LAS Art Foundation präsentiert am 23. Januar 2026 in der Halle am Berghain die neue Auftragsarbeit Liminals des Künstlers Pierre Huyghe, die sich anhand von Quantenexperimenten mit Konzepten des Ungewissen auseinandersetzt. Sie ist die erste Einzelpräsentation des Künstlers mit einer Berliner Institution.
Abb. oben: Halle am Berghain © Stefan Lucks. Mit freundlicher Genehmigung des Fotografen und Berghain Ostgut GmbH.
Die großformatige Installation vereint Film, Klang, Vibration und Licht zu einem immersiven Erfahrungsraum. Der vom Künstler als „moderner Mythos“ bezeichnete Film verfolgt die Entstehung einer gesichtslosen, humanoiden Figur, die unterschiedliche Seinszustände durchläuft. Huyghe verortet das Geschehen „jenseits von Zeit und Raum, ohne Anfang und Ende, ohne Innen oder Außen – in einem unablässigen Tanz der Materie, in dem jeder Moment ein Mögliches ist“. Die Figur ringt um Existenz und versucht zugleich, sich einer eindeutigen Realität oder Bewusstseinsform zu entziehen. Dabei beginnen sich die Grenzen zwischen Innen- und Außenwelt sowie zwischen belebter und unbelebter Materie aufzulösen.
In dieser allegorischen Erzählung verhandelt der Künstler das Moment des Ungewissen und führt in einen Schwellenraum, in dem mehrere Zustände zugleich präsent sind – vergleichbar mit einem Quantensystem, das vor seiner Messung in einer Überlagerung verschiedener Möglichkeiten existiert, bis diese zu einer einzelnen Wirklichkeit kollabieren. Diese Überlegungen entwickelte Huyghe im Austausch mit dem Quantenphysiker Tommaso Calarco und dem Philosophen Tobias Rees. Aus diesen Gesprächen ging die Entscheidung hervor, die Logiken und Outputs quantenphysikalischer Systeme sowohl in die visuelle als auch in die klangliche Ebene der Arbeit einzubeziehen. Der Produktionsprozess übersetzt so Zustände der Unbestimmtheit in sinnliche Erfahrungen und macht Quanteneigenschaften körperlich erfahrbar.

Sound und Vibration spielen in Liminals eine zentrale Rolle. Um eine dichte akustische Umgebung zu erzeugen, arbeitete Huyghe mit seinem Team an verschiedenen experimentellen Verfahren. In Zusammenarbeit mit Tommaso Calarco und Forschenden des Forschungszentrums Jülich wurden die im Film dargestellten Materieschwingungen auf einem 100-Qubit-Quantencomputer von Pasqal simuliert und anschließend in klangliche Parameter übersetzt. Calarco beschreibt diesen Vorgang als ein Spiel auf einem Saiteninstrument – als würde man „an den Atomen des Computers zupfen, um ihren Widerhall zu hören“. Gemeinsam mit Tobias Rees entwickelte Huyghe zudem die Vorstellung einer Quantenwelt, die radikal außerhalb menschlicher Ontologien liegt. Für bestimmte Filmszenen kam ein KI-Modell zum Einsatz, das auf Quantenrauschen basiert.
Die Auftragsarbeit versetzt das Publikum an einen Ort, an dem sich die Grenzen zwischen Körper, Umwelt und Bewusstsein auflösen. Sie verweilt in jenem Moment, bevor Wahrnehmung sich stabilisiert und mehrere Möglichkeiten gleichzeitig bestehen. In diesem Schwebezustand nimmt etwas Gestalt an, das Huyghe als „radikal fremd“ für menschliche Subjektivität beschreibt: eine Quantenrealität, geprägt von Unbestimmtheit und Vielheit. Indem ein menschenähnlicher Körper in diese instabile Welt versetzt wird, stellt die Arbeit die Frage, ob eine solche Realität überhaupt nachvollziehbar ist – und unter welchen Bedingungen es möglich wäre, mehrere Seinszustände zugleich zu erfahren.

Liminals von Pierre Huyghe entstand im Auftrag der LAS Art Foundation und der Hartwig Art Foundation. Die Arbeit ist die zweite großformatige Installation im Rahmen des Programms Sensing Quantum der LAS Art Foundation, das nach seinem Auftakt im Frühjahr 2025 mit Laure Prouvost: WE FELT A STAR DYING von der Europäischen Kommission mit dem S+T+ARTS: Grand Prize – Innovative Collaboration ausgezeichnet wurde.
WANN?
Eröffnung: Donnerstag 22. Januar 2026, 19:00 Uhr
Ausstellungdaten: Freitag 23. Januar bis Sonntag 08. März 2026
WO?
Halle am Berghain
Am Wriezener Bhf
10243 Berlin





