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ART COLOGNE 2025: Director Daniel Hug über Highlights, neue Galerien und aktuelle Entwicklungen am Kunstmarkt | 06.11.-09.11.2025

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Kommende Woche eröffnet die 58. ART COLOGNE vom 6. bis 9. November 2025. Daniel Hug, künstlerischer Leiter und Director der Kunstmesse, gibt im Interview einen ersten Überblick über das Angebot.

Abb. oben: Das Museum Ludwig und der Kölner Dom. Art Cologne.

Herr Hug, welche Highlights gibt es bei der aktuellen Ausgabe der ART COLOGNE? Beginnen wir mit dem Sektor GALLERIES, der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts.
Besonders erfreulich ist, dass sich wieder zwei Galerien aus Großbritannien angemeldet haben. Da ist zum einen die Cristea Roberts Gallery aus London, die zuletzt vor der Pandemie auf der ART COLOGNE vertreten war. Sie ist bekannt für ihre Top-Editionen von Künstlerinnen und Künstlern wie Georg Baselitz, Jim Dine, Richard Long, Paula Rego und Tom Wesselmann. Es sind nicht alles Blue-Chip-Werke, es gibt auch erschwinglichere Editionen. Die andere Galerie ist Richard Saltoun mit Standorten in London, New York und Rom. Er vertritt viele feministische Künstlerinnen aus den 1970er- und 1980er-Jahren, darunter Annegret Soltau. Auf ihrem Stand werden weitere Künstlerinnen zu sehen sein: Toyen, Romany Everleigh, Simryn Gill, Greta Schodl und Bracha Ettinger.

Die Galerie Buchmann aus Berlin ist mit Künstlerinnen und Künstlern wie Tony Cragg, Wilhelm Mundt und Bettina Pousttchi zurückgekehrt. Ebenfalls zurück ist die Galerie Kraupa-Tuskany Zeidler aus Berlin, die Arbeiten von Guan Xia, Brett Ginsburg und Pieter Schoolwerth präsentiert. Im Sektor COLLABORATIONS sind weitere Neuzugänge im Bereich der Nachkriegskunst zu finden.

Ein weiteres Highlight im Sektor GALLERIES ist die Galerie Anita Beckers, deren Gründerin kürzlich verstorben ist. Sie präsentiert eine Doppelausstellung mit Annegret Soltau und Jürgen Klauke, zwei Kunstschaffenden, die in den 1970er- und 1980er-Jahren sehr aktiv waren.

Und wie sieht es im Sektor NEUMARKT, also der aktuellen Kunst, aus?
In diesem Sektor haben wir jetzt 34 Galerien, im Vorjahr waren es noch 26. Das war auch für mich eine Überraschung. Die Qualität der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist sehr hoch. Ich finde es sehr wichtig, dass die neue Generation die ART COLOGNE als relevant ansieht. Für mich ist der Zuwachs definitiv ein Zeichen dafür, dass die Messe für junge internationale Galerien ein wichtiger Handelsplatz ist.

Yehudi Hollander-Pappi reist aus São Paulo an. Die Galerie wird keine eigene Koje präsentieren, sondern eine hintere Wand, vor der sie eine großformatige mechanische Installation von Adriano Amaral aufbauen wird.

Foto: Art Director Daniel Hug. Art Cologne.

Können Sie ein paar weitere Newcomer nennen und etwas über ihr Programm sagen?
Neu dabei ist Sweetwater aus Berlin. Die sechs Jahre alte Galerie hat ein sehr konzeptuelles Programm und präsentiert zur ART COLOGNE Arbeiten von Friedemann Heckel und Christopher Aque. Ein intelligentes Programm.
Zum ersten Mal auf der Messe sind außerdem The Pill aus Istanbul mit Arbeiten von Nil Yalter und Özlem Altin sowie The Stable aus S-chanf in Graubünden mit Arbeiten von Patrick Salutt und Yves Scherer.

Auch Clementin Seedorf ist ein Newcomer. Es handelt sich dabei um eine junge Galerie, die in einem versteckten Keller in der Kölner Südstadt liegt. Es ist das erste Mal, dass sie sich für eine Kunstmesse beworben haben. Sie haben ein sehr interessantes Programm. Gezeigt werden Werke von Lukas Goersmeyer, Amelie Karweick und Max Sandfort.

Erstmalig auf der ART COLOGNE vertreten ist außerdem die Galerie zaza’ mit Standorten in Mailand und Neapel. Die Galerie präsentiert Arbeiten von Emanuele Marcuccio und Lydia Ourahmane. Zusätzlich wird der gesamte Stand wie ein Produkt im Supermarkt in Plastik einvakuumiert. Das würde ich als institutionelle Kritik bezeichnen. Der Aufbau wird ziemlich kompliziert werden.

Ebenfalls wichtig sind Kandelhofer aus Wien mit Künstlerinnen wie Acaye Kerunen, Marc Henry und Maximilian Prüfer, die Galerie Koshba aus Köln mit einer Solo-Präsentation von Mitchell Kehe und LC Queisser aus Köln und Tiflis mit Arbeiten von Rafik Greiss, Karlo Kacharava und Anton Munar sowie Mountains aus Berlin, die nach einigen Jahren wieder dabei sind und zwei Künstlerinnen, Lauren Coullard und Edi Dubien, präsentieren.

Gibt es auch diesmal einen Länderschwerpunkt? Im vorigen Jahr waren ja auffallend viele Galerien aus der Türkei auf der Messe vertreten.
Aus der Türkei sind dieses Jahr wieder Dirimart und Sevile Dolmacı im Sektor GALLERIES sowie Anna Laudel im Sektor COLLABORATIONS mit dabei. Neu dabei ist The Pill im Sektor NEUMARKT.

Außerdem beteiligen sich in diesem Jahr vermehrt Galerien aus Spanien, darunter die Galerie F2 aus Madrid und die Galerie Fermay aus Palma. Im Sektor COLLABORATIONS wird es außerdem einen mallorquinischen Gemeinschaftsstand geben, den drei Galerien bespielen werden. Galeria Baro, LaBibi + Reus und Xavier Fiol vom mallorquinischen Galerienverband Art Palma Contemporani. Dieser Verband ist unser Partner bei der neuen ART COLOGNE PALMA MALLORCA, die im April Premiere feiert.

Der Sektor COLLABORATIONS wurde ebenfalls verstärkt. Was gibt es für Konzepte, welche Zusammenspiele?
Da ist zum Beispiel Die Galerie aus Frankfurt. Sie zeigt die Werke der beiden Künstler Johannes Heisig und Volker Stelzmann. Heisig ist der Sohn des Informell-Malers Bernard Heisig, während Stelzmann als Vater der Leipziger Schule bezeichnet wird. Beide arbeiten hauptsächlich figürlich.

In diesem Sektor ist auch die Galeria de las Misiones aus Montevideo besonders interessant. Sie stellt zusammen mit der Sammer Gallery aus Miami Beach aus. Beide Galerien konzentrieren sich auf pure abstrakte Malerei und sind besonders auf den lateinamerikanischen Konstruktivismus und die konkrete Kunst spezialisiert. Sie präsentieren eine Solo-Präsentation von Tomás Maldonado (1922–2018), einem argentinischen Maler und Gestalter. Maldonado war von 1955 bis 1967 Dozent an der Hochschule für Gestaltung Ulm und setzte damit die Bauhaus-Philosophie in der Nachkriegszeit fort. Es ist sehr interessant, dies auf der Kunstmesse hier in Deutschland zeigen zu können, wo dieser Stil geboren wurde. Das wird sicher auch für Institutionen und den einen oder anderen Sammler von Interesse sein. Ich freue mich sehr darauf.

Die Galerie Zink arbeitet mit der Galerie Bao aus Paris zusammen, die sich auf Kunst aus Vietnam spezialisiert hat. Das klingt ebenfalls vielversprechend.
Auch die A+B Galerie und Rolando Anselmi bespielen einen COLLABORATIONS-Stand. Neu dabei ist Jo van de Loo aus München, der mit der Galerie Sperling kooperiert.

Warum interessieren sich immer mehr Galerien für die Möglichkeit, gemeinsam kuratierte Projekte zu präsentieren?
In wirtschaftlich schwierigen Zeiten ermöglicht der Sektor COLLABORATIONS den Galerien, Geld zu sparen, indem sie ihre Präsentation gemeinsam umsetzen. So können sie auch Projekte zeigen, die sich finanziell nicht unbedingt lohnen würden. Da ist zum Beispiel eine spannende Kollaboration zwischen Max Goelitz aus München und Temnikova & Kasela aus Tallinn zu nennen, die Arbeiten von Lou Jaworski und Katja Novitskova zeigen.

Ich glaube auch, dass das Interesse gewachsen ist, weil wir den Sektor nicht mehr abgetrennt haben, sondern die COLLABORATIONS überall platzieren, auch in der unteren Halle.

Hat sich an der Hallenplanung etwas geändert?
Natürlich mussten wir den Bereich NEUMARKT vergrößern.
Es gibt nach wie vor die vier Plazas, aber die Plaza in der Südwest-Ecke der Halle ist größer geworden. In dieser Ecke werden wir eine kleine Bar bauen, was sehr angenehm sein wird.

Foto: Kölner Dom. Art Cologne.

Was ist im Bereich ART + OBJECT zu erwarten?
In diesem Jahr ist der Sektor kompakter. Zu nennen sind hier die Galerie Uitstalling aus Genk und Poznan, die eine Soloshow des verstorbenen Künstlers Ado Hamelryck präsentieren werden. Der 1941 geborene und 2024 verstorbene Belgier arbeitete ausschließlich mit der Farbe Schwarz. Das wird eine schöne Präsentation. ART + OBJECT bezieht sich schließlich auch auf historische Positionen, und wir finden, dass dieser Künstler sehr gut in diesen Bereich passt.

Auch die Galerie Kodlcontemporary aus Prag ist zum ersten Mal auf der ART COLOGNE vertreten. Sie zeigt Werke der Malerin und Glaskünstlerin Ira Svobodová. Wieder mit dabei sind Vivid aus Rotterdam, 10 A.M. Art aus Mailand sowie Sgr. a Jörg Jung und Kaune Contemporary, beide aus Köln.

Mit 167 Galerien gegenüber 175 Galerien im vergangenen Jahr fällt die aktuelle Ausgabe der ART COLOGNE etwas kleiner aus.
Ich finde 167 Teilnehmer sind eine gute Größe. So groß war die Messe auch 1968, als die ART COLOGNE als wichtigste Kunstmesse weltweit galt.

Welche Sonderschauen wird es geben?
Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) präsentiert erneut eine Sonderschau. Das Thema lautet dieses Mal „Klangwelten“. Kuratiert von Barbara Thomann werden rund 40 Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern zum Thema Musik, Klang und Resonanz gezeigt. Darunter sind Werke von Max Ackermann, E.W. Nay, Elizabeth Peyton, Martin Kippenberger, Isa Genzken und vielen anderen.

Das Zentralarchiv für deutsche und internationale Kunstmarktforschung (ZADIK) zeigt eine Präsentation aus der Sammlung von Charlotte Zander. Sie hat ihre Sammlung ab Mitte der 1960er Jahre mit Werken von Künstlerinnen und Künstlern aufgebaut, die nicht an einer Kunsthochschule studiert haben. Ihre Werke wurden damals als „naive Kunst“ bezeichnet. Die Ausstellung beleuchtet die Lebensstationen der Sammlerin, Galeristin und Museumsgründerin.

Vor dem Messeeingang Süd wird eine riesige Bronze-Skulptur von Stefan Strumbel als Sonderschau platziert, die von der Galerie Ruttkowski 68 präsentiert wird.

Die Kunstvereine aus Nordrhein-Westfalen bespielen einen Gemeinschaftsstand, auf dem sie ihre Jahresgaben präsentieren. Valerie Knoll vom Kölnischen Kunstverein und Viktor Neumann vom Bonner Kunstverein haben mich deswegen angesprochen und ich fand die Idee der Gruppeninitiative gut.
Darüber hinaus zeigt die Gesellschaft für Moderne Kunst ihren Ankauf.

Im Rahmenprogramm der Messe findet zudem die „Cologne Gallery Night“ statt. Die Kölner Galerien bleiben am Samstag, dem 8. November, bis 22 Uhr geöffnet. Dann kann man von der Messe direkt in die Stadt gehen und die Galerien besuchen. Das finde ich ganz toll.

Die wirtschaftlichen Aussichten sind derzeit alles andere als gut.Wird sich das auf die Umsätze auf der ART COLOGNE auswirken?
Klar, der Markt ist schwieriger geworden, aber das betrifft eher den globalen Markt. Der nationale und der europäische Markt laufen noch ganz gut. Hier ist es nicht so schlimm wie in den USA, wo die Krise deutlich spürbar ist, und Galerien schließen müssen. Korrekturen auf jedem Markt sind normal. Es gibt auch Vorteile, denn die Preise sinken bzw. normalisieren sich. Die ART COLOGNE ist ziemlich stabil und weniger betroffen als Messen wie die Frieze oder die Art Basel.

Hier in Köln sind alle wichtigen Galerien wieder dabei, und das Interesse junger Galerien teilzunehmen, steigt. Zudem ziehen auch wieder mehr Galerien in die Stadt, wie etwa LC Queisser aus Tiflis, die kürzlich in Köln eine Dependance eröffnet hat. Das hängt auch mit der zentralen Lage der Stadt zusammen, die nah an Paris und Belgien und somit mitten in Europa liegt.

Sie haben gesagt, die Messe solle ein Ort für Austausch, Inspiration und gesellschaftliche Reflexion sein. Wie ist das zu verstehen?
Gerade heute, wo alles vom Handy und dem Internet geprägt ist, ist ein menschliches Treffen umso wichtiger. Der persönliche Austausch bleibt wichtig.
Das ist ein Grund dafür, warum es Kunstmessen auch in Zukunft geben wird. Dabei geht es nicht nur um die Vermittlung von Kunst – obwohl dies eigentlich die wichtigste Rolle einer Kunstmesse ist – es geht auch um die persönliche, die physische Begegnung mit der Kunst und den Austausch über die Inhalte mit den Galeristen, mit anderen Sammlerinnen und Sammlern, mit Kuratorinnen und Kuratoren sowie Museumsleuten. Das ist die Basis einer guten Kunstmesse und das wird auch zukünftig eine wichtige Rolle spielen.

WANN?

Vernissage: Donnerstag, 06. November, 16–20 Uhr

Ausstellungsdaten: Donnerstag, 06. November bis Sonntag, 09. November 2025.

Öffnungszeiten:
07.-08. November 2025: 11-19 Uhr
09. November 2025: 11-18 Uhr

WO?

Koelnmesse GmbH
Messeplatz 1
50679 Köln

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