Lesia Vasylchenko: YesterLight – Die Brüche der Zeit wahrnehmen – Schinkel Pavillon (Berlin) | 13.03.-31.05.2026

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Mit YesterLight – Sensing Ruptures of Time präsentiert der Schinkel Pavillon vom 13. März bis 31. Mai 2026 die erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland der ukrainischen Künstlerin Lesia Vasylchenko (Jg. 1990). Ihre multimedialen Arbeiten untersuchen die Politik der Zeit in Zeiten von Krieg, technologischer Beschleunigung und ökologischer Krise und zeigen, wie Konflikte Wahrnehmung und Realität transformieren. Im Zentrum steht das monumentale Video Chronosphere (2024), das die Waffnung von Zeit thematisiert und wissenschaftliche, philosophische sowie folkloristische Perspektiven verknüpft.

Abb. oben: Chronosphere, 2024, Videostill. Mit freundlicher Genehmigung des Künstlers.

Mit YesterLight – Sensing Ruptures of Time präsentiert der Schinkel Pavillon die erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland der ukrainischen Künstlerin Lesia Vasylchenko (geb. 1990). Sie untersucht die Politik der Zeit in einer Ära, die durch Krieg, technologische Beschleunigung und ökologische Krisen geprägt ist. Die in Kiew geborene Künstlerin arbeitet multimedial und erforscht, wie zeitgenössische Konflikte nicht nur Territorien, sondern auch die Wahrnehmung selbst verändern.

Wie hat sich unser Zeitverständnis in den letzten Jahren verschoben, während wir Zeugen sind, wie Weltordnungen mit Hyperspeed zusammenbrechen?

Lesia Vasylchenko gehört zu einer Generation, die im Anschluss an die Wiedererlangung der ukrainischen Unabhängigkeit nach der Auflösung der UdSSR 1991 aufgewachsen ist. Seit 2014 ist die Ukraine kontinuierlicher russischer Aggression ausgesetzt, die sich 2022 in die laufende groß angelegte Invasion ausgeweitet hat. Der anhaltende Krieg in der Ukraine hat die Grenzen dessen verschoben, wie Realität dokumentiert werden kann. Schäden entfalten sich schneller, als sie erfasst werden können; Bedrohungen materialisieren sich, bevor sie sichtbar werden; die Konsequenzen reichen weit über das hinaus, was ein einzelnes Bild zeigen kann. Im Kontext des Krieges ist Sehen nicht mehr möglich, wo Landschaften ausgelöscht werden und Sichtbarkeit selbst unter Zerstörung zusammenbricht. Satelliten, Sensoren und Algorithmen bilden ein erweitertes Sensorium, in dem Wahrnehmung oft die menschliche Wahrnehmung umgeht. Vasylchenkos künstlerisches Werk ist stark geprägt von diesen tektonischen technopolitischen Veränderungen und der fragmentierten Realität und Zeitwahrnehmung, die sie erzeugen.

Chronosphere, 2024, video still. Courtesy the Artist.

Ihre Praxis – angesiedelt an der Schnittstelle von Video, Fotografie und Installation – widmet sich der Medienarchäologie und den Komplexitäten der Chronopolitik: ein Begriff, der die wechselseitige Beziehung zwischen Zeit und Politik beschreibt und die Nutzung von Zeit als Instrument der Macht thematisiert.

Im Zentrum ihrer ersten institutionellen Ausstellung in Deutschland mit dem Titel YesterLight – Sensing Ruptures of Time steht das monumentale Videowerk Chronosphere (2024). Die para-fiktionale Erzählung untersucht die Instrumentalisierung von Zeit – von der mikrotemporalen Präzision der Satellitensynchronisation bis hin zur tiefen Zeit ökologischer Traumata.

Zeit als Maßstab, der planetare Infrastrukturen, Politik, Gesellschaften und Geschichte prägt und mit Bildern als Träger verbunden ist, bildet häufig den Ausgangspunkt für Vasylchenkos intensive Forschung. Von Mikrosekunden der Satellitendatenproduktion, die zur 24/7-Beobachtung der Erde genutzt werden, bis hin zur tiefen Zeit ökologischer Traumata durch Krieg untersucht ihre künstlerische Praxis die Zusammenhänge zwischen menschlicher Politik und Kultur, natürlichen Umgebungen und künstlicher Intelligenz, synchronisierten Mikro- und Makroebenen sowie zwischen Sehen und Wahrnehmen von Zeit mittels fotografischer und synthetischer Bilder.

Vasylchenkos forschungsbasierte Praxis ist jedoch nicht ausschließlich in Wissenschaft und Philosophie verwurzelt, sondern öffnet sich auch dem ukrainischen Folkloregut und greift auf Geschichten zurück, die als mündliche Überlieferung über Generationen weitergegeben wurden. Ein neuer Werkzyklus fokussiert das Symbol der Trauerweide – ein Baum, der Wiederkehr und Regeneration in der ukrainischen Landschaft markiert und im Volksglauben zugleich als Träger von Seelen verehrt wird.

Chronoesthetic Rupture, 2026. Courtesy the Artist.

Die Bewahrung von Erinnerung und deren Beständigkeit wird zu einem zentralen, verbindenden Element – zu finden sowohl in Mythen und mündlichen Überlieferungen als auch im technologischen Fortschritt, der es ermöglicht, die Welt nicht nur präzise zu kartieren, sondern Zeit selbst einzufangen. Durch spekulative Rahmenwerke untersucht Vasylchenko kritisch die Dimensionen übermenschlicher Zeit und die sich entwickelnden Infrastrukturen visueller Kultur. Dabei lädt sie uns ein, eine grundlegende Frage zu stellen: Wie bewohnen wir eine Gegenwart, die zunehmend fragmentiert ist?

Kuratiert von Lina Louisa Krämer und Dr. Luisa Seipp.

WAAN?

Ausstellung: Freitag, 13. März – Sonntag, 31. Mai 2026

Eröffnung: Donnerstag, 12. März 2026 – 18:00 UHR

WO?

Schinkel Pavillon
Schinkelplatz 1
10117 Berlín




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