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Freitag, Februar 13, 2026

Benyamin Reich: Parochet – St. Matthäus-Kirche, Kulturforum Berlin|19.02.-03.04.2026

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Im Zentrum dieser Ausstellung steht das Werk des jüdischen Künstlers Benyamin Reich. Die Ausstellung findet vom 19. Februar bis 03. April 2026 statt und präsentiert mit dem „Talmudvorhang“ (Parochet) eine vielschichtige Installation, die jüdische, christliche und hellenistisch-klassische Traditionen miteinander in Dialog setzt. Reich verbindet in seiner künstlerischen Arbeit Fotografie, Text und religiöse Symbolik zu einer dichten Bildsprache, in der sich Fragen nach Heiligkeit und Profanität, Körperlichkeit und Transzendenz entfalten. Seine Werke eröffnen einen interreligiösen und zeitgenössischen Diskursraum, der Vergangenheit und Gegenwart miteinander verschränkt.

Abb. Oben: Foto: Benyamin Reich

Im Zentrum der Ausstellung des jüdischen Künstlers Benyamin Reich steht eine große Installation: der Talmudvorhang (hebräisch: »Parochet«). Während der Passionszeit verhüllt er den Altar von St. Matthäus.

In seiner diskursiven Struktur laufen Bild und Text, Schrift und Bildlichkeit, ineinander – gleich einem Text, der in die Welt kommt und Fragen aufwirft. Das Gewebe aus talmudischen Texten, kabbalistischen Symbolen und Bildern des Künstlers erinnert dabei an den feingestickten Vorhang des Jerusalemer Tempels sowie die Vorhänge aller späteren Synagogen, die nach rabbinischem Verständnis auf einen metaphysischen Vorhang im Himmel zurückgehen. Zugleich erinnert er an christliche Fastentücher, die traditionell während der Passionszeit den Altar einer Kirche verhüllen und so den Kontakt zwischen Gott und Mensch temporär in Frage stellen – ein jüdisch-christlicher Dialog der Traditionen.

»Die Synagogen meiner Kindheit waren ungleich Kirchen und den Heiligtümern des Altertums schmucklos – keine Bilder, nichts, woran das Auge verweilen konnte. Nur der Samtvorhang, der den heiligen Schrein mit den verborgenen Tora-Rollen bedeckte, war geschmückt, manchmal mit Darstellungen, sogar mit Tierfiguren. Zur Zeit des antiken jüdischen Tempels wurde diese textile Trennwand von Frauen gefertigt, die auf dem Stoff auch die Cherubim darstellten. Sie bedeckten das Heilige und schieden so das innere Sakrale vom äußeren Sakralen wie auch vom Profanen. Mein Parochet versucht etwas Ähnliches zu schaffen: Ich nehme die heiligen Seiten aus dem jüdischen Bücherschrank und verwebe sie mit Bildern klassischer Skulpturen – scheinbar profaner Art –, die durch ihre Nähe selbst wieder heilig werden.« – Benyamin Reich

Auf dem Talmudvorhang sind aus Genisot, dem traditionellen Aufbewahrungsort nicht mehr verwendeter heiliger Schriften, gesammelte hebräische und aramäische Texte aus dem 3500 Jahre alten jüdischen Literaturkanon angebracht, die mit kleinen Fotoarbeiten des Künstlers Benyamin Reich sowie mit von ihm ausgewählten Zeichnungen durchzogen sind. Auf der Empore der Kirche wird der Vorhang durch weitere Collagenarbeiten in Vitrinen und freihängende Fotografien an den Wänden gespiegelt, deren Bildsprache die Grundlinien des Vorhangs aufgreift und diese um interreligiöse Querverbindungen zu christlichen-ikonographischen Motiven sowie hellenistisch-klassizistischen Schönheitsidealen bereichert.

Die drei Bereiche bilden ein Dreieck einander ergänzender Themenwelten, zusammengehalten durch subtile Anklänge an die Sefirot – die göttlichen Eigenschaften der jüdischen Mystik. Ein zentrales Motiv ist dabei eine Ästhetik der Vulnerabilität, aus der sich Spuren von Reichs Lebensgeschichte abzeichnen: Spuren einer Suche nach dem Heiligen und dem Profanen, nach Schönheit, Verführung und Transzendenz. So treten etwa die verkörperlichten Männlichkeitsideale klassisch-heroischer Statuen in einen kunsthistorisch fortgeschriebenen Dialog mit der verletzlichen Leiblichkeit Jesu. In ihrem Spannungsfeld entsteht zugleich eine Dialektik versöhnlicher Kontraste – zwischen dem modernen Berlin und den bedeutungsschweren Widersprüchen eines panabrahamitischen Jerusalem.

Die Ausstellung kombiniert damit Bilder aus drei Traditionssträngen, die in der christlichen Passionszeit zusammenfinden: das jüdisch-talmudische Erbe, die jesuanisch-christliche Überlieferung und das hellenistisch-römische Heidentum. In ihren unterschiedlichen, sich teils ergänzenden, teils widersprechenden Vorstellungen von Geistigkeit und Körperlichkeit bündeln sich existenzielle Themen wie Leid, Martyrium, Verfolgung, aber auch Spiegelungen universeller Motive wie der Verlust des Paradieses vor dem Hintergrund des kabbalistischen Ez Chajim (»Lebensbaum« der göttlichen Innenwelt) und Adam Hakadmon (»Urmensch«, anthropomorph-metaphysische Urgestalt aller Schöpfung). In der Gestalt des zwischen den Welten lebenden Juden Jesus sollen diese Stränge sinnbildlich zusammenkommen.

Die Ausstellung ist kuratiert vom Künstler Benyamin Reich. Christliche-theologische Beratung erfolgte durch Pfarrer Hannes Langbein, Direktor der Stiftung St. Matthäus, die rabbinische Beratung durch Netanel Olhoeft, Gemeinderabbiner in Oldenburg. Der Talmudvorhang wird ergänzt durch Zeichnungen von Dana Gazit.

Begleitprogramm zur Ausstellung:

26.02.2026, 19:00 Uhr

Künstlergespräch

mit Benyamin ReichRabbiner Netanel Olhoeft und Pfarrer Hannes Langbein, Direktor der Stiftung St. Matthäus

01.03.2026, 11:30 Uhr

Familienkunstgottesdienst hORA+

mit Kantorin Avitall Gerstetter und Pfarrer Hannes Langbein, Liturgie

05.03.2026, 19:00 Uhr

Konzert

mit Ben Osborn, Klavier- und elektronische Volksmusik

22.03.2026, 18:00 Uhr

LABORa-Gottesdienst
mit Pfarrer Hannes Langbein, Predigt und Liturgie, Dietrich Sagert, Lesung, und Lothar Knappe, Orgel02.04.2026, 19:00 Uhr

tempel@hof
Pessach-Performance, kuratiert von Giovanni Vinciguerra und Lucas Shiller

WANN?

Eröffnung zum Aschermittwoch der Künstler*innen: Mittwoch, 18. Februar 2026, 18 Uhr

Ausstellungsdaten: Donnerstag, 19. Februar – Freitag, 3. April 2026

WO?

St. Matthäus-Kirche
Kulturforum Berlin
Matthäikirchplatz
10785 Berlin

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