Dunkle Vergangenheit, belastete Gegenwart: Kaum einer hielt die Berliner Zustände zwischen beklemmender Geschichtsbewältigung und Wachstumsschmerzen der Einheit so eindringlich fest wie Wolfgang Peuker. Anlässlich seines 25. Todestages widmet die Stiftung Kunstforum Berliner Volksbank dem Maler ab dem 11. Februar 2026 die Ausstellung KLASSE IN WEIßENSEE! Wolfgang Peuker und seine Schüler:innen. Sie würdigt sein künstlerisches Vermächtnis und zeigt, wie seine Lehre an der weißensee kunsthochschule berlin in höchst unterschiedlichen Positionen nachwirkt. Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit der weißensee kunsthochschule berlin, die 2026 ihr 80-jähriges Jubiläum feiert..
Ab. oben: Ausstellungsansicht „KLASSE IN WEIßENSEE! Wolfgang Peuker und seine Schüler:innen”, Stiftung Kunstforum Berliner Volksbank @ VG Bild-Kunst, Bonn 2026 (Wolfgang Peuker) Foto: Natalia Carstens Photography
Geprägt von den großen Meistern der Leipziger Schule analysierte Wolfgang Peuker in seinen dunkeltonigen, oft surreal aufgeladenen Gemälden das Zeitgeschehen mit kritischer Präzision und provokativer Symbolkraft.
1989 nahm er einen Lehrauftrag an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee (heute weißensee kunsthochschule berlin) an, nachdem ihm an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst keine Professur in Aussicht gestellt werden konnte. 1993 wurde er in Weißensee zum Professor ernannt.
Die in Peukers Berlin-Zeit entstandenen Bilder kommentieren die Unsicherheiten im Umgang mit der Vergangenheit ebenso wie beunruhigende gesellschaftliche Entwicklungen der 90er-Jahre wie den neu aufkeimenden Nationalismus.
Die historische Architektur Berlins wird zur Bühne, auf der Figuren aus verschiedenen Zeiten aufeinandertreffen: Herrscher, Soldaten, Narren, Zeitgenossen. Hinzu kommen charakteristisch mehrdeutige (Selbst-)Porträts, die für Peuker im Zentrum seines Schaffens standen. Mit nüchterner Erhabenheit agieren die Persönlichkeiten in symbolträchtiger Kulisse.

Mit diesen Sujets fügt sich Peukers Werk in das Profil der Kunstsammlung der Berliner Volksbank mit ihren Leitmotiven „Bilder vom Menschen – Bilder für Menschen” und „Berliner Stadtbilder” ein. Seine Gemälde fanden schon früh Eingang in die Sammlung, deren Schwerpunkt auf gegenständlicher deutscher Nachkriegskunst, insbesondere von Künstler:innen aus der DDR liegt.
Die Ausstellung in der Stiftung Kunstforum Berliner Volksbank präsentiert die späten Werke des 2001 verstorbenen Malers und stellt mit Stefanie Hillich, Sibylle Prange, Philipp Schack und Christian Thoelke zugleich vier seiner bekanntesten Schüler:innen vor.
Ihre Arbeiten zeigen eindrucksvoll, wie sich aus Peukers Lehre von technischer Meisterschaft, malerischen Traditionen und dem kritisch-analytischen Blick der Leipziger Schule eigenständige Bildsprachen herausbildeten.
Stefanie Hillich erschafft Fantasiewelten in gebrochenen Farben, die dem Unterbewussten zu entströmen scheinen. In fragmentierten Szenen und surrealen Konstellationen wird der Traum zur Wirklichkeit und die Wirklichkeit zum Traum.
Sibylle Prange konzentriert sich seit längerer Zeit auf Landschaften, die jedoch oft Spuren der Zivilisation tragen. Sie schärfen den Blick für das, was der Mensch in den friedlichen Weiten hinterlässt.
Philipp Schack, der 2006 mit nur 39 Jahren verstarb, entwickelte bereits während des Studiums einen kraftvollen farbintensiven Stil. Seine abstrakt-expressiven Gestalten sind in dichte geometrische Strukturen eingebunden – Szenen menschlicher Interaktion, die Spannung, Nähe und Konflikt sichtbar machen.
Christian Thoelkes Figuren verhandeln als entrückte Porträts oder vom Beobachter abgewandt private Stimmungen, aber auch die Auswirkungen gesellschaftlicher Umbrüche auf das kollektive Erleben.

Thuringen @ VG Bild-Kunst, Bonn 2026, Foto: Galerie Hebecker Weimar
In ihrem Text zur Ausstellung schreibt die Kunsthistorikerin und Kuratorin Dr. Elke Neumann:
Die Schüler:innen beschreiben Wolfgang Peuker als nahbar und kommunikativ. Ein Lehrender, der neben handwerklichen Hinweisen auch das Leben außerhalb des Ateliers als Teil des Künstlerdaseins verstand. Lehre war für ihn auch Film, Musik, Boulevard − hochkulturell wie populär. Er thematisierte Filme wie „Das Boot“ neben der Fernsehserie „Kir Royal“, Gespräche über Musik wurden geführt und Lehre fand manchmal auch in der Kneipe statt. Einige seiner Schüler:innen hat Peuker als Porträts in sein eigenes künstlerisches Werk eingebunden. Sibylle Prange, Stefanie Hillich und Philipp Schack saßen ihm Modell.
Die Ausstellung lädt dazu ein, nicht nur die offensichtlichen Bezugspunkte zwischen Meister und Schüler:in zu entdecken, sondern auch die, die sich erst auf den zweiten Blick offenbaren.
WANN?
11. Februar bis 5. Juli 2026
WO?
Stiftung Kunstforum Berliner Volksbank
Kaiserdamm 105
14057 Berlin





