THE INTERVIEW IN|DEEDS: WHO IS … Andreas Blank

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PROLOG | PERSÖNLICHES

Andreas, stelle Dir vor, Du würdest uns in Deinem Atelier oder Zuhause empfangen. Wo sprechen wir zusammen, wo treffen wir Dich?
Ich arbeite schon seit einiger Zeit in drei verschiedenen Ateliers bzw. Werkstätten. Eine Werkstatt auf dem Land in Franken auf einem alten Bauernhof, einen Atelierplatz in der Bildhauerwerkstatt in Berlin Wedding und ein kleines Wochenendatelier auf einem Bildhauerhof in Berlin Weißensee.
Auf dem Land, wo ich ein großes Lager bzw. Archiv von Steinen angelegt habe, die ich aus verschiedensten Erdteilen der Welt zusammengesammelt habe, entwickle ich meine Ideen und wähle die Steine aus.

Abb. oben: Portrait Andreas Blank, Foto Oliver Mark

Vielleicht sitzen wir an Deinem Lieblingsplatz?
Ja, ich würde euch auf meiner Dachterrasse auf einen Kaffee einladen, da kann ich manchmal am besten nachdenken.

Welche Stationen und Menschen haben Dich in Deinem bisherigen Leben besonders geprägt?
Nach dem Schulabschluss bin ich bei dem Bildhauer Fred Grimm in die Lehre gegangen, der aus  einer sehr traditionsreichen Bildhauerfamilie stammt. Dort haben er und sein Bruder mich in der Holz- und Steinbildhauerei unterrichtet.
Bei meinen beiden Studiengängen an der Akademie in Karlsruhe, bei dem Konzeptkünstler Harald Klingelhöller und am Royal College of Art bei dem Bildhauer Glynn Williams, wurde meine Forschung
im Bereich Bildhauerei sehr unterstützt.

Welche Schriftsteller*innen findest Du derzeit spannend und welche Bücher finden sich in Deinem Bücherregal?
Ein Buch, das ich gerade lese, ist ´This IS Not A PIPE´, von Michel Foucault. Ein philosophisches Buch, es handelt von Theorien zu Bild und Abbild, unter der Betrachtung des Künstlers Rene Magritte. Bücher in meinem aktuellen Bücherregal sind gerade „Negative Space“ von dem Theoretiker Peter Weibel und das Buch „1913“ von Florian Illies.

Welche Bücher haben Dich beeinflusst oder geprägt?
Ein Buch, das mich besonders geprägt hat, ist das Buch „The Cultivated Wilderness, Or What Is Landscape“ von Paul Shepheard. Das Buch handelt von Zivilisationsprozessen der Menschheit und beschreibt wie Menschen Steine aus der Landschaft herausnehmen und Kirchen bzw. Häuser damit bauen.
In der kommenden Ausstellung wird wahrscheinlich eine Schriftarbeit zu sehen sein, die sich auf dieses Buch bezieht. (Seeing things that are too big to see…`)

DEEDS NEWS-Andreas Blank
Andreas Blank im Atelier, Filmstill, 2009. Andreas Blank war Finalist des 2009 von der Saatchi Gallery und Channel 4 ins Leben gerufenen „4 New Sensations Prize“. Regie führte James Morton-Haworth für Tenement Films und Channel 4.

Was liest Du aktuell und wo liegt das Buch griffbereit?

Welche Musik hörst Du und wann?
Im Atelier höre ich manchmal Radio, um ein wenig öffentliches Leben herein zu lassen, oder auch oft old-school Gitarrenmusik (wie z.B. Velvet Underground oder Cake….).

Wenn Du etwas für uns kochen würdest, was wäre es?

Was isst Du am liebsten?

Und was hältst Du vom Frühstücken?

Welchen Sport oder Ausgleich zu Deiner künstlerischen Arbeit betreibst Du?

Für welche besonderen Leidenschaften oder Hobbies brennst Du?
Eine Leidenschaft von mir ist eben auch selbst Gitarre bzw. Musik zu spielen. Ich habe früher auch aktiv als Musiker mit verschiedenen Bands gearbeitet. Im Moment finde ich leider keine Zeit dazu.

Welches Persönlichkeitsmerkmal macht Dich besonders aus?
Ein Persönlichkeitsmerkmal, das bei mir besonders ausgeprägt ist, ist vielleicht Geduld, bzw. Hartnäckigkeit oder auch der Glaube an Ideen.

Hast Du ein Anliegen, das Du mit uns teilen möchtest? Oder eine Antwort auf eine (nicht von uns gestellte) Frage, die Dich aktuell bewegt?

INTERVIEW | KÜNSTLER + POSITION

Du bist 1976 in Ansbach geboren und  hast von 2001 bis 2006 Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe bei Prof. Harald Klingelhöller studiert. 2007 führten Dich Studien nach Hamburg zu Andreas Slominski, bevor Du Dein Studium am Royal College of Art in London mit dem Master abgeschlossen hast. Heute lebst und arbeitest Du zwischen Berlin, London und Aurach. Welche Stationen oder Menschen Deines künstlerischen Werdegangs haben Dich und Deine Kunst beeinflusst?

Wie bist Du zur Kunst gekommen? Oder kurz: Warum Kunst?
Schon als Jugendlicher habe ich mich sehr für Kunst und Musik interessiert. Meine beste Freundin und ich haben uns damals einfach einen Stein aus der Landschaft geholt, um diesen dann mit einem Hammer und Schraubenzieher zu bearbeiten… so habe ich damals schon ohne künstlerische Ausbildung die ersten Skulpturen gemacht.

Mein erster Beruf war dann Kirchenmaler und Restaurator, so kam ich dann auch zur Bildenden Kunst.

Zur Kunst gekommen bin ich unter anderem auch deshalb, weil ich nie auf bereits vorhanden Strukturen und Lebenswege zurückgreifen wollte, sondern immer im Sinn hatte, einen eigenen Lebensweg zu entwickeln.

Glaubst Du, dass Kunst eine gesellschaftliche Verantwortung trägt? Und was denkst Du, was sie bewirken kann?
Ein Kunstwerk schafft für den Betrachter ein physisches Gegenüber, was ihn auf sich selbst zurückwirft und seine eigene Wahrnehmung und Existenz in Frage stellt und ihn so dazu bringt sich selbst zu reflektieren.

Früher hat diese Rolle zum Teil die Religion bzw. die Kirchen übernommen, umso wichtiger ist es heutzutage, dass die Kunst diese Aufgabe übernimmt.

Was macht Deine Kunst aus? Worum geht es in Deinem Werk – was sind die zentralen Themen? 
Siehe unten

INTERVIEW | ZENTRALES WERK

THE DEED | DAS WERK: Andreas Blank

Bitte beschreibe das Kernthema und die zentrale Botschaft Deines künstlerischen Werks.

Ein zentrales Thema meiner Werke sind Zeit- Bewegungs- und Verdichtungsrelationen.
Meine Arbeit untersucht sich wandelnde Relationen durch die Transformation von Material, wobei Landschaft in stilisierte Bilder von Kultur überführt wird, um kulturelle Formen und Prozesse sichtbar zu machen.
Stereotype, ikonografische Bilder des alltäglichen Lebens, werden in die Kunst überführt wie in der Pop- Art und analysieren den inhaltlichen Sinn von Bildwelten im kulturellen und historischen Kontext.

Stelle uns die Arbeit vor, die exemplarisch für die Botschaft Deines Werks steht, oder diese aus Deiner Sicht am besten verkörpert. Was ist das Ziel Deiner Kunst, Deines künstlerischen Werks? Was soll es beim Betrachtenden bewirken?

Eine Arbeit, die exemplarisch für mein Werk steht, ist das Werk „Monument“ (Hemd mit Aktenkoffer). Es stellt die Attribute des anonymen, kapitalistischen Arbeiters dar. Über das Material und den Titel wird die Skulptur in den Kontext geschichtlicher Darstellungen gebracht, soll aber gleichzeitig die Gegenwart auf einer zeitlich reflektierenden Ebene betrachten. Man könnte das Werk auch als eine Art Archäologie der Zukunft betrachten.
Durch die Frage von Bild und Abbild, versucht meine Arbeit den Gegenstand von seiner Funktion zu befreien, damit er auf einer neuen, rein visuellen Ebene vom Betrachter reflektiert werden kann.
Inspiriert und bestärkt haben mich auch Künstler wie Thomas Demand, Jeff Wall, René Magritte auch Gerhard Richter mit den unterschiedlichen ästhetischen Bereichen und Richtungen in seinem Werk.
Eine holländische Kuratorin hat mein Werk einmal sehr gut in einem Satz zusammengefasst:
“From a distance, Andreas Blanks´ work could be viewed as a pun on modernist nihilism, but up close, it reveals a material sensibility that goes beyond a simple juxtaposition of abstraction and reality.”
(by Laurie Cluitmans, Gallery Fons Welters,´The scene changes to an empty room´, 2013 De Fabriek, Eindhoven)

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Die Frage nach THE DEED | DAS WERK ist ein ergänzender und separat präsentierter Teil des THE INTERVIEW IN|DEEDS mit Andreas Blank.

Wie schützt Du Dich in der heutigen Zeit vor zu viel Inspiration?
Tatsächlich führt die Flut von Bildern und Musik über Instagram und Spotify bei mir manchmal dazu, dass es mich in meiner Ideenfindung ein wenig blockiert. Wenn ich eigene Ideen entwickeln will, höre ich oft manchmal tagelang keine Musik oder schaue mir Bilder von Kunst an.

Wie viel in Deinen Arbeiten ist vorher geplant – wie viel entsteht intuitiv?
Meist geht meiner Arbeit eine konkrete Idee voraus bzw. erstelle ich erst ein Modell, was sich sich bei dem Arbeiten mit Stein fast nicht vermeiden lässt. Auf meinen Reisen zu Steinbrüchen oder Orten wo ich Steine finde, entwickle ich aber auch dann zum Teil intuitive Ideen und lass mich von den Formen bzw. Farben der Steine inspirieren.

DEEDS NEWS-Andreas Blank-zentrales Werk
Andreas Blank, Monument (2017), Marmor, Basalt, Alabaster, Serpentinit , 35 x 27 x 13 cm

Welches Projekt würdest Du gerne noch realisieren, wenn fehlende Zeit, mangelnder Mut oder finanzielle Ressourcen keine Rolle spielen würden?
Ich würde gerne noch einige Bücher veröffentlichen über meine Arbeit. Einmal einen Gesamtüberblick über mein skulpturales Werk, da die meisten Menschen von mir nur die realistischen Skulpturen kennen. Meine Rauminstallationen und Schriftarbeiten bzw. grafischen und abstrakten Arbeiten sind nicht so bekannt. 

Außerdem will ich auch schon seit langem ein kleines Buch veröffentlichen, mit Texten bzw. Notizen und Skizzen die ich über die Jahre im Atelier gesammelt habe.

Wird man als Künstler*in geboren? Oder ist ein Kunststudium Pflicht?
Einige werden sicherlich als Künstler geboren, oder haben Künstler als Eltern und schaffen es auch ohne Kunststudium geniale Werke zu schaffen.
Aber generell ist eine Kunstausbildung bestimmt auch gut, um überhaupt zu lokalisieren welche Kunst es schon gibt und welche noch gemacht werden muss.

Wie viel in Deinen Arbeiten ist vorher geplant – wie viel entsteht intuitiv?
Fifty-fifty vielleicht? Ich weiß es wirklich nicht. Es kommt drauf an wie man was bewertet. Im besten Fall sind Idee, Konzept und Arbeitsprozess eins. Mein Bildkonzept ist auch mein Arbeitskonzept und das beinhaltet heute, anders als früher, ein hohes Maß an Improvisationsmöglichkeiten. Aber auch das ordnet sich der Vision eines bestimmten Bildtypen unter. Intuitiv Handeln können nur diejenigen, die sich eine gewisse, auch handwerkliche, Kompetenz angeeignet haben; Improvisieren ohne die Mittel dazu ist nicht möglich. Und entsteht nicht auch eine Idee und ein Arbeitskonzept bereits aus einer Intuition heraus?

Wie siehst Du die Zukunft von Kunst im Zeitalter von KI?
Vielleicht muss man dann in der Zukunft differenzieren, zwischen Künstlern die KI geschickt nur als Werkzeug für ihre eigenen Ideen benutzen und Künstlern, die sich von einer KI ihre Ideen entwickeln lassen.

Wie stehst Du zum Thema NFT?
Für bestimmte Medien sind NFT´s bestimmt sinnvoll bzw. notwendig, im Bereich Bildhauerei z. B. gibt es aber noch nicht wirklich ein sinnvolles Format ….

Sind im Zeitalter des Internets der Dinge Galerien noch notwendig? Wenn ja, warum und wofür?
Ich finde Galerien sind unbedingt notwendig, da Kunstwerke physisch gezeigt und vermittelt werden müssen. Malerei, Skulptur bzw. Installation sind Dinge, die in einen physisch-, räumlichen Wahrnehmungsprozess eingreifen sollen und müssen deshalb unbedingt räumlich erfahrbar gemacht werden. Erst dadurch, dass ein physisches Gegenüber in den gewöhnlichen Wahrnehmungsprozess eingreift, kann sich das Kunstwerk richtig entfalten.

Social-Media – Segen oder Fluch?
Social Media ist einmal sehr gut, weil es dich z.B. darüber informiert, welche Ausstellung am Laufen sind. Auf der anderen Seite verliert man sehr viel Zeit und bewegt sich viel in einer illusionären Welt und nicht mehr so viel in der Realen.

EPILOG | AKTUELLES

Findet aktuell eine Einzelausstellung mit Deinen Arbeiten statt oder ist zeitnah eine solche geplant? Wann und wo?
Eine Einzelausstellung meiner Arbeiten ist dieses Jahr in der „Galerie Art Affair“ in München geplant, ein genauer Ausstellungstermin ist gerade noch in Verhandlung. 

Ab dem 24. April bis 30. Mai 2026 sind Skulpturen von Andreas Blank in der Ausstellung REAL?! im CSR.ART, Budapester Str. 38-50, 10787 Berlin zu sehen. Die Vernissage ist am 23. April 2026 von 18 bis 21 Uhr.

Website: www.andreasblank.com
Instagram: Andreas Blank

DEEDS-Interviews werden von unserer Redaktion nicht redigiert oder gekürzt und stets im O-Ton wiedergegeben. Daher nehmen wir auch keine Übersetzung des Interviews in Englische bzw. Deutsche vor, es sei denn, diese wird seitens des/der Interviewten eingereicht, oder wir werden mit der Übersetzung betraut. Hier wurde die deutsche und die englische Version des Interviews vom Künstler eingereicht.

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