Anlässlich seines 80-jährigen Bestehens reflektiert das Haus am Waldsee sich selbst als ein Gefüge von Bedingungen: als einen Ort, ein soziales Konstrukt und eine räumliche Struktur, die seit acht Jahrzehnten das künstlerische Programm am Ufer des Waldsees prägen. Im Jubiläumsjahr 2026 wird das Haus diesen Verflechtungen von Ort, Leben und Kunst in einem vielseitigen Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm nachgehen. Zugleich richtet es den Blick nach vorn und versteht sich als aktiver Akteur seiner eigenen Geschichte, der aus ihr neue Impulse für das Jetzt und das noch Entstehende zieht.
Abb. oben: Rey Akdogan, Single slide from Carousel #9, 2016, Lichtfilter, verschiedenfarbige Verpackungsmaterialien, zusammengehalten durch Dia-Rahmen, 13 Min. Loop (80 Dias), Maße variabel. Courtesy die Künstlerin und Miguel Abreu Gallery, New York
Upcoming: Gianna Surangkanjanajai
20.02. – 25.05.2026
Eröffnung: Do, 19.2.2026, 19 Uhr
Gianna Surangkanjanajai (*1991 in Köln, lebt und arbeitet in New York) arbeitet vorwiegend skulptural und reflektiert in ihrer Praxis Situationen, in denen Form aus den Bedingungen ihrer Umgebung hervortritt. Ihre Arbeiten greifen häufig geometrische Körper auf, die jedoch weniger als festgelegte Gestalt erscheinen, denn als Ausgangspunkte und Strukturen, die sich im Verlauf materieller Prozesse verschieben oder porös werden. Transparente Volumen fassen Stofflichkeiten, die sensibel auf Licht, Temperatur und Schwerkraft reagieren. Skulptur entzieht sich hier der Gewissheit des Objekthaften und tritt vielmehr als Anordnung hervor, die sich fortwährend neu justiert und sich äußeren Bedingungen gegenüber öffnet. In Momenten, in denen die Arbeiten an Schwellen zwischen materieller und immaterieller Präsenz operieren, entfaltet sich aus dieser Offenheit ein erweitertes Feld von Möglichkeiten.
Diese Prozesshaftigkeit prägt auch den Titel der Ausstellung, der ihrem zeitlichen Verlauf folgt: Upcoming im Vorfeld, Open während der Laufzeit und Closed nach Ende der Ausstellung. Für das Haus am Waldsee entwickelt Surangkanjanajai eine Gruppe neuer Werke, die in den Räumen des Hauses mit seinen Winkeln, Durchgängen und Lichtachsen in Beziehung treten.

Rey Akdogan
20.02. – 25.05.2026
Eröffnung: Do, 19.2.2026, 19 Uhr
Rey Akdogan (Heilbronn, Köln, lebt und arbeitet in New York) richtet ihren Blick auf Standardisierungen von Materialien und Wahrnehmungsprozessen, die unsere visuelle Gegenwart prägen. Ihre Arbeiten nehmen medienübergreifende und häufig raumbezogene Formen an, die sich zwischen Projektion, Skulptur und Installation bewegen. Akdogan untersucht, wie Atmosphären entstehen und wie Farbe, Licht und stoffliche Eigenschaften sinnliche Erfahrung organisieren und affektive Räume hervorbringen. Die von ihr verwendeten Materialien – Farbfilter, bedruckte Kunststoffe, Verpackungsfragmente – entstammen industriellen und szenografischen Kontexten und dienen in ihren herkömmlichen Zusammenhängen der Steuerung von Blick und Aufmerksamkeit. In Akdogans Arbeiten lösen sie sich aus diesen festen Bestimmungen und machen die operative Logik dieser Systeme neu erfahrbar.
Einen Schwerpunkt der Ausstellung im Haus am Waldsee bilden Akdogans seit 2010 entstehende Carousel-Arbeiten: Dünne Schichten aus Farbfiltern, Mylar und transparenten Resten werden in 35-mm-Dias gefasst und rotieren im Licht des Projektors. Die entstehenden Projektionen sind keine fotografischen Bilder, sondern materielle Überlagerungen, Ausschnitte und Fragmente, die die Gleichförmigkeit industrieller Oberflächen modulieren. Mit jeder Drehung verändern sich Tonlagen: Farbtöne kippen, Linien und Strukturen finden neue Ausrichtungen, vertraute Texturen lösen sich in andere Rhythmen auf. Das Gewohnte wird rätselhaft, bleibt jedoch an seine materielle Herkunft gebunden. So entsteht ein Feld von Übergängen, in dem sich Material und Wahrnehmung neu zueinander verhalten.
Für das Haus am Waldsee wird erstmals eine große Gruppe dieser Carousels zusammengeführt, sodass sich ihre Tempi und Verschiebungen über die Räume hinweg zu einer polyphonen Installation verdichten.
Seit…
20.02.26 – 17.01.27
Eröffnung: 19.2.26, 19 Uhr
1946, noch gezeichnet von den Bombenschäden des Zweiten Weltkriegs, entsteht in der ehemaligen Industriellenvilla Haus Knobloch das Kunstamt Zehlendorf. Aus ihm geht bald das Haus am Waldsee hervor, das in den folgenden Jahrzehnten eine bedeutende Ausstellungsgeschichte schreiben wird. Zum 80-jährigen Jubiläum 2026 richtet das Haus den Blick zurück auf seine Anfangsjahre – auf den Wandel vom privaten Wohnhaus zum Ausstellungshaus, auf Brüche und Kontinuitäten zwischen NS-Zeit und Nachkriegszeit und auf die Spuren, die diese Entwicklungen im Selbstverständnis der Institution hinterlassen haben.
Eine von der georgischen Kuratorin und Archivarin Nina Akhvlediani (*1989 und -ort) für die ehemalige Garage (heute das Café) entwickelte Displayarchitektur ermöglicht flexible Formen der Präsentation von Archivalien. Im Dialog mit zeitgenössischen künstlerischen Positionen eröffnen sich neue Perspektiven auf das Haus, die zeigen, dass Archive immer auch ein Spiegel der Gegenwart sind.
Seit… gliedert sich in drei Kapitel. Das erste Kapitel wird von dem Künstler Luciano Pecoits entwickelt und ist vom 20.2. bis 25.5. zu sehen.
Wo ich wohne
14.06. – 27.09.2026
Eröffnung: 13.6.26
Wo ich wohne blickt anhand der 1922 für den jüdischen Textilfabrikanten Herrmann Knobloch errichteten Villa, in der nur wenige Wochen nach dem Ende des 2. Weltkriegs das Haus am Waldsee seine Anfänge nahm, auf die Geschichte der Institution. Die Sprache des Gebäudes, in dem sowohl Opfer als auch Täter*innen des Nationalsozialismus lebten, wird dabei nicht nur als Rahmen, sondern als Material begriffen. Gegen, mit und aus dem heraus legen die Werke der Ausstellung Zusammenhänge zwischen dem Privaten und dem Politischen offen. Die gewaltvollen Ereignisse und gesellschaftlichen Kämpfe des vergangenen Jahrhunderts hallen in der Architektur, dem Grundstück, seiner Verortung und seiner Nutzung nach. Sie erzählen von einem Versuch bürgerlicher Abgrenzung, der an einer vermeintlichen Normalität festhält, selbst dann, wenn vor den Fenstern alles ins Wanken gerät.
Die internationale Gruppenausstellung entfaltet sich entlang einer raumgreifenden Arbeit von Richard Venlet und bringt historische und neue Werke von Atiéna R. Kilfa, Nigin Beck, Robert Haas, Charlotte von Mahlsdorf, Renée Sintenis und weiteren zusammen.

Peter Wächtler
16.10.26 – 17.01.27
Eröffnung: 15.10.26, 19 Uhr
Im Herbst 2026 präsentiert das Haus am Waldsee die erste umfassende institutionelle Einzelausstellung des Künstlers Peter Wächtler in Berlin. Wächtler (*1979 in Hannover, lebt und arbeitet in Berlin) entwickelt seine Arbeiten jenseits fester Werkbegriffe oder Einordnungen. Er schreibt, filmt, zeichnet, malt, baut Skulpturen und Filmsets, um vertraute Genres und Erzählweisen in eine fragile Balance von Nostalgie, Tragik und absurdem Humor zu überführen. In zwei Jahrzehnten hat Wächtler eine eigene Formensprache entwickelt, die die vermeintliche Behaglichkeit des Vergangenen nutzt, um gegenwärtige Widersprüche zwischen Selbstbestimmung und Selbstaufgabe miteinander zu verschränken. Neben einer neuen Filmproduktion entstehen für die Ausstellung ortsspezifische Arbeiten, die in einen Dialog mit der Architektur des Hauses treten.





