Heimsuchung: 40 Jahre KGM am Kulturforum – Kunstgewerbemuseum | 15.11.2025–14.06.2026

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Ein Jubiläum, wie das 40-jährige Bestehen des 1985 eröffneten Kunstgewerbemuseums (KGM) im von Rolf Gutbrod entworfenen Neubau am Kulturforum in West-Berlin, ist häufig Anlass für einen feierlichen Rückblick. Das KGM wählt einen anderen Weg und lädt zur aktiven Beschäftigung mit den vielschichtigen Ebenen nicht nur seiner Geschichte, sondern vor allem seiner Zukunft ein.

Abb. oben: Bau des Kunstgewerbemuseums, ca. 1985, Foto: Archiv KGM, Fotograf unbekannt

Die Ausstellung „Heimsuchung: 40 Jahre KGM am Kulturforum“ versteht sich als eine Art Séance – ein gemeinsames Hinhören auf die Echos der Vergangenheit, die Potenziale der Gegenwart und die noch ungeschriebenen Zukünfte des Hauses. Anstelle einer fest vorgegebenen Erzählung öffnet sie einen Raum für die komplexen Fragen, die diesen Ort seit vier Jahrzehnten prägen.

Visionen und Brüche

Die Geschichte des Kunstgewerbemuseum Berlin ist von Visionen und Brüchen geprägt, nicht zuletzt durch die ehemalige Teilung in Ost- und West-Berlin, die zwei bis heute existierende Standorte des Museums – das Kulturforum im Westen und Schloss Köpenick im Osten Berlins – zur Folge hatte.

Die Ausstellung spürt der Gründungsidee des Hauses als Einrichtung nach, die der Geschmacksbildung von Handwerkern dienen sollte, seinen ursprünglichen Antriebskräften als Unterrichtsanstalt mit Vorbildersammlung sowie den Konflikten, die mit einer solch tief im 19. Jahrhundert verwurzelten Vorstellung einhergingen. Anstatt jedoch eine abgeschlossene Version der Museumsgeschichte zu präsentieren, werden Teile der Sammlung, der Methodik und der institutionellen Vergangenheit so gezeigt, dass sie die vielschichtige Natur des Museums erlebbar machen.

Was ist von diesem Gründungsgedanken übriggeblieben bzw. wie wurde er in das 20. Jahrhundert transferiert? Für die Beantwortung dieser Frage kann das Kulturforum konsultiert werden, das nicht nur Museumsstandort ist, sondern ein Ort vielfältiger Kontroversen und Debatten: Zeugnis einer Zukunftsvision, dessen heutige Realität die zahlreichen Kompromisse und ungelösten Fragen in der Geschichte des Kunstgewerbemuseums widerspiegelt.

Bau des Kunstgewerbemuseums, ca. 1985, Foto: Archiv KGM, Fotograf unbekannt

Heim/suchung

Mit der komplexen, über annähernd 20 Jahre andauernden Baugeschichte des heutigen Museums am Kulturforum gingen Konflikte und Potenziale einher, die mit neuen Anforderungen an das Museum generell verknüpft waren. Sie betrafen konservatorische und bautechnische Erfordernisse, aber vor allem den vordringlichen Auftrag und zugleich Anspruch des Museums, ein demokratischer Bildungsort zu sein.

Die Ausstellung widmet sich insbesondere diesen sozialen und museologischen Realitäten, für die Rolf Gutbrod mit dem Einbau einer durch das Haus eingezogenen Vermittlungsgalerie eine wegweisende und viel beachtete Lösung gefunden hatte. Sie beleuchtet die Erfolge und das Scheitern einer gebauten Vision und lüftet zugleich den Vorhang, um Einblicke in die Realität zu geben, die sich in den Restaurierungswerkstätten und Büros abspielt.

Die Zukunft als offene Frage

Die Ausstellung blickt nach vorn und begreift die Zukunft als einen offenen Prozess mit großem Gestaltungsspielraum. Angesichts notwendiger anstehender Veränderungen – wie Renovierung, Sanierung und inhaltlicher Neuausrichtung – stellt sie die Zukunft des KGM zur Diskussion. Sie ist keine finale Antwort, sondern eine offene Frage, formuliert in der Sprache der Institution: als Einladung an die Öffentlichkeit, am nächsten Kapitel mitzuwirken.

WANN?

Eröffnung: Freitag, 14. November 2025, 18 Uhr

Ausstellung: Samstag, 15. November – Sonntag, 14. Juni 2026

WO?

Kunstgewerbemuseum
Kulturforum Berlin
Johanna-und-Eduard-Arnhold-Platz / Matthäikirchplatz
10785 Berlin

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