Im Frühjahr 2026 widmen das Grand Palais und das Centre Pompidou der Künstlerin Hilma af Klint (1862–1944) eine außergewöhnliche Ausstellung, deren Werk die Chronologie der modernen Kunst grundlegend in Frage stellt. Lange bevor etablierte Figuren der Abstraktion wie Wassily Kandinsky oder Kazimir Malevich bekannt wurden, schuf Hilma af Klint bereits ab 1906 Gemälde von außergewöhnlicher Kühnheit, die Geometrie, flächige leuchtende Farben und organische Formen verbinden und damit zentrale Strömungen des 20. Jahrhunderts ankündigen. Zu diesem Anlass setzen das Grand Palais und das Centre Pompidou ein besonderes Zeichen, indem sie erstmals in Frankreich den Zyklus der „Tempelbilder“ (1906–1915) präsentieren, ihr Hauptwerk, zu dem auch die berühmte monumentale Serie „Die zehn Größten“ gehört, die von der visionären Kraft einer Künstlerin zeugt, die ihrer Zeit entschieden voraus war.
Abb. oben: Les Petites Aquarelles, n° 1,1908, aquarelle et crayon sur papier, 26 × 36 cm, HaK085. By courtesy of the Hilma af Klint Foundation – photo The Moderna Museet, Stockholm
Ausgebildet an der Royal Swedish Academy of Fine Arts in Stockholm führte Hilma af Klint ein doppeltes künstlerisches Leben: ein konventionelles mit traditionellen figurativen Werken und ein geheimes mit einer entschieden avantgardistischen Produktion. Geprägt durch ihr Engagement in der Theosophical Society schöpfte sie die Freiheit ihrer Inspiration aus spiritistischen Sitzungen innerhalb einer Gruppe von Frauen, mit denen sie eine gemeinsame utopische Vision teilte. Spiralen, Kreise und Strahlenbündel spiegeln eine Suche nach kosmischer Harmonie und den unsichtbaren Kräften wider, die die Welt bestimmen, und verleihen ihren Werken eine universelle und zeitlose Dimension. Hilma af Klint entschied sich, ihr abstraktes Werk ihren Zeitgenossen nicht zu zeigen und legte in ihrem Testament fest, dass ihre Arbeiten bis zwanzig Jahre nach ihrem Tod versiegelt bleiben sollten, was zu einer späten Anerkennung ihres Schaffens beitrug. Erst 1986, bei der Ausstellung The Spiritual in Art: Abstract Painting 1890–1985 in Los Angeles, wurden ihre abstrakten Gemälde erstmals der breiten Öffentlichkeit präsentiert und markierten den Beginn ihres internationalen Ruhms.

Bis heute wurde in Frankreich noch keine große monografische Ausstellung der Künstlerin Hilma af Klint gezeigt, obwohl ihr Werk in den letzten Jahren eine sehr starke Neubewertung erfahren hat, insbesondere im Rahmen einer erneuten Betrachtung der Rolle von Frauen im Feld der künstlerischen Moderne. Hilma af Klint ist in französischen Museen noch immer nur selten zu sehen, während sie weltweit inzwischen als eine unverzichtbare Künstlerin der künstlerischen Moderne und der historischen Anfänge der Abstraktion gilt.

Über die retrospektive Würdigung hinaus hebt diese Ausstellung die vielfältigen Inspirationsquellen ihres Werks hervor (Esoterik, Folklore und Volkskunst, wissenschaftliche Kultur) und hinterfragt, wie die Kunstgeschichte lange Zeit Künstlerinnen und ihren Beitrag zu den grundlegenden Bewegungen übersehen hat. Hilma af Klint erscheint hier als eine zentrale Figur, die in der Lage ist, die Grenzen zwischen Kunst, Wissenschaft und Spiritualität zu überwinden und weiterhin neue Generationen zu inspirieren. Eine einzigartige Erfahrung, um eine Künstlerin zu entdecken, die zwar in ihrer Zeit verwurzelt war, zugleich aber mit der Zukunft zu dialogieren schien.
WANN?
Ausstellungsdaten: Mittwoch, 6. May bis Sonntag, 30. August 2026
WO?
Grand Palais – Galeries 8 3 Avenue du Général Eisenhower, 75008 Paris, France
Centre Pompidou, Place Georges-Pompidou, 75004 Paris, France





