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Centre international d’art et du paysage auf der Insel Vassivière (Frankreich) zeigt Isa Melsheimer | 27.03.-26.06.2022

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Inmitten eines großen Sees in der ländlich-pittoresken Gegend der Nouvelle-Aquitaine, auf dem Plateau de Millevaches in der Region Limousin, befindet sich auf der Insel Vassivière das von den Architekten Aldo Rossi und Xavier Fabre entworfene Centre international d’art et du paysage (Internationale Zentrum für Kunst und Landschaft). In außergewöhnlicher Atmosphäre bietet das Kunstzentrum einen Raum für temporäre Ausstellungen sowie 63 permanente Kunstwerke im Skulpturenwald unter freiem Himmel auf der ganzen Insel. Vom 27. März bis zum 26. Juni 2022 präsentiert das Kunstzentrum die Ausstellung “Concrete Bodies are Finite” der deutschen Künstlerin Isa Melsheimer, nachdem sie einen künstlerischen Aufenthalt im Schloss der Insel Vassivière verbracht hat.

Abb. oben: L’île de Vassivière (Die Insel Vassivière), Nouvelle-Aquitaine. Foto : Eric Roger

Isa Melsheimers Einzelausstellung Concrete Bodies are Finite im Centre international d’art et du paysage erforscht das architektonische und kulturelle Erbe der Postmoderne durch neu in Auftrag gegebene Skulpturen, Textilarbeiten und Installationen, die das Organische und Anorganische in einzigartigen Formen verschmelzen.

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Isa Melsheimer, Concrete Bodies are Finite, Ausstellungsdetails, Centre international d’art et du paysage, Insel Vassivière, Frankreich, 2022. Foto: © Aurélien Mole

In einer neuen Serie von großformatigen Keramikarbeiten lässt sich Melsheimer von der Pflanze Welwitschia mirabilis inspirieren, die in der Namib-Wüste in Namibia und Angola wächst. Benannt nach dem ersten Europäer, der die Pflanze 1859 beschrieb, ist Welwitschia in das Erbe der europäischen Expeditionen des 18. und 19. Jahrhunderts eingeschrieben, bei denen Pflanzenexemplare gesammelt, taxonomiert und in botanische Sammlungen aufgenommen wurden. Im Fall der Welwitschia wurde also ein doppelter Anspruch erhoben – auf die Pflanze selbst und auf das Recht, sie zu benennen.

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Isa Melsheimer, Concrete Bodies are Finite, Ausstellungsdetails, Centre international d’art et du paysage, Insel Vassivière, Frankreich, 2022. Foto: © Aurélien Mole

Melsheimers Arbeiten zeigen Welwitschia-ähnliche Formen, die allmählich mit architektonischen Elementen verschmelzen. Mit ihren tentakelartigen Blättern, die die gebauten Formen verflechten und allmählich verschlingen, scheinen die Pflanzen mit der Architektur zu verschmelzen und vielleicht ihre eigenen Organisationsprinzipien und Ansprüche geltend zu machen.

Melsheimers Metabolit-Skulpturen (2019-20) sind glasierte Keramikformen, die ebenfalls organische und architektonische Elemente verbinden. Blattähnliche Sprossen werden von ihrer kastenförmigen Umgebung kaum erfasst. Aus flächigen Fassaden und kubischen Volumina brechen knollige Konkretionen hervor, deren gesprenkelte Oberflächen glitzern und schäumen, als seien sie noch in Bewegung. Das Ergebnis ist eine Reihe von Werken in Mutation: unkontrollierbare, undisziplinierte Formen, die die vorgegebenen Grenzen überschreiten.

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Isa Melsheimer, Concrete Bodies are Finite, Ausstellungsansicht, Centre international d’art et du paysage, Insel Vassivière, Frankreich, 2022. Foto: © Aurélien Mole

Das Ensemble der Werke in der Ausstellung legt eine Abrechnung mit dem Erbe der Moderne sowie eine Neukalibrierung der menschlichen Beziehungen zur Umwelt nahe. Pflanzen und andere nicht-menschliche Spezies werden mit ihrem eigenen Handlungspotenzial gezeigt.

Die Ausstellung wird von Alexandra McIntosh, Direktorin des Centre international d’art et du paysage, kuratiert und in Zusammenarbeit mit der École nationale supérieure d’art et de design (Nationalen Schule für Kunst und Design) und CRAFT, Limoges, präsentiert. Unterstützt wird sie von der Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder (Wien), Esther Schipper (Berlin) und der Galerie Jocelyn Wolff (Romainville).

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Isa Melsheimer, Concrete Bodies are Finite, Ausstellungsansicht, Centre international d’art et du paysage, Insel Vassivière, Frankreich, 2022. Foto: © Aurélien Mole

Über die Künstlerin

Isa Melsheimer lebt und arbeitet in Berlin. Bekannt für ihre Auseinandersetzung mit der Geschichte architektonischer Stile – insbesondere mit dem Erbe der Moderne und der Betonarchitektur der 1950er- bis 1970er-Jahre – sind Melsheimers Arbeiten Ausdruck ihrer intensiven Recherche sowie formaler Untersuchungen.
Ausgewählte Einzelausstellungen ihrer Arbeiten umfassen Compost, MAMAC, Nizza (2021-22); Der unerfreuliche Zustand der Textur (2020) KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst, Berlin; Psychotropische Landschaften (2018), Städtische Galerie Delmenhorst; The Year of the Whale (2018), Fogo Island Gallery, Fogo Island; und Der tote Palast zitterte – zitterte! (2017), Mies van der Rohe Haus, Berlin.

DEEDS NEWS - courtesy of CIAPV - Yona Friedman - La licorne de Vassivière - Marguerite Desparture
Yona Friedman, La licorne de Vassivière (« Licorne Eiffel ») (Das Einhorn von Vassivière), Depositum des Cnap für den Skulpturenwald auf der Ile de Vassivière, 2009, Foto: © Marguerite Despature

Über das Kunstzentrum

Das Centre international d’art et du paysage (CIAPV) auf der Insel Vassivière, Frankreich, fördert Forschung, Experimentieren, Produktion und Verbreitung zeitgenössischer Kunst. Das in der französischen Kunstlandschaft einzigartige Zentrum ist bekannt für seine bemerkenswerte zeitgenössische Architektur, die von Aldo Rossi und Xavier Fabre entworfen wurde, für seine ständige Sammlung unter freiem Himmel und für sein Programm an Ausstellungen, Aufenthalten, Publikationen und Veranstaltungen, die sich mit Kunst und Landschaft befassen. Das auf dem Plateau de Millevaches in der Region Limousin gelegene Zentrum ist fest in seinem ländlichen Umfeld verwurzelt und knüpft gleichzeitig Verbindungen auf nationaler und internationaler Ebene. Künstlerinnen und Künstler sind eingeladen, Werke zu schaffen und zu präsentieren, die in direktem Zusammenhang mit dem Gebiet stehen und gleichzeitig umfassendere zeitgenössische soziale, politische und ökologische Anliegen hinterfragen. Das CIAPV ist ein Kunstzentrum von nationalem Interesse (CACIN), das von der Region Nouvelle-Aquitaine und dem französischen Kulturministerium – DRAC Nouvelle-Aquitaine – unterstützt wird. Das CIAPV ist Mitglied der Kunstnetzwerke d.c.a, Astre, Arts en résidence und Hexopée und ist seit 2017 Vermittler des Programms Nouveaux commanditaires der Fondation de France.

WO?

Centre international d’art et du paysage
Île de Vassivière
87120 Beaumont-du-Lac
Frankreich

WANN?

Ausstellungsdaten: Sonntag, 27. Märch – Sonntag, 26. Juni 2022

Öffnungszeiten der Ausstellung: Dienstag bis Freitag, 14 – 18 Uhr. Wochenenden und Feiertage: 11 – 13 Uhr und 14 – 18 Uhr
Skulpturenwald: jederzeitiger offener Zugang

KOSTET?

Ausstellung: 5/3 EUR
Skulpturenwald: frei

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