Die bedeutende Ausstellung „Krasner und Pollock: Past Continuous“ im Metropolitan Museum of Art (Met) im Herbst 2026 zeichnet den gesamten Werdegang der Künstlerin Lee Krasner und des Künstlers Jackson Pollock parallel nach und untersucht die unterschiedlichen, aber dennoch miteinander verbundenen Arbeitsweisen der beiden Künstlerkollegen und Lebenspartner. Die vom 4. Oktober 2026 bis zum 31. Januar 2027 zu sehende Ausstellung ist die erste große New Yorker Präsentation, und zugleich die erste große Ausstellung des Museums, die seit über 20 Jahren Lee Krasner oder Jackson Pollock gewidmet wurde. Sie macht ihre Arbeiten einer neuen Generation zugänglich und beleuchtet gleichzeitig ihren nachhaltigen Einfluss auf die moderne und zeitgenössische Kunst.
Abb. oben: Lee Krasner (American, 1908–1984), Bald Eagle, 1955, Oil, paper, and canvas collage on linen, 77 × 51 1/2 in. (195.6 × 130.8 cm), ASOM Collection © 2026 Pollock-Krasner Foundation / Artists Rights Society (ARS), New York
Lee Krasner (1908–1984) und Jackson Pollock (1912–1956) gehörten zu den prägenden Persönlichkeiten des amerikanischen Abstrakten Expressionismus und zu jener Künstlergeneration, die New York in den 1940er Jahren zum neuen Zentrum der modernen Kunst machte. Lenore „Lee“ Krasner, in Brooklyn als Tochter jüdisch-ukrainischer Einwanderer unter dem Namen Lena Krassner geboren, erhielt eine umfassende künstlerische Ausbildung in New York. Sie studierte unter anderem bei Hans Hofmann, dessen Vermittlung der europäischen Avantgarde ihren Zugang zur Abstraktion nachhaltig prägte. Jackson Pollock wurde in Cody, Wyoming, geboren und wuchs in verschiedenen Regionen des amerikanischen Westens auf, geprägt von Landschaft, Migrationserfahrungen seiner Familie und einem Umfeld fern der etablierten Kunstzentren. Nach seiner Übersiedlung nach New York studierte er bei Thomas Hart Benton und setzte sich intensiv mit amerikanischem Regionalismus, mexikanischer Wandmalerei und dem Surrealismus auseinander. Aus diesem Einflüssen entwickelte sich später seine radikal experimentelle Malerei.

Krasner und Pollock waren aufstrebende Künstler in New York, als sie sich 1942 anlässlich einer von dem Künstler John Graham organisierten Ausstellung kennenlernten. Sie heirateten 1945 und zogen nach Springs, Long Island, wo sie bis zu Pollocks Tod 1956 eng miteinander verbunden blieben. Ihr gemeinsames Leben war geprägt von intensivem künstlerischem Austausch und gegenseitiger kritischer Begleitung, die beide Werkentwicklungen maßgeblich beeinflusste. Pollocks Lebenswerk sicherte ihm früh internationale Aufmerksamkeit, während die fast drei Jahrzehnte, die Krasner ihn überlebte, zu den prägendsten und produktivsten Jahren ihrer eigenen Karriere wurden, in denen sie ihre künstlerische Position nachhaltig festigte.
Die Ausstellung, deren Untertitel „Past Continuous“ einem Gemälde Krasners aus dem Jahr 1976 entlehnt ist, zeichnet parallele Lebens- und Werkverläufe nach, die zunächst von gelebter Erfahrung geprägt und später von Erinnerung überlagert wurden. Sie rückt die Bandbreite und kunsthistorische Bedeutung von Krasners Werk in den Vordergrund und bietet gleichzeitig eine eingehende Auseinandersetzung mit Pollocks vielschichtigem und komplexem Schaffen.
„Mit ihrem einzigartigen Konzept und Umfang verdeutlicht die Ausstellung ‚Krasner und Pollock: Past Continuous‘ das Engagement des Met, die moderne Kunst durch fundierte Forschung und neue Perspektiven neu zu beleuchten“, so Max Hollein, Marina Kellen French Director und Chief Executive Officer des Metropolitan Museum of Art. „Indem die Ausstellung jeden Künstler für sich betrachtet und gleichzeitig ihre bedeutsame Beziehung in den Vordergrund rückt, ordnet sie Krasners und Pollocks Werk in einen breiteren kulturellen und künstlerischen Kontext ein – ein Ansatz, der zentral für die Mission der Abteilung für Moderne und Zeitgenössische Kunst des Met und die Vision des zukünftigen Oscar L. Tang und H.M. Agnes Hsu-Tang Flügels ist, der 2030 eröffnet wird. Dieses Projekt bestätigt Krasner und Pollock nicht nur als prägende Figuren ihrer Zeit, sondern auch als Künstler, deren Werk künftige Generationen weiterhin prägt und inspiriert.“

„Krasner und Pollock: Past Continuous geht von der Grundannahme aus, dass diese Künstler ebenbürtig, Lebenspartner, Giganten der Kunstgeschichte und Revolutionäre waren, die die Abstraktion neu definierten“, so David Breslin, Leonard A. Lauder Kurator der Abteilung für Moderne und Zeitgenössische Kunst im Metropolitan Museum of Art. „Beide fanden einen Partner, der die Priorität der Kunst über das Leben stellte; und beide strebten nach einer Kunst, die zwar aus historischen Verbindungen entstand, aber auch Freiheit und radikale Möglichkeiten in einer vom Krieg für immer veränderten Welt versprach. Die Ausstellung beleuchtet verflochtene Lebenswege, aber auch, wie unterschiedliche künstlerische Richtungen aus gemeinsamen Erfahrungen entstehen.“
Die Ausstellung „Krasner und Pollock: Past Continuous“ zeichnet Leben und Werk beider Künstler nach. Sie beleuchtet sowohl ihre Unterschiede als auch ihre Wechselwirkungen, wobei einige Galerien die Künstler gemeinsam, andere getrennt präsentieren. Krasner und Pollock wurden durch ihre unterschiedlichen Erziehungen und Ausbildungen geprägt. Krasner übernahm und verarbeitete die Grundsätze der europäischen Avantgarde, insbesondere die von Pablo Picasso, Henri Matisse und Piet Mondrian. Ihre Ausbildung bei Hans Hofmann war entscheidend für ihre Entwicklung. Pollocks vielfältige Einflüsse umfassten Thomas Hart Benton und den amerikanischen Regionalismus, mexikanische Wandmalereitraditionen, den Surrealismus und sogar seine eigene Künstlerfamilie. Ihre frühen Werdegänge entfalten sich als sich ergänzende Divergenzen und zeichnen unterschiedliche Strömungen der amerikanischen Moderne nach, die schließlich in dem Bruch des Abstrakten Expressionismus zusammenlaufen sollten.
Für Pollock war der Durchbruch die „Drip“-Technik, eine radikale Malweise, die in einer kurzen, aber produktiven Phase von 1946 bis 1951 ihre Blütezeit erlebte. Krasners vielseitiges Schaffen war geprägt von unaufhörlichen Erkundungen der Abstraktion, oft angeregt durch ihr anhaltendes Interesse an den Möglichkeiten von Natur und Farbe. Dies manifestierte sich in kühnen Collagen, gestischen Leinwänden und farbintensiven Hard-Edge-Gemälden.

Historisch gesehen hat Pollocks Ruhm den von Krasner überstrahlt. Das Magazin LIFE fragte 1949, ob Pollock „der größte lebende Maler der Vereinigten Staaten“ sei. Sein früher Tod und die posthume Medienaufmerksamkeit verstärkten seinen Ruhm noch und ließen die kritische Würdigung von Krasners Beiträgen in den Hintergrund treten. Heute werden die Werke beider Künstler zu Recht als Schlüssel zu den Innovationen der Kunst ab Mitte des 20. Jahrhunderts anerkannt. Diese Ausstellung setzt diese Neubewertung fort und vertieft sie.
„Die Ausstellung ‚Krasner und Pollock: Past Continuous‘ betrachtet diese Künstler nicht als eine einzige Geschichte, sondern als zwei sich über einen längeren Zeitraum hinweg parallel entwickelnde künstlerische Praktiken“, sagte Brinda Kumar, Kuratorin der Abteilung für Moderne und Zeitgenössische Kunst im Metropolitan Museum of Art. „Die Ausstellung untersucht, wie Krasner und Pollock das gemeinsame Bestreben teilten, die Möglichkeiten der Abstraktion auszuloten – durch Veränderungen in Maßstab, Material und Form – und wie sich diese Untersuchungen auf unterschiedlichen Wegen weiterentwickelten.“
Ausstellungskonzeption + Leihgeber
Die in zwölf Kapitel gegliederte Ausstellung „Krasner und Pollock: Past Continuous“ spannt den Bogen von den 1930er-Jahren über die Nachkriegszeit bis zum Tod der Künstler und beleuchtet dabei Momente der Übereinstimmung und der Unterschiede. Das Ausstellungsdesign, das sich teilweise an historischen Räumen und Installationen orientiert, hebt den Austausch zwischen verschiedenen Epochen und künstlerischen Praktiken hervor und ermöglicht gleichzeitig die individuelle Betrachtung der Werke beider Künstler: von Krasners Serie „Little Images“ und Pollocks Drip Paintings der späten 1940er-Jahre bis hin zu seinen monumentalen Leinwänden der 1950er-Jahre und Krasners Serien „Umber“ und „Earth Green“.
Die Ausstellung zeichnet die fortwährenden Dialoge nach – Pollocks späte Rückkehr zu früheren Motiven Mitte der 1950er-Jahre und Krasners intensive Auseinandersetzung mit Künstlern wie Klee, Picasso, Mondrian und Matisse in den 1960er- und 1970er-Jahren. Diese Präsentation wird zwei Künstler offenbaren, die sich in einem ständigen Auseinandersetzungsprozess miteinander, mit sich selbst und mit den kulturellen, politischen und ästhetischen Herausforderungen ihrer Zeit befinden.

© 2026 Pollock – Krasner Foundation / Artists Rights Society (ARS), New York
Präsentiert werden Werke aus der Sammlung des Metropolitan Museum of Art sowie selten gezeigte Leihgaben von über 80 US-amerikanischen und internationalen Leihgebern. Insgesamt werden über 120 Gemälde, Arbeiten auf Papier und Dokumente zusammengeführt, um die Karrieren von Krasner und Pollock neu zu beleuchten – sowohl für sich genommen als auch in ihrer dynamischen Beziehung zueinander und zu ihrem gemeinsamen künstlerischen Kontext. Zu den bedeutenden institutionellen Leihgebern zählen die Peggy Guggenheim Collection, das MoMA, das Whitney Museum of American Art, die Tate, die National Gallery of Art, die National Gallery of Victoria, das Centre Pompidou, das Buffalo AKG Art Museum, das Dallas Museum of Art, das Art Institute of Chicago und das SFMoMA. Die Ausstellung umfasst zudem einige selten gezeigte Werke aus bedeutenden Privatsammlungen.
Eine Reihe von wegweisenden Werken bildet den Kern der Ausstellung, die die Auseinandersetzung der beiden Künstler mit ihren jeweiligen Arbeitsweisen beleuchtet. Zu ihnen gehören Lee Krasners Composition (1949), The Seasons (1957), The Eye is the First Circle (1960) und Combat (1965) sowie Jackson Pollocks Stenographic Figure (1942), Guardians of the Secret (1943), Number 1, 1950 (Lavender Mist) (1950) und The Deep (1953).

Zwei frühere Ausstellungen, Krasner/Pollock: Eine Arbeitsbeziehung (gemeinsam organisiert von Guild Hall und Grey Art Gallery, 1981) und Lee Krasner-Jackson Pollock: Künstlerpaare Künstlerfreunde (Kunstmuseum Bern, 1989–90), konzentrierten sich auf die etwa 15-jährige Überschneidung im Leben der Künstler, von ihrem Kennenlernen 1941 bis zu Pollocks Tod 1956. Die jetzige Ausstellung Krasner und Pollock: Past Continous ist die erste Ausstellung, die das Schaffen beider Künstler in seiner gesamten chronologischen Entwicklung gemeinsam betrachtet.
Die Rolle des Metropolitan Museum of Art
Das Metropolitan Museum of Art war für Krasner und Pollock seit Langem von großer Bedeutung. Pollock stellte 1943 erstmals ein Gemälde im Met aus, im Rahmen einer Ausstellung zur Unterstützung des Zweiten Weltkriegs. Gegen Ende des Jahrzehnts gehörte er zu den Künstlern der Gruppe „The Irascibles“, die die damals vorherrschende Haltung des Museums gegenüber zeitgenössischer Kunst scharf kritisierten. Kurz nach Pollocks Tod erwarb das Met das wegweisende Gemälde „Autumn Rhythm (Number 30)“ (1950). Die Sammlung von Werken Lee Krasners im Met – von ihren frühesten Selbstporträts bis zu ihrem späten Meisterwerk „Rising Green“ (1972) – umfasst bedeutende Schenkungen der Künstlerin an das Museum zu Lebzeiten. Das Met war 1984 auch der Ort von Krasners Gedenkfeier. Die Ausstellung „Krasner and Pollock: Past Continuous“ knüpft an diese Geschichte an und ist die erste große Ausstellung des Museums, die einem der beiden Künstler gewidmet ist. Die Ausstellung bietet einen fokussierten Überblick und zeichnet die Entwicklungslinien ihrer künstlerischen Werke nach. Sie eröffnet neue Perspektiven auf zwei der einflussreichsten Persönlichkeiten der Kunst des 20. Jahrhunderts.
Die Ausstellung unterstreicht das Engagement des Metropolitan Museum of Art, Künstler zu präsentieren, deren Werk die Kunstproduktion und das Kunstverständnis bis heute prägt. Krasners und Pollocks Beiträge zur Moderne und ihre intensive Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten der Malerei sind weiterhin wegweisend für zeitgenössische Künstler. Im Vorfeld der Eröffnung des Tang Wing für Moderne und Zeitgenössische Kunst im Jahr 2030 präsentiert „Krasner und Pollock: Past Continuous“ einen kuratorischen Ansatz, der kanonische Narrative neu beleuchtet und Innovationen des 20. Jahrhunderts mit den Anliegen heutiger Künstler und ihres Publikums verknüpft.
Ausstellungskatalog
Der zur Ausstellung gehörende Katalog „Krasner und Pollock: Past Continuous“ erweitert die zentralen Themen des Projekts durch neu in Auftrag gegebene Texte. Essays der Kuratoren sowie von Johanna Fateman, Prudence Peiffer und Matthew Holman beleuchten verschiedene Aspekte, darunter Krasners und Pollocks eng verflochtenes Schaffen als Künstlerpaar, ihre Strategien der Abstraktion in den 1950er-Jahren und die transatlantische Rezeption ihrer Werke. Die Künstlerin Amy Sillman bietet zudem die Perspektive einer zeitgenössischen Malerin auf künstlerischen Durchbruch und ihr Vermächtnis. Der Band enthält außerdem eine illustrierte, ineinandergreifende Chronologie sowie Reflexionen führender zeitgenössischer Künstler, die die anhaltende Wirkung von Krasners und Pollocks Werk über Generationen hinweg unterstreichen.
Der Katalog wird durch die Pollock-Krasner-Stiftung ermöglicht.
Kurator*innen
Die Ausstellung „Krasner und Pollock: Past Continuous“ wurde kuratiert von David Breslin, Leonard A. Lauder Curator in Charge, und Brinda Kumar, Associate Curator, mit Unterstützung von CJ Salapare, Research Associate, alle aus der Abteilung für Moderne und Zeitgenössische Kunst des Metropolitan Museum of Art.
WANN?
Ausstellung: Sonntag, 4. Oktober 2026 – Sonntag, 31. Januar 2027
WO?
Metropolitan Museum of Art
Fifth Avenue
NY 10028
New York City





