Der Regierende Bürgermeister von Berlin und Stiftungsratsvorsitzende der Stiftung Preußische Seehandlung, Kai Wegner, gibt den Preisträger des Berliner Literaturpreises 2026 bekannt: In Anerkennung seines herausragenden literarischen Schaffens verleiht die Stiftung Preußische Seehandlung den mit insgesamt 30.000 Euro dotierten Berliner Literaturpreis 2026 an den Schriftsteller Matthias Nawrat. Die Verleihung durch den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, findet am 25.02.2026 um 19 Uhr im Festsaal des Roten Rathauses statt. Die Laudatio auf den Preisträger hält Juliane Liebert.
Abb. oben: Foto: Matthias Nawrat © Alena Schmick.
Mit der Preisvergabe an Matthias Nawrat ist das Angebot einer Berufung auf die Gastprofessur für deutschsprachige Poetik der Stiftung Preußische Seehandlung am Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft des Fachbereichs Philosophie und Geisteswissenschaften der Freien Universität Berlin im Sommersemester 2026 verbunden.
Matthias Nawrat, 1979 im polnischen Opole geboren, emigrierte als Zehnjähriger mit seiner Familie nach Bamberg und lebt heute in Berlin. Er studierte Biologie in Freiburg und Heidelberg, danach Literarisches Schreiben am Schweizer Literaturinstitut in Biel. Sein inzwischen sechs Romane, Essays und einen Gedichtband umfassendes Werk wurde viele Male ausgezeichnet und war unter anderem für den Deutschen Buchpreis und den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Zuletzt erschien der Essayband Über allem ein weiter Himmel. Nachrichten aus Europa. Mit Das glückliche Schicksal folgt im März 2026 ein neuer Roman.
In der Jurybegründung ist zu lesen: „So wie Matthias Nawrat einen eingeschränkten westlichen Horizont immerzu aufreißt und den Blick in alle Richtungen öffnet, so bedeutet Zeit bei ihm stets Gleichzeitigkeit. Es ist das Dazwischen, die subkutane Verbindung zwischen Gegenwart und Vergangenheit und deren verborgenes Wirken, die er in seinen Texten herausarbeitet, das Beziehungsgeflecht hinter den Bruchstücken unserer Wirklichkeit, die unsichtbaren Linien, die von der Vergangenheit in die Gegenwart führen. Wenn Matthias Nawrat in seinen Texten, seien es Romane, Essays oder Gedichte, den europäischen Raum erkundet, dann erkundet er ihn wie ein Archäologe, der behutsam die historischen Sedimentschichten abträgt. Ebenso behutsam, nie auftrumpfend, dabei zugleich von äußerster Präzision und poetischer Strahlkraft ist seine Sprache.“
Der Preisjury gehören an: Maja Beckers, Prof. Dr. Hans-Christian von Herrmann, Dr. Sonja Longolius, Dr. Wiebke Porombka und Prof. Dr. Julia Weber.
Matthias Nawrat reagiert auf die Auszeichnung mit folgenden Worten: „In der Stadt Berlin öffnen sich die Tore zu verschiedenen Mikrokosmen unserer globalisierten Gegenwart. In ihr begegnen sich außerdem täglich die Gegenwart und Geschichte des europäischen Westens und Ostens. Berlin trägt nicht nur die Spuren der Gewalt des 20. Jahrhunderts, es stellt auch einen Raum für ein globales Gedächtnis der Künste und Denktraditionen dar. Dass ich für meine literarische Arbeit den Literaturpreis dieser Stadt, die seit vierzehn Jahren mein Zuhause ist und seit dem Fall der Mauer zu einem Symbol der Hoffnung für eine einst geteilte Welt wurde, zugesprochen bekomme, ist für mich eine große Ehre.“
Der Stiftungsratsvorsitzende und Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, beglückwünscht den Preisträger: „Matthias Nawrat setzt sich mit den menschenverachtenden Diktaturen des Nationalsozialismus und des Kommunismus auseinander. Seit vielen Jahren bereichert er die Literaturstadt Berlin, die für viele Künstlerinnen und Künstler die Drehscheibe zwischen Ost und West schlechthin ist. Nawrat gehört aber auch deshalb in unsere Stadt, weil er eine ausgeprägt europäische Perspektive hat. Er ermahnt uns, dass gerade auch die Nationen Osteuropas unseren Kontinent ausmachen. Ich danke der Jury für ihre Entscheidung und freue mich darauf, Matthias Nawrat den Berliner Literaturpreis zu überreichen.“
Der Berliner Literaturpreis der Stiftung Preußische Seehandlung ist verbunden mit einer Berufung auf die Gastprofessur für deutschsprachige Poetik am Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Freien Universität Berlin.
Prof. Dr. Dr. h. c. Günter M. Ziegler, Präsident der Freien Universität, erklärte zur Berufung: „Es ist uns Ehre und Freude, Matthias Nawrat im Sommersemester als Gastprofessor für deutschsprachige Poetik an der Freien Universität begrüßen zu dürfen. Berlin ist Drehscheibe zwischen Ost- und Westeuropa – auch bei uns werden diese Schnittstellen in unterschiedlichen Disziplinen, Formaten und Denkrichtungen studiert und erforscht. Matthias Nawrat wird diese Arbeit in besonderer Weise bereichern. Die Herkunft des Autors liegt im polnischen Opole und im bayerischen Bamberg, Berlin ist seit vielen Jahren sein Lebensmittelpunkt. Seine Bücher führen nach Osten und nach Westen, etwa von Krakau nach Venedig, nach Skopje und Minsk, in den Schwarzwald und in die USA. Sie spüren das Vergangene im Gegenwärtigem auf und zeigen die Abgründe der jüngeren Geschichte mit den Mitteln poetischer Sprache. Wir sind sehr gespannt auf Matthias Nawrats öffentliche Antrittsvorlesung und sein Seminar an der Freien Universität.“
Dr. Hans Gerhard Hannesen, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Preußische Seehandlung, zur Wahl der Jury: „In einer Zeit, in der das uns vertraute, seit Ende des Zweiten Weltkriegs allmählich entstandene politische Ordnungssystem an sein Ende zu kommen scheint, gewinnen Fragen nach historischen Zusammenhängen und persönlichem Herkommen an Aktualität und werden zur Orientierungshilfe in der Gegenwart. Mit Matthias Nawrat ehrt die Stiftung Preußische Seehandlung einen Autor, der vor dem Hintergrund der kulturellen Vielfalt Europas die Abgründe ihrer Geschichte nicht ausblendet und in seinen Essays und Romanen die Verletzbarkeit der Gesellschaft und ihre Gefährdung, auch durch sprachliche Indoktrination, beschreibt.“
Die Stiftung Preußische Seehandlung verleiht den Berliner Literaturpreis seit 1989 jährlich. Der Berliner Literaturpreis dient der Förderung der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur der Gattungen Erzählende Literatur, Dramatische Literatur und Lyrik. Mit dem Preis sollen Autorinnen und Autoren gewürdigt werden, deren bisheriges literarisches Schaffen einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur geleistet haben.
WANN?
Sonntag, 25. Februar 2026, 19 Uhr
WO?
Festsaal des Roten Rathauses
Rathausstraße 15
10178 Berlin





