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Freitag, Februar 13, 2026

Annahme des Entschädigungsangebots für den Tänzerinnenbrunnen – Georg Kolbe Museum

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Heute teilte das Berliner Georg Kolbe Museum mit, dass die Erben von Heinrich Stahl das Angebot der vollständigen Rückgabe des Tänzerinnen-Brunnens annehmen. Dem Georg Kolbe Museum und seinem Kuratorium war es angesichts des Verfolgungsschicksals der Familie Stahl sowie der Tatsache, dass es sich bei dem Brunnen unstreitig um NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut handelt, ein zentrales Anliegen, eine gerechte und faire Lösung im Sinne der Washingtoner Prinzipien herbeizuführen. 

Abb. oben: Georg Kolbe, „Tänzerinnen-Brunnen”, 1922, Villa Heinrich Stahl, Berlin Dahlem, Foto: unbekannt.

Der Tänzerinnen-Brunnen im Skulpturengarten des Georg Kolbe Museums stand im Zentrum einer laufenden Provenienzforschung und eines begleitenden Rechercheprojekts. Das Georg Kolbe Museum bezeichnet diese Arbeit als vom Wissen um das Unrecht und der Notwendigkeit der Anerkennung des Leids, das unzähligen jüdischen Opfern angetan wurde, geleitet. In diesem Zusammenhang kontaktierte das Haus 2024 erneut die ihm bekannten Nachfahren, um u. a. gemeinsam mit ihnen an einem würdigen Gedenken an das Schicksal Heinrich Stahls, des ursprünglichen Eigentümers, und seiner Familie zu arbeiten.

Heinrich Stahl, ein jüdischer Unternehmer und Auftraggeber des Brunnens, wurde 1942 im Konzentrationslager Theresienstadt ermordet. Der Brunnen galt lange als verschollen und wurde in den 1970er Jahren rekonstruiert. Seit den 1980er Jahren stand das Georg Kolbe Museum im Austausch mit den Nachfahren, die 2001 – so der damalige Sachstand – auf Ansprüche verzichteten, sich jedoch ein Gedenken wünschten.

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Detailansicht: Georg Kolbe, „Tänzerinnen-Brunnen”, 1922, Bronze, Kalkstein, Foto: Markus Hilbich.

Unter der Direktion Kathleen Reinhardt stellte das Museum seit 2023 die eigene Geschichte, Sammlung und Georg Kolbes Wirken in unterschiedlichen politischen Systemen systematisch infrage. Seit 2023 arbeitete das Museum im Rahmen des Projekts „The Fountain“ interdisziplinär an der historischen Einordnung und Kontextualisierung des Tänzerinnen-Brunnens. Im Jubiläumsjahr der Institution 2025 nahm das Museum den Dialog mit den Nachfahren proaktiv erneut auf.

Ziel des Projekts war es, Restitutionsfragen zu klären und neue Formen des Erinnerns zu entwickeln. Dabei standen der Austausch mit den Nachfahren sowie mit Künstler:innen, Wissenschaftler:innen und der Öffentlichkeit im Zentrum. Die Bildsprache war ebenso Gegenstand der Recherche und kritischen Auseinandersetzung wie die Eigentumsgeschichte.

Diese prozessuale Herangehensweise verbindet Erinnerung und Offenlegung von NS-Verfolgung sowie kolonialen Bildpolitiken in einem iterativen, öffentlichen Verfahren, das auf juristische Klärung, gemeinsame Formen des Gedenkens und eine institutionelle Auseinandersetzung mit historischen Verantwortlichkeiten zielt. So zeigt der Sockel der Skulptur schwarze Trägerfiguren, die eine weiße Tänzerin stützen – ein kolonial codiertes Motiv mit antisemitischer Objektgeschichte.

Vor diesem Hintergrund führten die eingeleiteten Recherchen, Gespräche und juristischen Prüfungen zu einer entscheidenden Klärung. Aufbauend auf der bisherigen Auseinandersetzung mit der Objektgeschichte und im engen Austausch mit den Nachfahren konkretisierte das Museum nun die nächsten Schritte. Heute bestätigten das Georg Kolbe Museum und sein Kuratorium die vollständige Restitution des Tänzerinnen-Brunnens an die Erbengemeinschaft nach Heinrich Stahl.

Dem Georg Kolbe Museum und seinem Kuratorium war es angesichts des Verfolgungsschicksals der Familie Stahl sowie der Tatsache, dass es sich bei dem Brunnen unstreitig um NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut handelt, ein zentrales Anliegen, eine gerechte und faire Lösung im Sinne der Washingtoner Prinzipien herbeizuführen. Dem Museum und der Stiftung ist bewusst, dass die Restitution das widerfahrene unentschuldbare Unrecht nicht ungeschehen macht; sie ist jedoch eine Geste der Anerkennung des Unrechts gegenüber den Nachfahren.

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Detailansicht: Georg Kolbe, „Tänzerinnen-Brunnen”, 1922, Bronze, Kalkstein, Foto: Markus Hilbich.

Nach den in den vergangenen Monaten erfolgten juristischen Klärungen steht nun fest, dass Werner Stahl, der Enkel von Heinrich Stahl, im Jahr 2001 den Verzicht auf den Tänzerinnen-Brunnen nicht im Namen der gesamten Familie Stahl erklärt hatte. Vor diesem Hintergrund brachten das Georg Kolbe Museum und das Kuratorium der Georg Kolbe-Stiftung zum Ausdruck, das Werk vollständig an die Erbengemeinschaft nach Heinrich Stahl restituieren zu wollen. Bereits im September 2025 hatte das Museum den Erben ein entsprechendes Angebot unterbreitet, dem diese nun durch ihre Rechtsvertreter zugestimmt haben. Derzeit stimmen sich die Erben und das Museum über das weitere Vorgehen im Rahmen der Restitution ab.

Seit 2022 befasst sich das Georg Kolbe Museum systematisch mit seiner eigenen Geschichte, seiner Sammlung und Georg Kolbes Wirken insbesondere in der NS-Zeit und ist Teil wichtiger Forschungsnetzwerke zu den Kontinuitäten nach 1945. Seit 2024 arbeitet das Museum im Rahmen des Forschungs-, Vermittlungs- und Ausstellungsprojekts „Der Brunnen/The Fountain“ interdisziplinär und iterativ an der Erforschung, historischen Einordnung und Kontextualisierung von Georg Kolbes Tänzerinnen-Brunnen (1922). Anfang 2025 nahm das Museum proaktiv den Dialog mit den Nachfahren des ursprünglichen Eigentümers Heinrich Stahl auf, um die Restitutionsfrage zu klären und darauf aufbauend neue Formen des Erinnerns zu entwickeln.

Das Georg Kolbe Museum versteht es als seine Aufgabe, in enger Abstimmung mit den Nachfahren auch künftig an das der Familie Heinrich Stahl zugefügte Unrecht zu erinnern. Museum und Stiftung danken allen Angehörigen und ihren Vertretern sowie allen Beteiligten für ihre Unterstützung und Geduld.

Im Rahmen seiner Bildungsarbeit und Forschung greift das Museum in internationalen Netzwerken kontinuierlich neue Fragestellungen zur Kunstgeschichte im Nationalsozialismus sowie zu den Kontinuitäten nach 1945 auf. In seinen Ausstellungs-, Vermittlungs- und Forschungsformaten verpflichtet sich das Haus der wissenschaftlichen Aufarbeitung historischer Zusammenhänge und deren breiter Vermittlung. Seit vielen Jahren engagiert sich das Museum zudem aktiv in der Bildungsarbeit gegen Antisemitismus.

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