Die „Grabbereitung Christi“ ist eines von zwei großformatigen Meisterwerken Vittore Carpaccios (um 1465–1525/26), mit denen der venezianische Künstler in der Gemäldegalerie vertreten ist. In den letzten Jahren wurde das Gemälde umfassend untersucht und restauriert. 500 Jahre nach Carpaccios Tod erstrahlen die Farben des Werkes nun wieder in ihrer ganzen Pracht. „Die Grabbereitung“ steht im Mittelpunkt einer Sonderpräsentation, die auch andere venezianische Gemälde aus eigenem Bestand, grafische Werke aus dem Kupferstichkabinett sowie die Reproduktion einer Tafel aus Aby Warburgs „Bilderatlas Mnemosyne“ umfasst.
Abb. oben: Vittore Carpaccio, Die Grabbereitung Christi, ca. 1515-1520; Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Thuja Seidel; Public Domain Mark 1.0
Die Ausstellung stellt die „Grabbereitung“ in ihren inhaltlichen und künstlerischen Kontext, indem sie den Vergleich mit Werken von Giovanni Bellini, Cima da Conegliano, Palma il Vecchio, Francesco Bissolo und Carpaccio selbst ermöglicht. Darüber hinaus werden zwei wertvolle Leihgaben aus dem Kupferstichkabinett gezeigt: eine Vorzeichnung von Carpaccio, die den toten Christus wiedergibt, und ein Stich von Andrea Mantegna, der dem venezianischen Maler als Inspiration diente.
Carpaccios „Grabbereitung Christi“
Die „Grabbereitung Christi“ ist ein ebenso bemerkenswertes wie geheimnisvolles Werk. Anstelle der üblicheren Beweinung wählte der Maler den Moment zwischen dem Tod Christi am Kreuz und seiner Auferstehung: Im Bildzentrum ist der Leichnam Christi aufgebahrt, dahinter wird das Grab geöffnet und Joseph von Arimathia bereitet die Waschung des Leichnams vor. An einen Baum gelehnt sitzt ein meditierender Greis, vermutlich Hiob als alttestamentlicher Vorläufer Christi. Viele in eine Ideallandschaft gesetzte erzählerische Details betonen den Gegensatz zwischen Leben und Tod: Schädel und Teile von Skeletten im Vordergrund, musizierende Hirten in der Bildmitte.
Für den Hamburger Kunsthistoriker Aby Warburg war die „Grabbereitung Christi“ so bedeutend, dass er sie 1929 neben Werken von Donatello und Raffael in seinen Bilderatlas Mnemosyne aufnahm. Die Originaltafel aus dem Bilderatlas wurde für diese Sonderpräsentation reproduziert.
Umfassend untersucht und restauriert
Der schlechte Zustand des Gemäldes führte zu einer umfassenden Restaurierung, die von der ehemaligen Chefrestauratorin der Gemäldegalerie, Babette Hartwieg, durchgeführt wurde. Firnisschichten und frühere Retuschen hatten sich verfärbt und mussten entfernt werden. Die zusammen mit dem Rathgen-Forschungslabor durchgeführten Untersuchungen hatten gravierende Veränderungen bestimmter Farbpartien ergeben, die bei der Wahl der Restaurierungsverfahren zu berücksichtigen waren. Den Besucher*innen werden Informationen in unterschiedlicher Tiefe zu den Untersuchungsergebnissen wie auch zu den durchgeführten Restaurierungsmaßnahmen an die Hand gegeben.
Kuratorisches Team
Die Ausstellung wird von Babette Hartwieg und Neville Rowley kuratiert.

Veranstaltung
Am Mittwoch, 19. November 2025, findet um 18:30 Uhr im Istituto Italiano di Cultura (Hildebrandstraße 2, 10785 Berlin) die öffentliche Veranstaltung „Eine Geschichte der Formen: Carpaccio, Longhi, Pasolini“ statt. Der Abend widmet sich mit Vorträgen von Babette Hartwieg und Neville Rowley sowie dem Film „Carpaccio“ von Roberto Longhi den engen Bezügen zwischen Pasolinis Werk und der italienischen Kunst der Renaissance.
Vortragsreihe
Begleitend zur Ausstellung geben vier Vorträge tiefere Einblicke in Vittore Carpaccios „Grabbereitung Christi“, sowohl hinsichtlich ihrer geheimnisvollen Ikonografie als auch zu den Ergebnissen der technischen Untersuchungen und Restaurierungsmaßnahmen.
Alle Vorträge finden im Vortragsaal des Kulturforums, Johanna-und-Eduard-Arnhold-Platz / Matthäikirchplatz, 10785 Berlin, statt.
Donnerstag, 22.1.2026, 18 Uhr
Babette Hartwieg
Carpaccios „Grabbereitung Christi“: Untersuchung und Restaurierung – Herausforderungen und Wege
Das großformatige Leinwandbild von Vittore Carpaccio wurde in den letzten Jahren von Babette Hartwieg, der ehemaligen Chefrestauratorin der Gemäldegalerie, umfassend untersucht und restauriert. Im Vortrag berichtet sie von den Ergebnissen ihrer Untersuchungen, die sich vor allem mit den Veränderungen der Farben beschäftigten. Die Restaurierungsverfahren waren auf den heutigen Zustand der Malerei abzustimmen. Anhand aussagekräftiger Fotos werden die einzelnen Schritte und Maßnahmen des Restaurierungsprozesses veranschaulicht.
Donnerstag, 19.2.2026, 18 Uhr
Giulio Busi und Silvana Greco
Carpaccios „Grabbereitung Christi“ und ihre geheimnisvollen Inschriften
Giulio Busi und Silvana Greco (Freie Universität Berlin) analysieren in ihrem Vortrag die ikonografischen und sprachlichen Merkmale der Berliner „Grabbereitung Christi“ und setzen diese in Beziehung zu Carpaccios „Meditation über die Passion“ aus dem Metropolitan Museum of Art in New York. Besonderes Augenmerk gilt dabei den hebräischen Inschriften auf Carpaccios Gemälde, insbesondere dem Wort „Israel“, dessen Bedeutung im historischen und religiösen Kontext neu beleuchtet wird. Ein historischer Exkurs zur jüdischen Gemeinde Venedigs verdeutlicht deren Präsenz und Einschränkungen von 1382 bis zur Einrichtung des Ghettos im Jahr 1516 und verbindet die historische Krise mit der Symbolik des Gemäldes.

Donnerstag, 19.3.2026, 18 Uhr
Neville Rowley
Carpaccio und Aby Warburg: Eine Geschichte der Tränen
Tränen begleiten unsere Geburt und unsere Kindheit. Nach und nach lernen wir, sie zu unterdrücken, doch manchmal kehren sie zurück und stehen für Freude oder Schmerz. In der Kunst wurden Tränen nicht immer dargestellt. Neville Rowley, Kurator für frühe italienische Malerei an der Berliner Gemäldegalerie, begibt sich auf eine spannende Suche nach ihren visuellen Spuren, ausgehend von Vittore Carpaccios „Grabbereitung Christi“. Sein „Begleiter“ wird der Hamburger Kunsthistoriker Aby Warburg (1866–1929) sein, der sich als einer der ersten intensiv mit Darstellungen des Pathos befasste.
Donnerstag, 2.4.2026, 18 Uhr
Sabine Engel
Carpaccios „Grabbereitung Christi“: Antike und Christentum
Vittore Carpaccios rätselhafte „Grabbereitung Christi“ bleibt bis heute ein faszinierendes Forschungsobjekt. Im Zentrum der aktuellen Debatte steht das rätselhafte Männerpaar auf dem Felsen: Während der eine auf der Schalmei musiziert, gestikuliert der andere – sind diese Figuren ausschließlich im patristischen Sinn zu deuten, wie es vorgeschlagen wurde? Der Vortrag von Sabine Engel, Spezialistin der venezianischen Malerei der Renaissance, geht diesen ikonografischen Details nach und diskutiert ihre komplexen Überlagerungen in der christlichen und antiken Tradition.
WANN?
Ausstellung: Donnerstag, 20. November 2025 – Montag, 6. April 2026
WO?
Gemäldegalerie
Johanna-und-Eduard-Arnhold-Platz
Matthäikirchplatz
10785 Berlin





