Der Mongolei-Pavillon auf der Biennale von Venedig 2026 präsentiert Entanglements: Connectivities Across Borders, eine Ausstellung multimedialer Werke von vier führenden zeitgenössischen mongolischen Künstlern. Ausgehend von ihren zeitgenössischen künstlerischen Praktiken vor dem Hintergrund verflochtener Geschichten untersucht diese Ausstellung die historischen und kulturellen Verflechtungen in ganz Eurasien, mit besonderem Fokus auf die Mongolen als Akteure von Verbindungen sowie auf Venedig als symbolisches Tor zwischen Ost und West. Der Pavillon stellt die Mongolei nicht als feste Geografie dar, sondern als einen dynamischen Raum des Austauschs, der Toleranz und der Transformation.
Abb. oben: Tuguldur Yondonjamts, Nomin Bold, Gerelkhuu Ganbold, Dorjderem Davaa
Dorjderem Davaa ist ein multidisziplinärer zeitgenössischer Künstler mit Sitz in Ulaanbaatar, der tief im Tengrismus verwurzelt ist, dem schamanischen metaphysischen Erbe der Mongolei. Zu seinen wichtigen Beiträgen zählen internationale Ausstellungen bei Hanart TZ, Hongkong (2011); der Changwon Sculpture Biennale, Südkorea (2014); sowie im Zanabazar Museum, Ulaanbaatar (2023). Seine Werke befinden sich in den Sammlungen der National Art Gallery of Mongolia, des Fukuoka Asian Art Museum, Japan, sowie des Singapore Art Museum.
Nomin Bold ist eine der international renommiertesten mongolischen Künstlerinnen mit Teilnahmen an der 8. Asia Pacific Triennial of Contemporary Art (2015); dem China Art Museum, Shanghai; der Aichi Triennale, Nagoya (2016); der documenta 14 (2017); der Bangkok Art Biennale (2020); der Cairo Biennale (2023); sowie der Shenzhen Biennale (2025). Im Jahr 2015 erhielt sie ein Stipendium der Pollock-Krasner Foundation. Ihre Werke befinden sich in bedeutenden internationalen Sammlungen wie der Imago Mundi Collection; dem MARKK, Hamburg; dem Dallas Museum of Art, Texas; dem UCCA Lab, Peking; sowie der Sigg Collection, Schweiz.
Gerelkhuu Ganbold ist ein bedeutender Maler, der mit den Traditionen der Mongol Zurag bestens vertraut ist und seine Inspiration aus deren bildlicher Vielfalt schöpft. Er nahm unter anderem an der Fukuoka Triennial (2014); der 8. Asia Pacific Triennial of Contemporary Art (2015); REACTOR, Rongyi International Art Exhibition, China (2019); The Post-Nomadic Experience, Deutschland (2024); sowie der Ulaanbaatar Biennale (2025) teil. Seine Werke befinden sich in Sammlungen weltweit, darunter das Diözesanmuseum Bamberg, Deutschland; Sigg Collection, Schweiz; Fukuoka Asian Art Museum, Japan; QAGOMA, Australien; Jean-Jacques de Dardel, Schweiz; William Lim, Hongkong; sowie Gu Zhenqing, China.
Tuguldur Yondonjamts (geb. 1977, Ulaanbaatar, Mongolei) lebt und arbeitet in Ulaanbaatar. Er hat an bedeutenden internationalen Ausstellungen teilgenommen, darunter die Ulaanbaatar Biennale (2025); die Thailand Biennale Chiang Rai (2023); die 13. Gwangju Biennale (2021); sowie Ausstellungen im Singapore Art Museum (2024), in der Kunsthalle Düsseldorf (2024), in der Konsthall Trondheim (2019); in der green grassi gallery, London (2018); Para Site, Hongkong (2017); The Drawing Center, New York (2016); sowie im Sculpture Center, New York. Seine Werke befinden sich unter anderem in den Sammlungen des Whitney Museum of American Art und der Francis J. Greenburger Collection.
Die Mongolei war für viele Menschen im Westen stets ein mythischer Ort, den sie erleben möchten, doch ist nur wenig über die lange Geschichte und die komplexen Zusammenhänge des mongolischen Erbes bekannt. Das Publikum in Europa, Amerika sowie in Teilen Asiens hat durch die Erschütterungen der Moderne eine tiefe Entfremdung von seinen historischen Wurzeln erfahren. Die mongolische Bevölkerung hingegen ist weiterhin tief in ihrem kulturellen Erbe verwurzelt, geprägt vom Tengrismus, dem mongolischen Buddhismus und dem Vermächtnis von Dschingis Khan. Diese Spiritualität und Vielfalt verleihen den mongolischen Künstlern ihre Stärke. Gleichzeitig sind sie jedoch auch radikal zeitgenössisch. Mit anderen Worten: Die zeitgenössische Kultur der Mongolei ist wie kaum eine andere große Kultur der Gegenwart mit ihren Wurzeln verbunden.
Historisch gesehen bestanden zwischen Venedig und dem Mongolischen Reich bedeutende Verbindungen durch Handel, Diplomatie und künstlerische Einflüsse, wobei die Mongolen eine zentrale Vermittlerrolle spielten. Durch Diplomatie, Handel und kulturellen Austausch ermöglichten sie beispiellose Interaktionen über weite Gebiete hinweg. Venedig als Seerepublik und wichtiger Knotenpunkt im Netzwerk der Seidenstraße war eng mit den mongolischen Kulturen verflochten – am bekanntesten durch die Reisen von Marco Polo (1254–1324), der 17 Jahre am Hof von Khubilai Khan (1216–1294) verbrachte. Diese Ausstellung greift diese historischen Schnittstellen auf, um aktuelle Themen wie Migration, Identität und Koexistenz zu reflektieren.
In einer Zeit, die von politischen Spaltungen, ökologischen Krisen und verstärkten Grenzziehungen geprägt ist, zielt Entanglements darauf ab zu zeigen, wie Kulturen sich verbinden, austauschen und Kompromisse eingehen. Die Ausstellung hebt Themen wie religiöse Toleranz, materielle Wechselwirkungen sowie Beziehungen zwischen Mensch und Nicht-Mensch hervor und entwirft ein Bild der Mongolei als Ort des Pluralismus und der Resilienz.
Kommissarin:
Baigali Ochkhuu ist leitende Beraterin im Ministerium für Kultur der Mongolei. Als ausgebildete Geigerin besitzt sie ein ausgeprägtes Verständnis für die Bedeutung von Kunst und Kultur in der Gesellschaft. Sie setzte ihre Studien im Programm „Young Leadership in the Arts“ fort und erwarb schließlich einen Doktortitel in Betriebswirtschaft an der University of Finance and Economics of Mongolia.
Von 2018 bis 2019 war sie Mitglied des Vorstands der Mongolian State University of Arts and Culture. Seitdem war sie Mitbegründerin und treibende Kraft bei der Entwicklung mehrerer Unternehmen in der Mongolei und wurde 2016 Präsidentin des mongolischen Zweigs der International Women’s Federation of Commerce and Industry (IWFCI).
Kuratorin:
Uranchimeg Tsultem ist eine Expertin für mongolische Kunst und derzeit Inhaberin des Edgar and Dorothy Fehnel Chair in International Studies sowie Associate Professor an der Herron School of Art and Design der Indiana University.
Sie promovierte 2009 an der University of California, Berkeley, wo sie anschließend lehrte, ebenso wie an Universitäten in der Mongolei, Südkorea und Island.
Seit 1993 ist sie die führende mongolische Kuratorin auf internationaler Ebene. Ihre jüngste Monografie A Monastery on the Move: Art and Politics in Later Buddhist Mongolia (University of Hawaii Press) wurde in Leiden (Niederlande) mit einem Kunstbuchpreis ausgezeichnet.
Uranchimeg Tsultem kuratierte den ersten mongolischen Pavillon der Biennale von Venedig (2015).
Ihre Karriere begann mit der Ausstellung Eternal Sky: Reviving the Art of Mongol Zurag am Institute of East Asian Studies, UC Berkeley (2009). Weitere wichtige Projekte sind Modern Mongolia: From Steppe to Urban Dynamics in der Hanart TZ Gallery, Hongkong (2011); der Ulaanbaatar City Pavilion auf der 9. Shanghai Biennale im Museum of Contemporary Art, Shanghai (2012); Mongol Zurag: The Art of Everyday, SAPAR Contemporary, New York (2019); sowie Mongol Zurag: The Art of Resistance in der Garibaldi Gallery im Rahmen der Biennale von Venedig (2024).
WANN?
Ausstellungsdaten: Samstag, 9. Mai bis Sonntag, 22. November 2026
WO?
THE BIENNALE FOUNDATION OF MONGOLIA
Salizada Streta 368
30122 Venice





