REAL?! Zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit – CSR.ART | 24.04.-30.05.2026

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Was wir sehen, scheint uns in der Regel eindeutig und buchstäblich begreifbar. Die Ausstellung REAL?! der Künstler René Wirths, Andreas Blank und MK Kaehne, im Kabinett Nazar Kvazar, setzt genau bei dieser vermeintlichen Gewissheit an. Die figurativen, hyperrealistischen und objektbetonten Werke entpuppen sich gerade nicht als Bestätigung von Wirklichkeit. Sie oszillieren zwischen Realem, Abbild und Schein, und entfalten sich in der Betrachtung als Irritation, als präzise Verfremdung, die mehr Fragen entstehen lässt, als dass sie Antworten liefert. CSR.ART präsentiert die Ausstellung REAL?! ab 24. April 2026 mit Malerei von René Wirths, Skulpturen von Andreas Blank und konzeptuellen Arbeiten von MK Kaehne, darunter eine neue, erstmals präsentierte Arbeit. Im Kabinett Plastiken von Nazar Kvazar. Die Vernissage findet am Donnerstag, 23. April 2026 um 18 Uhr im CSR.ART im Beisein der Künstler statt.

Abb. oben: MK Kaehne, Jeanne mit Gorilla, 2026, Silikon, Leder, Acrylglas, Haare,Chrom 140 x 112 x 149 cm, Foto: Eric Tschernow

Allen vier Künstlern ist ein präziser Umgang mit Wirklichkeit und zugleich deren bewusste Verschiebung gemeinsam. Die Arbeiten bestechen durch höchste Genauigkeit der Gestaltung. Vertraute Formen, Gegenstände oder Körper erscheinen zunächst eindeutig, entziehen sich aber bei näherer Betrachtung einer klaren Zuordnung. Es ist genau dieser Moment, in dem “Sehen” nicht mehr selbstverständlich ist. Zwischen Nähe und Distanz, Erkennen und Zweifel, entsteht ein Spannungsfeld, in dem Wahrnehmung herausgefordert wird, anstatt nur bestätigt.

René Wirths | Malerei

Die großformatigen, hyperrealistisch ausgeführten Gemälde von René Wirths zeigen alltägliche Gegenstände mit einer Genauigkeit, die kaum mehr zwischen Objekt und Abbild unterscheiden lässt. Schon ihre schiere Größe lässt Zweifel aufkommen: Handelt es sich um ein massiv vergrößertes Foto? Oder doch um ein Gemälde? Wie gelingt der Übertrag eines kleinen Gegenstands auf die Leinwand in einer solchen Präzision und zugleich in dieser Überdimensionierung? Die Abbildung entzieht sich einer eindeutigen Zuordnung und beginnt, sich vom Gegenstand zu lösen. Was zunächst als exakte Wiedergabe erscheint, entwickelt eine eigene Präsenz. Sie konfrontiert den Blick mit der Frage, ob hier etwas dargestellt wird oder ob das Bild selbst zum Gegenüber wird.

DEEDS NEWS - CSR ART - Rene Wirths - Brotkorb - 2013 - Foto Eric Tschernow
René Wirths, Brotkorb, 2013, Öl auf Leinwand, 200 x 200 cm, by courtesy of the artist, Foto: Eric Tschernow

Ergänzend dazu zeigt Wirths neue Schriftgemälde. Auch diese entziehen sich einer unmittelbaren Lesbarkeit. Buchstaben scheinen zu kippen, zu gleiten, sich dem Versuch des Erfassens durch die Augen und den Verstand zu widersetzen. Es entsteht eine Form visueller Unsicherheit: Das Gehirn sucht nach Orientierung, versucht Worte zu erkennen … und gerät ins Stocken. Selbst wenn die Titel bekannt sind und das Wort eigentlich klar wäre, bleibt es nur schwer greifbar. Sehen wird hier zu einem aktiven, körperlichen, beinahe anstrengenden Prozess. Wie in seinen Objektbildern geht es Wirths dabei nicht um Abbildung, sondern um die Bedingungen des Sehens selbst. Um die fragile Grenze zwischen dem, was wir zu erkennen glauben, und dem, was sich der Wahrnehmung entzieht.

Andreas Blank | Skulptur

Die Skulpturen von Andreas Blank verschieben diese Irritation ins Materielle. Gefaltete weiße Hemden, ein Paar schwarze Herrenschuhe, eine scheinbar beiläufig liegengelassene Plastiktüte. Hier stehen Dinge im Raum, die man zu kennen glaubt. Und die sich als Marmorskulpturen herausstellen.

DEEDS NEWS - CSR ART - Andreas Blank - Still Life - 2025
Andreas Blank, Still Life (2025), Alabaster, Marmor, Selenite (Crystal), Onyx 47,5 x 31,5 x 87 cm, by courtesy of the artist

Die höchste Präzision der Ausführung ist dabei “nur” ein Teil der Arbeit. Entscheidend ist für Blank die Wahl des Steins: Der Künstler sucht mit ebensolcher Akribie nach dem perfekten Marmor, der die Oberfläche des dargestellten Objekts nahezu naturidentisch aufnimmt. Die Täuschung beginnt im Material selbst.

MK Kaehne | Konzept

Bei MK Kaehnes konzeptuellen Arbeiten verdichtet sich der hyperrealistische Zugriff zu einer ebenso präzisen wie irritierenden Setzung. Die Detailgenauigkeit ist dabei Mittel, um eine Situation zu erzeugen, die zugleich glaubhaft und kaum einzuordnen ist. Gerade in dieser Überzeugungskraft beginnt die Verschiebung.

DEEDS NEWS - CSR ART MK Kaehne - Party Girls - 2025
MK Kaehne, Partygirls, 2025, Fotografie gerahmt , 45 x 58,5 cm, Luftballons Epoxidharz, Maße: variabel, by courtesy of the artist

Eine neue, erstmals öffentlich gezeigte Arbeit von MK Kaehne bildet einen weiteren Schwerpunkt der Ausstellung. Eine junge Frau mit Namen Jeanne hält einen Gorilla im Arm. Die Szene wirkt gleichzeitig vertraut und vollkommen unwahrscheinlich. In ihrer hyperrealistischen Ausführung entzieht sie sich jedoch jeder schnellen Einordnung. Was wie ein eingefrorener Moment erscheint, entwickelt eine eigentümliche Spannung zwischen Nähe, Projektion und Konstruktion. Das Werk stellt die Frage, was hier eigentlich als „real“ gelesen wird.

Nazar Kvazar | Plastiken

Im Fensterkabinett zeigt Nazar Kvazar neue Plastiken: hyperrealistische Hände, die aus Blumentöpfen “wachsen”. Eine reduzierte Setzung, die sich dem schnellen Verstehen entzieht und gerade dadurch wirkt, dass sie verstört.

DEEDS NEWS - CSR ART - Nazar Kvazar - Hand
Nazar Kvazar, Flower, 2025, polymer clay, ceramic pot and Beton, 40 x 20 cm, by courtesy of the artist

REAL?! verhandelt Hyperrealismus als Störung der Gewissheit. Was wir sehen, scheint eindeutig. Doch es kippt ins Ungewisse, manchmal gar ins Unheimliche, sobald wir ihm unsere Aufmerksamkeit widmen. Malerei, Skulptur und Objekt arbeiten an der Grenze zwischen Abbild und Konstruktion. Realität wird hier nicht gezeigt, sondern neu erschaffen. Oder genauer: Sie entsteht erst im Moment des aufmerksamen (Hin-)Sehens.


René Wirths (geb. 1967 in Waldbröl, lebt in Berlin) studierte von 1992 bis 1998 Bildende Kunst an der Hochschule der Künste Berlin und war Meisterschüler von Wolfgang Petrick. Seine Malerei konzentriert sich auf die präzise Darstellung von Objekten, die er ohne fotografische Hilfsmittel direkt im Atelier studiert und überdimensioniert hyperrealistisch auf die Leinwand übertragt.
Einzelausstellungen führten ihn u. a. nach Berlin, Paris, Zürich, Prag und Rotterdam. Wirths wird durch Galerie Haas in Berlin und Zürich sowie GALERIE TEMPLON PARIS und GALERIE TEMPLON BRUXELLES vertreten. Seine Werke befinden sich in internationalen Sammlungen, darunter das Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris.

Andreas Blank (geb. 1976 in Ansbach, lebt und arbeitet in Berlin) ist ein zeitgenössischer Bildhauer. Seine Praxis basiert auf handwerklicher Präzision sowie einer intensiven Auseinandersetzung mit Materialität und Wahrnehmung. Blank entwickelt Skulpturen, die Alltagsgegenstände formal exakt übersetzen und damit die Grenze zwischen Objekt und Abbild thematisieren. Er studierte von 2001 bis 2006 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei Prof. Harald Klingelhöller, war 2007 Gaststudent bei Andreas Slominski an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg und absolvierte 2008 bis 2009 das Royal College of Art in London. Er erhielt zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen, darunter 2024 den Sculpture Award der art KARLSRUHE. Seine Arbeiten wurden in Einzel- und Gruppenausstellungen unter anderem in Berlin, London, New York, Seoul, Mailand, Paris und Neapel gezeigt.

MK Kaehne (geb. 1963 in Vilnius, lebt und arbeitet in Berlin und Brandenburg) studierte von 1983 bis 1988 Malerei an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Sein Werk bewegt sich zwischen Skulptur, Installation und Zeichnung und ist geprägt von einer Biografie zwischen Vilnius, Moskau und Berlin. Aus der Malerei kommend, entwickelte er eine skulpturale Praxis, die oft konstruktivistisch geprägt ist und gesellschaftliche sowie biografische Themen in präzise gebauten Objekten verhandelt. Kaehne hatte zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland und war u. a. als Lehrbeauftragter an der Universität der Künste Berlin sowie an der Hochschule für Künste Dresden tätig.

Nazar Kvazar (geb. in Aktobe, Kasachstan, lebt und arbeitet in Berlin) ist ein zeitgenössischer Künstler, der sich in seinen vorwiegend plastischen Arbeiten mit dem hyperrealistischen Abbild des menschlichen Körpers auseinandersetzt. Seine Praxis bewegt sich im Spannungsfeld von Körperfragment und Irritation. Er nutzt präzise Nachbildungen und überträgt sie in einen anderen Kontext, um Wahrnehmung zu hinterfragen.

WANN?

Vernissage: Donnerstag, 23. April 2026, ab 18 Uhr, in Anwesenheit der Künstler

Ausstellung: Freitag, 24. April – Samstag, 30. Mai 2026

Dienstag – Samstag 10:00 – 19:00 Uhr

WO?

CSR.ART
Budapester Straße 35-50
im EG, links neben dem Eingang Richtung Zoo Palast Kino
10787 Berlin


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