Amnon David Ar: Light Years – Kirche am Hohenzollernplatz | 21.05.-03.09.2026

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Der in Israel geborene Künstler Amnon David Ar präsentiert eine umfassende Einzelausstellung in der Kirche am Hohenzollernplatz in Berlin-Wilmersdorf. Light Years vereint Werke, die seit seinem Umzug nach Berlin im Jahr 2013 entstanden sind, und geht einher mit der Veröffentlichung einer gleichnamigen Kunstmonografie. Konzerte und Künstlergespräche begleiten die Ausstellung.

Abb. oben: Amnon David Ar: Childhood, 2024, aus der Serie Cycle of Life Credit: Courtesy the artist. Foto: Hans Georg Gaul.

Die vom langjährigen Louvre-Kurator für zeitgenössische Kunst Martin Kiefer konzipierte Schau zu Amnon David Ar gibt mit den in Berlin geschaffenen Werken einen tiefen Einblick in das malerische Œuvre des Künstlers. Die großformatigen Werke zeigen alltägliche Stillleben, Übersehenes und Porträts. Im Dialog mit der Kunstgeschichte gewähren die Gemälde stets sehr persönliche Einblicke in die Gedankenwelt des Künstlers.

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Amnon David Ar: Life Itself, 2016 Credit: Courtesy the artist Foto: Hans Georg Gaul

Der von technischer Präzision geprägte Stil verweist in Richtung Hyperrealismus, jedoch steht bei Ar immer die Befragung der Objekte im Vordergrund. Figuren, Objekte und Symbole werden in unerwarteten Konstellationen zusammengebracht, in denen das Vertraute fremd und auf subtile Weise rätselhaft wird. So findet sich in seinen Gemälden etwa ein alter Sterilisator neben einem aufzublasenden Schwein, ein zerbrochenes Ei neben einer goldenen chinesischen Glückskatze, eine Lenin-Büste neben einer frischen Banane.

Im Mittelpunkt der Ausstellung in der Kirche am Hohenzollernplatz steht The Cycle of Life, eine monumentale, seit 2016 fortlaufende Serie, die sich um sechs Phasen der menschlichen Existenz dreht: Geburt, Kindheit, Jugend, Erwachsenenalter, Alter und Tod. In dieser großformatigen Serie spiegeln sich Reflexionen über Schönheit, Angst, Hoffnung und Fantasie.

Amnon David Ar: Death, 2016, aus der Serie Cycle of Life Credit: Courtesy the artist Foto: Hans Georg Gaul

Die im Ausstellungstitel benannten Lichtjahre – Light Years – beziehen sich auf die Distanz und Zeit, die das Licht benötigt, um uns zu erreichen. Diese seelische Kontemplation spiegelt sich auch in der Wahl des Ausstellungsraums, in dem die Gemälde eine besondere Resonanz erhalten. Einerseits ist die Inszenierung deutlich durch den Kirchenraum bestimmt, zum anderen resoniert dieser auch mit den Fragen nach Religion und Erkenntnis, die Amnon David Ars Werk immanent sind.

Kindheit ist das Thema der Folgeausstellung im Kurt Mühlenhaupt Museum in Berlin-Kreuzberg, die während der Berlin Art Week 2026 eröffnen wird. Ars Serie über Spielzeug spiegelt die Spannungen zwischen Fantasie und Realität, Massenproduktion und Individualismus sowie sozialer Indoktrination und Geschlechterrollen. So zeigt ein Werk aus der Serie Childhood ein massenproduziertes Dinosaurier-Spielzeug mit der Aufschrift „Unique Piñata“.

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Amnon David Ar in seinem Studio Credit: Courtesy the artist Foto: Thomasz Lewandowski

Amnon David Ar wurde 1973 in Israel geboren und begann bereits mit 17 Jahren seine berufliche Laufbahn als Illustrator und Karikaturist für verschiedene Zeitungen in Israel. Nach nur einem Jahr an der Bezalel-Akademie in Jerusalem schlug er seinen eigenen künstlerischen Weg ein. Ar wurde mit dem ersten Preis beim See Me-Wettbewerb in New York, dem Haim-Shiff-Preis des Tel Aviv Museum of Art und dem dritten Preis beim australischen Boynes Artist Award in Melbourne ausgezeichnet. Er stellte international in Museen und Galerien aus, darunter das Museu Europeu d’Art Modern in Barcelona, das Tel Aviv Museum, die Armory Show und die Forum Gallery in New York sowie die NordArt in Büdelsdorf. Seine Werke wurden in Publikationen renommierter Verlage wie Thames & Hudson und Hirmer Verlag vorgestellt und sind in bedeutenden Sammlungen wie der Sammlung von Len Blavatnik, dem Tel Aviv Museum, der Stiftung St. Matthäus und anderen vertreten.

Als langjähriger Friedensaktivist ist Ar gemeinsam mit seinem Partner, dem Konzertpianisten Yehuda Inbar, sowie weiteren Künstler*innen und Wissenschaftler*innen Mitbegründer der Responses Culture Society e.V., einer in Berlin ansässigen
gemeinnützigen Organisation, die interdisziplinäre Kunst sowie die Werte von Demokratie, sozialer Gleichheit und Frieden fördert. Die Organisation hat durch Konzerte und kulturelle Veranstaltungen Spenden für israelische und palästinensische humanitäre und Friedensorganisationen gesammelt.

Die Kirche am Hohenzollernplatz wurde ab 1930 im expressionistischen Stil vom polnisch-jüdischen Architekten Ossip Klarwein im Architekturbüro von Fritz Höger entworfen. Klarwein war kurz vor der Einweihung der Kirche 1933 gezwungen, aus Nazi-Deutschland zu fliehen. Als Architekt entwarf er einige der bedeutendsten Gebäude Israels, darunter das Parlament (Knesset), das Theodor-Herzl-Grabmal und den Dagon-Getreidesilo in Haifa. Das farbenprächtige Licht in der Kirche, das durch ihre berühmten Buntglasfenster entsteht, spiegelt den Titel der Ausstellung sowie Ars Werk.

WANN?

Ausstellungdaten: Donerstag, 21. Mai bis Donerstag, 3. September 2026

WO?

Kirche am Hohenzollernplatz
Nassauische Straße 66-67
10717 Berlin

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