Colectivo Los Ingrávidos ist ein mexikanisches Filmkollektiv, das 2012 in Tehuacán gegründet wurde. Die Arbeit des Kollektivs ist inspiriert von den Werken der historischen Avantgarden und deren Engagement, Form und Inhalt als widerständige Strategien gegen entfremdende Lebenswirklichkeiten zu aktivieren. 2026 wird die Auszeichnung bereits zum neunten Mal in Kooperation mit den KW Institute for Contemporary Art vergeben. Der mit 15.000 Euro dotierte Preis umfasst eine Einzelausstellung, die von Liberty Adrien, Chefkuratorin der KW, erarbeitet und im Herbst 2027 eröffnet wird. Im Rahmen der Ausstellung wird das Künstlerkollektiv ein neues Werk schaffen und eine Begleitpublikation zur Ausstellung erarbeiten.
Abb. oben: Colectivo Los Ingrávidos, Video still, El Nido del Sol, 2021. Photo: © the artists.
Werke von Colectivo Los Ingrávidos wurden zuletzt auf Filmfestivals wie VIENNALE International Film Festival Vienna, IFFR International Film Festival Rotterdam, TIFF – Toronto International Film Festival oder in Kunst- und Filminstitutionen wie dem Harvard Film Archive, The Brakhage Center of the University of Colorado Boulder oder ICA International Contemporary Arts in London gezeigt. Zudem gab es Screenings ihrer Arbeiten im MoMA als Teil der Modern-Mondays-Serie; bei der Tate-Modern Film Series; im Block Museum – Northwestern University, Chicago; im MoMI – Museum of the Moving Image, New York; im The Flaherty Film Seminar, New York; auf der Whitney Biennial 2019, Whitney Museum of American Art; auf der Seoul Media City Biennale 2025; und bei فن سینما ڤابس , Gabès Cinema Fen in Tunesien.
Die Jury begründet ihre Wahl aus insgesamt 11 nominierten Künstler*innen wie folgt:
„Mit seinen vielfältigen filmischen und videobasierten Arbeiten zielt das Filmkollektiv Colectivo Los Ingrávidos darauf ab, Bedeutungszusammenhänge und Strukturen etablierter audiovisueller Medien zu entschlüsseln und die ihnen zugrundeliegende Ideologie offenzulegen. Indem sie analoges und digitales Filmmaterial, Archivalien, Mythologie, Agitprop, sozialen Protest und dokumentarische Poesie verknüpfen, hinterfragen ihre Werke sowohl die Formen als auch die Inhalte von Medien wie nicht zuletzt dem Kino kritisch. Die Arbeit des Kollektivs ist darum bemüht, dem Gefühl der Entfremdung entgegenzuwirken, das die Medien hervorgebracht haben. Ihre Werke lassen sich als visuelle Gewebe und akustische Klangteppiche beschreiben; sie brechen verfestigte Strukturen auf und legen verborgene politische Möglichkeiten von Medien offen. Auf diese Weise dokumentieren die Filme und Videos von Colectivo Los Ingrávidos kollektive Auseinandersetzungen, insbesondere ihre Ausprägung im Zeitalter des Anthropozän. Klänge und Bilder verschmelzen zu hypnotischen Collagen, loten sensorische Grenzen aus und eröffnen eine dekolonisierende Sicht auf die Welt. Ihre kritische und kollektive Praxis sowie ihre Texte wie das Manifest Thesis of the Audiovisual ebnen einen, wie Colectivo Los Ingrávidos selbst sagt, ‚kosmopolitischen Weg, audiovisuelle Kunst neu zu denken und zu formen ‘.

In Zeiten tiefgreifender sozialer, politischer und ökologischer Krisen kommt der Subversion des Empire Cinema und dessen normativer Diskurse sowie dem damit einhergehenden Aufruf, Kino als Werkzeug des Protestes gegen die ästhetische Hegemonie wiederzuentdecken, große Bedeutung zu. Indem das Kollektiv Formen des passiven Medienkonsums und des Rückzugs ins Private und damit Gewohnheiten ablehnt, die das moderne Leben zunehmend prägen, könnte sein Plädoyer für das Kino nicht aktueller sein. Schließlich gelingt es Colectivo Los Ingrávidos, das Kino als kollektive und immersive Erfahrung erfahrbar zu machen, die ein engagiertes kritisches Bewusstsein fordert.
Die Jury verleiht den Preis für künstlerische Forschung der Schering Stiftung 2026 an das Colectivo Los Ingrávidos, um einerseits ihre einzigartige Arbeitsmethodik zu würdigen und um es ihnen zu ermöglichen, ihre forschungsbasierte Praxis einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen.“

Die Jury bestand aus Antonia Alampi (Künstlerische Leiterin, Spore Initiative, Berlin), Emma Enderby (Direktorin, KW Institute for Contemporary Art, Berlin), Charlotte Klonk (Professorin für Kunst und Neue Medien, Humboldt-Universität zu Berlin; Mitglied des Stiftungsrats der Schering Stiftung), Damian Lentini (Stellvertretender Direktor, Ludwig Forum Aachen) und Jenna Sutela (Künstlerin, Berlin).





