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Donnerstag, August 11, 2022

Die Sammlung Solly 1821–2021. Vom Bilder-„Chaos“ zur Gemäldegalerie – 21.10.2021-16.01.2022

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Abbildung: Hans Holbein d. J., Der Kaufmann Georg Gisze, 1532, © Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Jörg P. Anders.

Der Erwerb der Gemäldesammlung des englischen Kaufmanns Edward Solly bescherte Berlin im Jahr 1821 eine öffentliche Kunstsammlung von Weltrang. Mit Meisterwerken von Raffael, Hans Holbein d. J. und Rembrandt bildet die „Sammlung Solly“ bis heute den Grundstock der Berliner Gemäldegalerie. Anlässlich des 200. Jubiläums würdigt die das gesamte Haus umspannende Sonderausstellung diesen mutigen, europaweit einmaligen Coup und stellt die Werke und Protagonisten dieses unschätzbaren Glücksfalls für die Berliner Museen vor.

Im frühen 19. Jahrhundert entstand in Berlin eine beispiellose Gemäldesammlung, die zur Grundlage der Galerie im 1830 eröffneten Königlichen Museum (dem heutigen Alten Museum) werden sollte. Der aus England stammende und im Ostseeraum tätige Edward Solly (1776–1844) hatte mit dem Handel von Getreide und Holz viel Geld verdient – und es in Bilder aller Art investiert. Allein in den Jahren 1813 bis 1821 brachte er in seinem Haus in der Berliner Wilhelmstraße über 3000 Gemälde zusammen, vor allem aus Italien, Deutschland und den Niederlanden.

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Girolamo Romanino, Salome mit dem Haupt Johannes des Täufers, um 1516/1517, ©
Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Jörg P. Anders

„Denken Sie sich eine Zusammenhäufung von circa 8-9 Tausend Bildern wovon höchstens 400 sage Vierhundert aufgestellt sind“, schrieb August von Goethe im Mai 1819 an seinen berühmten Vater in Weimar aus Berlin über die „Sollysche Sammlung“, „an und über einander gehäuft in 30–40 Zimmern in Küchen, Remisen und so weiter (…) daß die Decken brechen möchten, und Sie werden dann gestehen, daß mann ganz verwirrt werden kann.“

Tatsächlich waren es „nur“ 3012 Gemälde, doch einen überwältigenden Eindruck machte die Sammlung nicht nur auf den jungen Goethe. Ihre Besonderheit lag nicht nur in der hohen Zahl von Werken: Viele der Bilder stammen von bis dahin kaum bekannten, heute aber hochgeschätzten Künstlern wie Giotto, Botticelli, Jan van Eyck oder Jan Gossart.

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Jan Gossart, Neptun und Amphitrite, 1516, © Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Dietmar Gunne

Vor genau 200 Jahren, im Sommer 1821, wurde nach langen und spannungsreichen Verhandlungen die „Sollysche Sammlung“ für den preußischen Staat erworben – ein unschätzbarer Glücksfall für die Berliner Museen und eine mutige kulturpolitische Investition. Der Zeitpunkt zwischen Chaos und Neuordnung nach den napoleonischen Kriegen war eine einmalige Gelegenheit. Eine private Gemäldesammlung in so vielfältiger Art, enormer Dimension und in solcher Kürze zusammenzubringen, war bis dahin in Europa nicht geschehen. Unternehmergeist und Kunstbegeisterung, politischer Reformwillen und staatliche Finanzierung, verbunden mit persönlichem Engagement führten zwischen 1815 und 1821 dazu, dass in Berlin ein Gemäldeschatz ungekannter Qualität entstand, aus dem eine international bedeutende und impulsgebende öffentliche Gemäldesammlung hervorging. Die Sammlung Solly brachte an die Spree, was bis dahin hier niemand gesehen hatte. Ob alte Kirchenaltäre, faszinierende Porträts oder liebliche Landschaften – Berlin hatte seit dem Erwerb der Sammlung Solly eine enzyklopädische Gemäldesammlung von Weltrang.

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Paul Bril, Bergiges Meeresufer, um 1624, © Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Christoph Schmidt

Die Sonderausstellung wird den oft unterschätzten, weltoffenen und kunstbegeisterten Sammler Solly ebenso ehren wie die Gründer des Königlichen Museums, allen voran Karl Friedrich Schinkel, aber auch weniger bekannte Protagonisten der Berliner Klassik wie den Archäologen Aloys Hirt und den damaligen Kultusminister Karl von Stein zum Altenstein, die den Grundstein für diese einmalige öffentliche Kunstsammlung legten. Anhand rund 35 ausgewählter Werke präsentiert die Ausstellung die Vielschichtigkeit und Breite der Sammlung Solly und beleuchtet unter verschiedenen Aspekten den Wandel in der Wertschätzung einzelner Stücke.

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Giotto di Bondone, Die Kreuzigung Christi, um 1315/1320, © Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Volker-H. Schneider

Gezeigt werden Meisterwerke, Wiederentdeckungen und – wie es 1830 hieß – „historische Merkwürdigkeiten“. Von einem Hauptsaal und einem Kabinett der Gemäldegalerie aus wird die Sonderausstellung das gesamte Haus umspannen: In der Dauerausstellung werden Hinweise zu den bis heute zahlreichen Gemälden angebracht, die aus der Sammlung dieses frühen Förderers der Berliner Museen stammten – in fast jedem Saal der Galerie sind sie zu finden. Leihgaben des Kupferstichkabinetts, der Staatsbibliothek und des Geheimen Staatsarchivs sowie der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten runden die Präsentation ab.

Ein Werk aus den Beständen des Museums für Byzantinische Kunst – „Maria mit Kind und siebzehn Szenen aus dem Leben von Jesus Christus“ (um 1320) von dem Meister der Dossali Veneziani – wurde eigens für die Ausstellung restauriert – dank der großzügigen Förderung durch die Ernst von Siemens Kunststiftung.

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Lombardischer Nachfolger von Leonardo da Vinci, Maria mit dem Kind, um 1500, ©
Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Volker-H. Schneider

Die Ausstellung wird gemeinsam kuratiert von Robert Skwirblies und den Kurator:innen der Gemäldegalerie Roberto Contini, Stephan Kemperdick, Katja Kleinert, Neville Rowley und Sarah Salomon.

Zur Ausstellung erscheint im Deutschen Kunstverlag ein reich bebilderter Katalog, der die Entstehung und die Ankaufsverhandlungen der Sammlung darlegt und die Erwerbung in ihren zeitgeschichtlichen Kontext stellt:
ISBN: 978-3-422-98663-3, 112 Seiten, 65 farbige Abbildungen, Buchhandelspreis: 36 €.

WO?

Kulturforum, Gemäldegalerie
Matthäikirchplatz, 10785 Berlin-Tiergarten

WANN?

Donnerstag, 21. Oktober bis Sonntag, 16. Januar 2021
(geplant, Corona bedingt kurzfristige Änderungen möglich)

Di – Fr 10 – 18 Uhr, Sa + So 11 – 18 Uhr

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