mittwoch – Sonntag 11:00 – 18:00 Uhr

WO?

Sammlung Scharf-Gerstenberg
Schloßstraße 70
14059 Berlin-Charlottenburg

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