Schwerer Stoff. Frauen – Trachten – Lebensgeschichten – Museum Europäischer Kulturen | 24.04.2026–29.03.2027

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Das Museum Europäischer Kulturen präsentiert die wertvollsten Objekte aus der Textilsammlung des Donauschwäbischen Zentralmuseums: Frauen- und Mädchenkleidung von 1880 bis 1990. Poppige Farben auf goldenem Grund neben tiefschwarzer Brautkleidung: Donauschwäbische Trachten geben überraschende Einblicke in die einstigen Lebenswelten von Frauen und Mädchen. Diese Welt war eng, weil von dörflichen und kirchlichen Regeln bestimmt, aber auch weit, weil sie die Vielfalt einer multikulturellen Gesellschaft bot.

Abb. oben: Kirchweih-Umzug junger Paare in Neudorf (Banat, Rumänien), 1976. © Donauschwäbisches Zentralmuseum (DZM)

Die Ulmer Kuratorin der Ausstellung Henrike Hampe erklärt: „Die Kleidungsensembles bestehen aus bis zu 15 Teilen. Von ihnen trennten sich ihre Besitzerinnen trotz bewegter Lebensläufe nicht. So verdeutlichen sie die enge Beziehung zwischen Menschen und ihren Kleidern – vom Arbeitsgewand bis zur Brautausstattung, von der Mädchentracht bis zum Totenkleid. Jede der ausgestellten Trachten erzählt etwas über individuelle, weibliche Lebensgeschichten und gibt gleichzeitig Auskunft über die Geschichte der Donauschwäb*innen in Wandel der Zeit.“

Die Ausstellung schlägt Brücken zwischen Tradition und Moderne, Ideologie und Realität, einstigem und heutigem textilen Upcycling. Sie vermittelt Einblicke in das Leben von Donauschwäb*innen, den Nachkommen deutschsprachiger Auswanderer, die sich vom späten 17. bis zum 19. Jahrhundert im Königreich Ungarn niederließen. Dort lebten sie als eine ethnische Gruppe unter vielen.

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“Bauernbrokat” hieß die farbenfrohe Kunstseide, die um 1940 der letzte Schrei in donauschwäbischen Dörfern war. Diese Mädchen-Festkleidung trug Katharina Just in Kéty / Giek (Ungarn) um 1943. © Donauschwäbisches Zentralmuseum (DZM) / Foto: Oleg Kuchar 

20 Kleiderensembles, zahlreiche Fotografien, Zeichnungen von Erna Piffl und weitere Objekte machen deutlich: Persönliche Erinnerungen sind in Textilien eingewebt, Lebensgeschichten untrennbar mit ihnen verbunden. Sie laden die Besucher*innen ein, in europäische Geschichte(n) über Ankommen, Existenz, Abgrenzung und Integration, Ver- und Entwurzelung einzutauchen.

Die Ausstellung ist am Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm entwickelt worden. Nach der Station am Ethnografischen Museum Budapest wird sie nun mit Unterstützung der am Museum Europäischer Kulturen angesiedelten Stelle „Koordinierung Ostmittel- und Südosteuropa“ gezeigt.

Zahlreiche Vermittlungsangebote und Großveranstaltungen ergänzen die Ausstellung. Unter dem Motto „Auf nach Süden“ findet am Sonntag, 21. Juni 2026, von 14 – 22 Uhr ein Thementag über Donauschwäb*innen mit Workshops und Führungen statt. Abgerundet wird der Tag im Museumsgarten von Livemusik aus Südosteuropa im Rahmen der Fête de la Musique.

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Detail der Sonntagskleidung der Bauerntochter Elisabeth Weiss, getragen in Kéty / Giek (Schwäbische Türkei, Ungarn) 1942. © Donauschwäbisches Zentralmuseum (DZM) / Foto: Oleg Kuchar

Am Sonntag, 8. November 2026, findet zum 20. Mal der Textiltag in Kooperation mit dem Fachverband …textil.. e.V. und dem Verein der Freunde des Museums Europäischer Kulturen statt. Zwischen 11 – 17 Uhr können die Besucher*innen vielfältige Techniken mit verschiedenen Materialien erlernen und sich in der Ausstellung „Schwerer Stoff“ inspirieren lassen – z.B. bei öffentlichen Führungen um 13 Uhr und 15 Uhr. 

WANN?

Eröffnung: 23. April 2026, um 18 Uhr, im Foyer des MEK statt.

Ausstellungdaten: 24. April 2026 bis 29. März 2027

WO?

Museum Europäischer Kulturen
Arnimallee 25
14195 Berlin

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