Mit „Ruin und Rausch“ nimmt die Neue Nationalgalerie ab dem 25. April 2026 ausgewählte Werke ihrer herausragenden Sammlung der Klassischen Moderne in den Fokus, die das Berlin der 1910er- und 1920er-Jahre thematisieren. Diese Jahrzehnte – geprägt von Erstem Weltkrieg und Weimarer Republik – oszillierten beständig zwischen Gegensätzen: Exzess und Armut, Emanzipation und Extremismus gingen in der rasant wachsenden, kosmopolitischen Metropole Hand in Hand. Mit rund 45 Werken unterschiedlicher Stilrichtungen macht die Ausstellung die Ambivalenz von Glanz und Elend, Aufstieg und Abgrund im damaligen Berlin erlebbar.
Abb. oben: Lotte Laserstein, Abend über Potsdam, 1930; Neue Nationalgalerie. Foto: Roman März © VG Bild-Kunst Bonn, 2026.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Berlin im Zuge der Industrialisierung nicht nur zu einem ökonomischen, sondern vor allem zu einem politischen und kulturellen Zentrum. Mit der Gründung von Groß-Berlin 1920 stieg die Einwohner*innenzahl sprunghaft auf rund 4 Millionen Menschen; Berlin wurde nach London zur flächenmäßig zweitgrößten Stadt der Welt. Neben den zahlreichen Neuerungen in den Bereichen Bau und Verkehr vollzogen sich gesellschaftliche Umwälzungen wie die Demokratisierung oder die Frauenemanzipation. Die Traumata des Ersten Weltkriegs und der erstarkende Nationalsozialismus überschatteten die so genannten „Goldenen Zwanziger“. Die bereits von zeitgenössischen Stimmen als „Babylon“ mystifizierte Metropole befand sich auf vielen Ebenen in Aufruhr: Kommerzielle Fülle und Exzess standen in Kontrast zu wachsender Armut und Arbeitslosigkeit.
Die Ausstellung im Sammlungsgeschoss der Neuen Nationalgalerie macht in drei Sektionen das von Gegensätzen geprägte Berliner Großstadtleben zwischen 1910 und 1930 nachvollziehbar. Nachdem Eingangs die Dynamik der wachsenden Metropole mit Blick auf Architektur, Verkehr und das ausschweifende Nachtleben in den Blick genommen werden, widmet sich die zweite Sektion den sozialen Abgründen, die das Leben der Arbeiter*innenklasse prägten. Im letzten Kapitel der Ausstellung steht die urbane Frau im Zentrum, wobei sowohl Freiheitsdrang, Selbstbestimmung und queeres Leben als auch Prostitution reflektiert werden. Die Vielstimmigkeit der Zwischenkriegszeit in Berlin wird in der Ausstellung anhand von Werken unterschiedlicher Stilrichtungen, wie Expressionismus, Dadaismus und Neue Sachlichkeit, aufgefächert.

Alle ausgestellten Werke haben einen expliziten Bezug zur Stadt Berlin, sowohl motivisch als auch aufgrund einer biografischen Verbindung der jeweiligen Künstler*innen zur Stadt. Zu sehen sind rund 45 Exponate, darunter wichtige Hauptwerke der Nationalgalerie-Sammlung wie Ernst Ludwig Kirchners „Potsdamer Platz“ (1914), George Grosz` „Grauer Tag“ (1921) und Lotte Lasersteins „Abend über Potsdam“ (1930). Als herausragendes Schlüsselwerk der 1920er-Jahre ergänzt eine Leihgabe die Ausstellung: Otto Dix` „Bildnis der Tänzerin Anita Berber“ (1925) aus der Sammlung Landesbank Baden-Württemberg im Kunstmuseum Stuttgart.
Bereichert wird der sammlungseigene Schwerpunkt auf Gemälde und Skulptur durch Grafiken und Objekte aus den Nachbarhäusern am Berliner Kulturforum, dem Kupferstichkabinett, der Kunstbibliothek und dem Kunstgewerbemuseum. Darüber hinaus werden Ausschnitte aus Fritz Langs Stummfilmklassiker „Metropolis“ (1927) und Walther Ruttmanns experimentellem Dokumentarfilm „Berlin – Die Sinfonie der Großstadt“ (1927) gezeigt. In jeder Sektion werden neben Vertiefungstexten inhaltlich kongeniale Gedichte von Protagonist*innen der Zeit (Anita Berber, Mascha Kaléko und Erich Kästner) an Hörstationen bereitgestellt.

Künstler*innen der Ausstellung: Otto Dix, Heinrich Ehmsen, Paul Fuhrmann, George Grosz, Hans Grundig, Karl Hofer, Hannah Höch, Ernst Ludwig Kirchner, Oskar Kokoschka, Georg Kolbe, Will Lammert, Lotte Laserstein, Tamara de Lempicka, Jeanne Mammen, Carlo Mense, Otto Nagel, Oskar Nerlinger, Ernest Neuschul, Renée Sintenis, Jakob Steinhardt, Georg Tappert, Lesser Ury, Gustav Wunderwald.
Die Ausstellung wird begleitet von einem vielfältigen Vermittlungsprogramm mit Führungen und Workshops für Familien, Schüler*innen und Erwachsene sowie einem Veranstaltungsprogramm mit Konzerten und Vorträgen.
„Ruin und Rausch. Berlin 1910–1930″ wird kuratiert von Uta Caspary und Irina Hiebert Grun, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen an der Neuen Nationalgalerie. Kuratorische Assistenz: Noor van Rooijen.
WANN?
Ausstellungsdaten: Samstag, 25. April 2026 – Sonntag, 3. Januar 2027
Eröffnung: Freitag, 24. April 2026, 19 Uhr
Öffnungszeiten: Dienstag – Mittwoch, 10 – 18 Uhr, Donnerstag, 10 – 20 Uhr, Freitag – Sonntag 10 – 18 Uhr
WO?
Neue Nationalgalerie
Potsdamer Straße 50
10785 Berlin





