Zum zehnten Jubiläum verwandelt die paper positions berlin vom 30. April bis 3. Mai 2026 die ikonische Haupthalle des Flughafen Tempelhof erneut in ein Zentrum der internationalen Kunstszene. Parallel zum Gallery Weekend präsentieren 69 Galerien aus 13 Ländern herausragende Positionen zeitgenössischer und moderner Kunst des Mediums Papier.
Abb. oben: courtesy of paper positions berlin
Die Kunstmesse paper positions berlin hat erste Highlights der Messe bekannt gegeben. Die gezeigten Kunstwerke weisen unterschiedlichste Herangehensweisen und Umgangsformen mit Zeichnung und dem Medium Papier auf – in all ihrer Radikalität und Feinheit. Dies sind die ersten Highlights:
Carmen Schaich – Ästhetik des Bruchs
Carmen Schaich (*1987 in Stuttgart) arbeitet an der Grenze von Präzision und Zerstörung. Irgendwo zwischen technisch einwandfrei und der Auseinandersetzung mit blinder Gewalt entsteht ihr Werk aus einem Verfahren, das ebenso kontrolliert wie radikal wirkt: Glas wird zum Bildträger, Einschläge werden zu Linien und damit Bruchstellen und Kollateralschäden zur Zeichnung. Die Künstlerin hat für diese besondere Art, sich auszudrücken eine eigene Tiefdrucktechnik entwickelt: die Glasradierung.

Gezeigt wird die Künstlerin auf der paper positions berlin 2026 von der Petra Rinck Galerie aus Düsseldorf.
Kubra Khademi – Linien als Rebellion
Kubra Khademi (*1989 in Afghanistan) arbeitet dort, wo der Körper zur politischen Waffe und die Zeichnung zum Akt der Rebellion und des Widerstandes wird. Ihre Kunst ist eine Antwort auf die systematische Unsichtbarkeit von Frauen und die brutale Realität des Exils. Durch die archaische Kraft mythologischer Erzählungen und die Provokation der Performance entsteht ein Werk, dass die Grenzen von Scham, Macht und Freiheit radikal neu vermisst. Mit einer trotzigen, naiven Ästhetik macht sie das Private zum Politischen und die Unterdrückung zur Bühne einer unbändigen weiblichen Stärke, die sich von Afghanistan in die ganze Welt übersetzen lässt.

Gezeigt wird die Künstlerin auf der paper positions berlin 2026 von der Galerie Eric Mouchet aus Paris.
Annegret Soltau – Fotografien von Schmerz
In Annegret Soltaus (*1946 in Lüneburg) Werk wird Fotografie zum Werkzeug, um Schmerz und Leid sichtbar zu machen. Es gleicht einer radikalen Sezierung des Ichs, bei der das eigene Gesicht und der Körper nicht nur abgebildet, sondern mit schwarzem Faden vernäht, gebunden und neu zusammengesetzt wird. Durch die aggressiven Einstiche der Nadel und die obsessive Struktur des Nähgarns entstehen Arbeiten, in denen Konzepte von Identität, Mutterschaft und weiblicher Fragmentierung brutal zugänglich gemacht werden. Eine Kompromisslosigkeit, die Traumata sichtbar macht und Verletzungen zum Stilmittel und zur graphischen Spur werden lässt.

Gezeigt wird die Künstlerin auf der paper positions berlin 2026 von der Galerie Bachlechner aus Graz.
A.R. Penck
Von A.R. Penck (*1939 in Dresden; † 2017 in Zürich) werden ganz besondere Arbeiten zu sehen sein, die einen ungefilterten Einblick in sein Frühwerk geben. Weit vor seinen weltbekannten Systembildern entstehen hier Porträtskizzen von einer nervösen Unmittelbarkeit, bei der allerdings schon damals jeder Strich sitzt, wo er sein soll. Die Hamburger Galerie Holthoff präsentiert eine Entdeckung von seltener Intensität: Kohlezeichnungen aus den späten 1950er-Jahren, die Penck mit schnellem, suchendem Strich direkt über die bedruckten Seiten alter Bücher legte. Das Papier – gefunden, benutzt und für großartige Zeichnungen zweckentfremdet – wird zum Medium seiner künstlerischen Selbstbehauptung, in der sich die menschliche Physiognomie der Portraitierten gegen die Starre der gedruckten Typografie durchsetzt. Diese frühen Blätter machen den Moment greifbar, in dem aus der Skizze ein existenzielles Werk wird.

Gezeigt wird der Künstler auf der paper positions berlin 2026 von der Galerie Holthoff aus Hamburg.
Stefanie Moshammer
Stefanie Moshammer (*1988 in Wien) bewegt sich in ihrem Schaffen zwischen sehr persönlicher Erzählung und einer fiebrigen Dokumentation unserer Gegenwart. In ihren Bildwelten verschwimmen die Grenzen zwischen konkretem Erleben und ästhetischer Inszenierung zu einer eigenen und sehr dichten Realität. Die österreichische Künstlerin nutzt das Medium Fotografie nicht zur bloßen Abbildung flüchtiger Momente, sondern als Forschungswerkzeug: Durch den gezielten Einsatz von Licht, extremer Farbsättigung und Texturen wird das Papier auf dem gedruckt wird zum Speicher für Themen wie Identität, Sehnsucht und den globalen, digitalen Wandel. Moshammer seziert mit der Kamera die eher verborgenen Schichten unseres Alltags und macht die Spannungen zwischen privater Intimität und gesellschaftlichen Bruchstellen konsumierbar.

Gezeigt wird die Künstlerin auf der paper positions berlin 2026 von der Galerie Roberta Keil aus Wien.
Gottfried Honegger
Gottfried Honegger (*1917 in Zürich; † 2016 ebenda) gestaltete an der Schnittstelle von mathematischer Logik und künstlerischer Freiheit. In einem Œuvre, das strenge Geometrie und das Spiel des Zufalls durcheinander wirft, entstehen Werke von zeitloser, fast meditativer Klarheit. Der Mitbegründer der Zürcher Konkreten verstandeht seine Raster nicht als Gefängnis, sondern als Befreiung: Durch die präzise Manipulation von Volumen, Struktur und Farbe wird das Papier zum Feld einer visuellen Disziplin, die sich der Beliebigkeit widersetzt. Honegger hat für seine Suche nach der absoluten Form das Verfahren der „Pliage“ (Faltung) und computerbasierte Zufallsberechnungen seiner Zeit radikalisiert, um die Ordnung in der Welt für uns fühlbar zu machen.

Gezeigt wird der Künstler auf der paper positions berlin 2026 von der Galerie Brita Prinz Arte aus Madrid.
WANN?
Eröffnung: Donnerstag, 30. April 2026, 18 – 21 Uhr
Messedaten: Donnerstag, 30. April bis Sonntag, 3. Mai 2026
WO?
paper positions berlin 2026
Flughafen Tempelhof – Haupthalle
Platz der Luftbrücke 5
12101 Berlin





