Die Sammlungspräsentation „Museum in Bewegung. Eine Sammlung für das 21. Jahrhundert“ im Rahmen der Wiedereröffnung der Rieckhallen zeigt zehn großformatige Werke aus den letzten 25 Jahren, darunter mehrere Neuerwerbungen, die erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden. Diese Werke werfen Fragen zur Zukunft eines Museums für zeitgenössische Kunst auf. Die Rieckhallen mit rund 3000 m² Ausstellungsfläche wurden 2022 vom Land Berlin zurückgekauft und konnten so vor dem Abriss gerettet werden. Sie erweitern das Museum Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart.
Abb. oben: Exhibition view “Museum in Motion. A Collection for the 21st Century”, Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, from 6.9.2024 pictured: Cevdet Erek, Bergama Stereo – Berlin Fragment, 2019-2024 © Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin / Jacopo La Forgia
Ein Schwerpunkt der Sammlung des Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart liegt auf raumgreifenden Skulpturen, Installationen und Werken der Medienkunst. Dank der 2022 dauerhaft gesicherten Rieckhallen können diese Arbeiten künftig in den einzigartigen Ausstellungsräumen ausgestellt und durch neue Erwerbungen ergänzt werden. Zu den ausgestellten Werken gehören skulpturale Installationen von Elmgreen & Dragset, Cevdet Erek, Anne Imhof, Jasmin Werner und David Zink Yi, fotografische Arbeiten von Elmgreen & Dragset, Manaf Halbouni und Ricarda Roggan sowie Licht- und Medienkunst von Maurizio Nannucci und Jeremy Shaw.
„Museum in Bewegung“ präsentiert großformatige Installationen, Skulpturen und Fotoserien aus der Sammlung des Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart sowie, im Rahmen einer jüngst vereinbarten langfristigen strategischen Partnerschaft, aus der Bundeskunstsammlung. Die Werke thematisieren die sich wandelnde Rolle von Museen für zeitgenössische Kunst und werfen die Frage auf, wie sich Museen an die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft anpassen müssen. Der Ausstellungstitel selbst deutet darauf hin, dass Museen dynamische Institutionen sind, die sich stetig weiterentwickeln. In einer sich verändernden Gesellschaft wandelt sich auch die Kunst, was sich in der engen Verbindung zwischen Künstler*innen, Museen und ihrer Umwelt widerspiegelt. Ein Museum für zeitgenössische Kunst ist ein integraler Teil der Gesellschaft, fördert kulturelle Produktion und muss sich kontinuierlich an technologische Fortschritte und demografische Veränderungen anpassen. Mit dieser Sammlungspräsentation richtet der Hamburger Bahnhof den Blick in die Zukunft, um diesen Herausforderungen aktiv zu begegnen.
Die Präsentation beginnt mit der Skulptur „Protruding Gallery / Powerless Structures, Fig. 223“ (2024) von Elmgreen & Dragset. Diese Arbeit stellt einen Kunstraum dar, der entweder aus dem Boden aufsteigt oder darin versinkt. In der Serie „Deutsche Museen“ (2025) hinterfragt das Künstlerduo ebenfalls die räumlichen Strukturen und die Institution des Museums.

© Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin / Jacopo La Forgia
Kulturgeschichtliche Referenzen und die Frage nach der sich verändernden Bedeutung von in Museen bewahrten Kunstwerken und Objekten werden in „Bergama Stereo – Berlin Fragment“ (2019–2024) von Cevdet Erek und „Apokryphen“ (seit 2013) von Ricarda Roggan aufgegriffen. Mit Manaf Halbounis Werk „Go Home“ (2019) stellt sich die Frage, wie ein Museum als offenes Haus für eine immer vielfältigere Gesellschaft fungieren kann und welche Künstler*innen in dessen Sammlung einen Platz finden.
David Zink Yis Werk „Neusilber“ (2009) konnte nicht aus dem namensgebenden Material hergestellt werden, was auf die Unzulänglichkeit der musealen Kategorisierung und Hierarchien in der Darstellung der komplexen Welt hinweist. Maurizio Nannuccis Neonröhrenarbeiten „Idea“ und „Time“ (beide 1997) thematisieren Parameter für die Konzeption und Produktion von Kunstwerken. Da die Herstellung von Neonröhren aus Umweltschutzgründen eingestellt wird, stehen Museen vor der Herausforderung, neue Technologien zu entwickeln, um diese Werke für zukünftige Generationen zu erhalten.

© Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin / Jacopo La Forgia
Anne Imhofs Skulptur „Room IV“ (2021) stellt das Museum vor die Aufgabe, sowohl die Vergangenheit als auch die Gegenwart des Werks zu präsentieren, das ursprünglich Teil eines Performance Settings war. Jasmin Werners Ensemble, bestehend aus vier Skulpturen und drei Treppenmodellen, verbindet industrielle und architektonische Symbole mit kunsthistorischen Referenzen und betont die zyklische Natur des kreativen Prozesses sowie der Kunstgeschichte, wie sie durch Museen überliefert wird.

© Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin / Jacopo La Forgia
Den Abschluss bildet die raumgreifende Video- und Soundinstallation „Phase Shifting Index“ (2020) von Jeremy Shaw. Auf sieben Leinwänden sind Protagonistinnen fiktiver Subkulturen zu sehen, die in rituellen, tanzähnlichen Bewegungen schließlich zu einer kollektiven ekstatischen Erfahrung verschmelzen. So wie Shaws Werke einen veränderten Bewusstseinszustand darstellen, können Museen Orte sein, an denen die Wahrnehmung der Besucherinnen erweitert wird.

Die Sammlungspräsentation zeigt neue Werke von Cevdet Erek, Elmgreen & Dragset und Anne Imhof, die durch die Unterstützung der Freunde der Nationalgalerie und großzügige Förder*innen, sowie durch den 2023 gegründeten Förderverein Hamburger Bahnhof International Companions ermöglicht wurden. Zudem wird anlässlich der Präsentation die Videoinstallation von Jeremy Shaw in die Sammlung aufgenommen.
WANN?
Ausstellungdaten: Freitag, 6. September, 2024 – Sonntag, 26. Juli 2026
WO?
Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart Invalidenstraße 50-51
10557 Berlin Germany





