Die Stiftung Kunstforum Berliner Volksbank unterstützt ein außergewöhnliches Projekt zur Kunst- und Kulturgeschichte Ostdeutschlands. Über 70 Videointerviews eröffnen seltene, persönliche Einblicke in künstlerische Biografien und die Kunstszene der DDR. Die Filme sind ab sofort frei zugänglich auf der Website der Stiftung Kunstforum Berliner Volksbank.
Abb. oben: Uwe Warnke und Gabriele Muschter. Foto: Manfred Butzmann.
Die Kunstwissenschaftlerin Gabriele Muschter (1946–2023) und der Schriftsteller, Verleger und Kurator Uwe Warnke (*1956) initiierten im Jahr 2014 eine Reihe filmischer Interviews mit bildenden Künstler:innen, Fotograf:innen und Kunstvermittler:innen. Im Mittelpunkt der Gespräche standen Fragen gesellschaftlicher Transformationsprozesse, wobei ein Großteil der interviewten Persönlichkeiten eine ostdeutsche Sozialisation aufweist.
Derzeit sind 73 dieser Videointerviews auf der Website der Stiftung Kunstforum Berliner Volksbank öffentlich zugänglich; weitere Veröffentlichungen sind geplant. Die Aufnahmen liegen im Rohschnitt vor, sodass die Gespräche in ihrem vollständigen, unmittelbaren und unverfälschten Verlauf nachvollziehbar sind.
Herausragende Persönlichkeiten der deutschen Kulturlandschaft
Zu den interviewten Persönlichkeiten zählen unter anderem die Fotograf:innen Helga Paris sowie Ute Mahler und Werner Mahler, die Künstler:innen Karl-Heinz Adler, Angela Hampel, Gerd Sonntag und Max Uhlig, der Verleger und Plakatkünstler Klaus Staeck, der Regisseur Achim Freyer sowie der letzte frei gewählte Kulturminister der DDR, Herbert Schirmer.
Das Projekt verfolgt das Ziel, Erfahrungen des Lebens und Arbeitens in der DDR sowie in der Zeit nach der Wiedervereinigung zu dokumentieren und dauerhaft zu sichern. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich die gesellschaftlichen Transformationsprozesse seit 1989/90 auf individuelle Biografien und künstlerische Arbeitsweisen ausgewirkt haben.

Einzigartiges filmisches Zeitdokument
Die geführten Gespräche machen Denkprozesse unmittelbar erfahrbar. Sie dokumentieren ungefilterte Momente, Widersprüche und spontane Erinnerungen und eröffnen dadurch einen authentischen Einblick in individuelle Reflexionen. Als solche bilden sie eine wertvolle Materialbasis für Recherchen, wissenschaftliche Forschung, Ausstellungen sowie unterschiedliche kulturelle Formate.
Da einige der Interviewten inzwischen verstorben sind, kommt dem Online-Videoarchiv eine besondere Bedeutung zu: Es bewahrt Zeitzeugnisse, die andernfalls unwiederbringlich verloren wären.
Das Projekt wurde in seiner Anfangsphase durch Mittel der Bundesstiftung Aufarbeitung unterstützt; der überwiegende Teil der Filme entstand jedoch durch persönlichen Einsatz. Die technische Umsetzung erfolgte mit Unterstützung von Olaf Voigtländer.
Die Rechte liegen bei Gabriele Muschter und Uwe Warnke, sie sind auch für den Inhalt der Filme verantwortlich.
Vermittlung durch neues Kuratoriumsmitglied Prof. Dr. Lynn Rother
Um das Projekt 2025/26 zum Abschluss zu bringen, hat die Stiftung Kunstforum Berliner Volksbank ihre Hilfe angeboten und zeigt die Interviews auf Ihrer Website.





