Tirailleurs: Von Kanonenfutter zu Avantgarde – Die vergessenen Soldat*innen, die Europa befreit haben – Haus der Kulturen der Welt | 21.03.-14.06.2026

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Das Haus der Kulturen der Welt (HKW) zeigt ab 21. März 2026 die Ausstellung „Tirailleurs: Von Kanonenfutter zu Avantgarde –Die vergessenen Soldat*innen, die Europa befreit haben“, welche zugleich ein Forschungsprojekt ist.

Abb. oben: Félix Vallotton, Soldats Sénégealais au Camp De Mailly (1917), Öl auf Leinwand, 46 x 55cm. Courtesy bpk, GrandPalaisRmn, René-Gabriel Ojéda

Am 15. August 2024 lud der französische Präsident Emmanuel Macron die Welt ein, dem 80. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Provence, die auf die Invasion in der Normandie folgte und entscheidend zur Befreiung Frankreichs und Europas von Nazi-Deutschland beitrug, zu gedenken. Die Zeremonie lenkte die Aufmerksamkeit auf eine oft übersehene Tatsache: Die Mehrheit der 250.000 Soldaten der sogenannten „Armee B“ waren afrikanische Soldaten, die laut Le Monde „aus den Kolonien kamen“. Diese jungen Tirailleurs spielten eine aktive Rolle bei der Befreiung Frankreichs, während viele andere aus Afrika, Asien, den Amerikas und Ozeanien und darüber hinaus ebenfalls entscheidend an der Neugestaltung der Zukunft Europas und seiner Institutionen beteiligt waren. Dennoch wurde ihr Beitrag systematisch marginalisiert. Gesten zum Gedenken, wie die Einladung afrikanischer Staatschefs zu Jubiläen, versuchen, ihre Opfer anzuerkennen. Die Geschichte der Tirailleurs aber bleibt politisch vereinnahmt, wenig erforscht und weitgehend unbekannt, besonders im heutigen Deutschland.

DEEDS NEWS - Haus der Kulturen der Welt - Tiffany Chung - Courtesy Tiffany Chung
Tiffany Chung, Tirailleurs, Worker-Soldiers, ‘Comfort Women’: Sea Voyages,Global Movements, Disremembered Histories of WWII (2026), 8Skizze), Stickerei auf Stoff, 140×380 cm (Bildlegende: 50×84 cm).Courtesy Tiffany Chung

Im Jahr 2026 möchte das HKW diese Lücke mit einem breit gefächerten Programm schließen, das sich mit der Rolle der Tirailleurs bei der Befreiung Frankreichs von Nazi-Deutschland, ihrem Beitrag zur Befreiung Deutschlands und ihrem Einfluss auf die Sicherung des Friedens in Europa nach 1945 befasst.

Die Ausstellung zeigt Werke von mehr als dreißig internationalen Künstlerinnen verschiedener Generationen, darunter auch vierzehn neue Auftragsarbeiten. Außerdem werden Archivmaterialien, Forschungsergebnisse von fünf Kunsträumen und Kollektiven sowie Filmvorführungen präsentiert. All diese Beiträge unterstreichen die anhaltende Relevanz der Geschichte der Tirailleurs für Künstlerinnen, Filmemacherinnen und kulturelle Akteurinnen.

Tuấn Andrew Nguyễn, Our Empty Uniforms Marched To The Echoes Of An Invisible (seit 2020), 2-Kanal-Videoinstallation, Farbe, Ton, 7’. Musik von Zach Sch unter Verwendung von Tonmaterialaus dem Lautarchiv der Humboldt-Universität zu Berlin. Courtesy Tuấn Andrew Nguyễn und James Cohan, New York

Mit Werken von
Kader Attia, Yassine Balbzioui, Kathleen Bomani, Halida Boughriet, Tiffany Chung, Binta Diaw, Godfried Donkor, Juan-Pedro Fabra Guemberena, Abrie Fourie, Othon Friesz, Pélagie Gbaguidi, Nadia Kaabi-Linke, Daniel Lind-Ramos, Mónica de Miranda, Oscar Ngu Atanga, Tuấn Andrew Nguyễn, Josèfa Ntjam, Anguezomo Nzé Mba Bikoro, Mario Pfeifer, Slavs and Tatars, El Hadji Sy, Pascale Marthine Tayou, Dior Thiam, Barthélémy Toguo, Félix Vallotton, Francisco Vidal, Hana Yoo

Filmprogramm mit Beiträgen von
Rachid Bouchareb, Dalila Ennadre, Oumarou Ganda, Grégoire Georges-Picot, Idrissou Mora-Kpai, Kollo Daniel Sanou, Philip Scheffner, Ousmane Sembène & Thierno Faty Sow, Tony T. & Rebecca Goldstone, Futuru C.L. Tsai, Mathieu Vadepied

Recherchen in Zusammenarbeit mit
Alice Yard, Port of Spain
Ancrages, Marseille
Cinémathèque de Tanger, Tanger
Hide and Seek Audiovisual Art, Taipeh
Raw Material Company. Center for Art, Knowledge and Society, Dakar

Hana Yoo, I Came for the Flowers (2026), video still. Courtesy of the artist

Eröffnungswochenende

Das Eröffnungsprogramm umfasst unter anderem Ausstellungsrundgänge,

Künstler*innengespräche, Podiumsdiskussionen, Performances, Konzerte und Filmvorführungen. Der Eintritt ist frei, sofern nicht anders angegeben.

Freitag, 20. März

12:00
Pressevorbesichtigung

18:00
Ausstellungseröffnung

ab 18:00
Walk-in-Kino: Eröffnungsprogramm
Film-Screenings

19:30
Eröffnungsreden
Bonaventure Soh Bejeng Ndikung und Paz Guevara

20:00
Keynote Lecture
David Olusoga

20:30
Keynote Lecture
Santanu Das

21:00
Konzert von Cheikh Lô

22:30
DJ Kalaf Epalanga

Samstag, 21. März

12:00–19:00
Kinderbetreuung

12:00
Durch die Ausstellung mit …
Bonaventure Soh Bejeng Ndikung und Paz Guevara

13:00
Indochine. Sur les traces d’une mère (Indochina. Auf den Spuren einer Mutter)
Film-Screening

13:00
Where the Tirailleurs’ Stories Meet
Mit Beitragenden von Hide and Seek Audiovisual Art, Taipeh und RAW Material Company, Dakar

14:00
Artist Talks: Zur Besetzung des öffentlichen Raums
Mit Yassine Balbzioui und Pascale Marthine Tayou, moderiert von Paz Guevara und Daniel Neugebauer

15:00
Artist Talks: Zur Verkörperung von Befreiunsgeschichten
Mit Pélagie Gbaguidi, Dior Thiam und Barthlémy Toguo, moderiert von Marie Helene Pereira und Alya Sebti

16:00
Camp de Thiaroye
Film-Screening mit einer Einführung von Can Sungu

19:00
Batt you nou waxoul / Les mots qu’ils n’ont pas dits / The words they left unsaid
Performance von Cheikh Tidiane Diagne und Lamine Diagne

19:30
‘Que sera demain l’œil de Dieu’: A Brief History of the Tirailleurs sénégalais and Charles N’Tchoréré
Vortrag von Christian Eboulé

20:30
Nowruz – ein neuer Tag
Performative Lesung, Konzert, DJ-Set

Sonntag, 22. März

12:00–19:00
Kinderbetreuung

12:00
Durch die Ausstellung mit …
Emilienne Fernande Bodo

14:00
Artist Talks: Zur Unterwanderung des kolonialen Imaginären
Mit Kathleen Bomani und Francisco Vidal, moderiert von Sara Morais dos Santos Bruss und Eric Otieno Sumba

15:30
The Halfmoon Files
Film-Screening und Gespräch mit dem Regisseur Philip Scheffner

18:00
J’ai tant aimé
Film-Screening mit einer Einführung von Amaal Meftouh Ezzeyany

20:00
Abel Selaocoe & Bantu Ensemble

WANN?

Eröffnung: Freitag, 20. März 2026

Ausstellung: Samstag, 21. März – Sonntag, 14. Juni 2026

WO?

Haus der Kulturen der Welt (HKW)
John-Foster-Dulles-Allee 10
10557 Berlin

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