Der Meilenstein des deutschen Stummfilms Das Cabinet des Dr. Caligari (1920) wird am Freitag, den 6. März, im Rahmen des Programms des Tampere Film Festival im Dom von Tampere gezeigt. Wie bei den früheren Stummfilmvorführungen im Dom wird der Film von live gespielter Orgelmusik begleitet, die von dem Organisten Esa Toivola improvisiert wird. Mit dieser Veranstaltung organisieren das Tampere Film Festival und der Verband der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden von Tampere bereits zum siebten Mal gemeinsam eine Stummfilmvorführung im Dom von Tampere.
Abb. oben: Das Cabinet des Dr. Caligari – Courtesy of Tampere Film Festival
Die Vorführung beginnt am Freitag, den 6. März 2026, um 19:00 Uhr. Der Eintritt ist frei, und die Türen des Doms öffnen zwei Stunden vor Beginn der Vorführung.
Ein zeitloses expressionistisches Meisterwerk
Unter der Regie von Robert Wiene hat sich The Cabinet of Dr. Caligari vor allem aufgrund seiner eindrucksvollen visuellen Gestaltung einen festen Platz in der Filmgeschichte gesichert. Die Straßen der Stadt, die Gebäude und sogar die Schatten sind direkt auf die Kulissen gemalt – in scharfen Kontrasten, verzerrten Perspektiven und asymmetrischen Formen. The Cabinet of Dr. Caligari gilt als ein bekanntes, stilistisch reines Beispiel des expressionistischen Films.
Laut Jukka-Pekka Laakso, Festivalleiter des Tampere Film Festival, wurde der Film nicht nur wegen seiner künstlerischen Qualitäten ausgewählt, sondern auch aufgrund seiner aktuellen Relevanz.
– The Cabinet of Dr. Caligari ist visuell nach wie vor einzigartig – und vielleicht auf unbequeme Weise aktuell. Die zentrale Figur des Films ist ein irrationaler, größenwahnsinniger Charakter, der andere durch Lügen manipuliert. Die Zuschauerinnen und Zuschauer können ihre eigenen Schlüsse über mögliche Bezüge zur Gegenwart ziehen, sagt Laakso.
Der Film erzählt die Geschichte des geheimnisvollen Dr. Caligari, der mit einem Somnambulen namens Cesare auf einem Jahrmarkt in einer Kleinstadt auftaucht, den er unter seiner Kontrolle hält. Kurz nach ihrer Ankunft geschehen zwei Morde, woraufhin ein Freund eines der Opfer beginnt, die beunruhigenden Ereignisse zu untersuchen.
Deutsche Filme aus der Zeit zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg wurden später als Vorboten des Aufstiegs Adolf Hitlers und des Nationalsozialismus interpretiert. The Cabinet of Dr. Caligari ist eines der bekanntesten Beispiele dafür. Seine Bedeutung wird zudem durch die Erwähnung im Titel eines filmtheoretischen Klassikers unterstrichen: Von Caligari zu Hitler: Eine psychologische Geschichte des deutschen Films (1947) von dem in Deutschland geborenen Siegfried Kracauer.

Organist Esa Toivola im Dialog mit dem Publikum
Die Live-Musikbegleitung wird von Esa Toivola, Organist des Doms von Tampere, improvisiert, der bereits zuvor bei den Stummfilmvorführungen des Festivals im Dom aufgetreten ist.
Toivola betont, dass die Reaktionen des Publikums die Musik mitunter beeinflussen können – anders als bei traditionellen Konzerten, bei denen Musikerinnen und Musiker eine festgelegte Komposition aufführen.
– Bei Filmvorführungen steht die Verbindung von Bild und Musik im Mittelpunkt. Ich improvisiere auf Grundlage des Drehbuchs, aber es bleibt Raum, auf den Moment zu reagieren. Wenn das Publikum hörbar in eine Szene eintaucht, inspiriert das auch die Musik, sagt Toivola.
Toivolas Talent für die Improvisation von Filmmusik hat auch außerhalb von Tampere Aufmerksamkeit erregt. Im Januar dieses Jahres trat er im Musikzentrum Helsinki auf und begleitete live zwei Filme von Charlie Chaplin sowie eine Komödie von Laurel und Hardy.
Die erste Stummfilmvorführung im Dom von Tampere im Rahmen des Tampere Film Festival fand 2019 mit Murtovarkaus (1926) statt, basierend auf einem Theaterstück von Minna Canth. Es folgten Victor Sjöströms The Phantom Carriage (1921) im Jahr 2020, Carl Theodor Dreyers Die Passion der Jeanne d’Arc (1928) im Jahr 2022 sowie Dsiga Wertows ukrainischer Stummfilmklassiker Der Mann mit der Kamera (1929) im Jahr 2023.
In den vergangenen zwei Jahren lag der Schwerpunkt des Programms auf dem finnischen Kino. 2024 wurde eine Trilogie von Kurzfilmen von Juho Kuosmanen gezeigt: Romu-Mattila und eine schöne Frau (2012), Moonshiners (2017) und Ein ferner Planet (2023). Im vergangenen Jahr stand Der Wechselbalg (Vaihdokas, 1927) von Teuvo Puro auf dem Programm.

WANN?
Ausstellung: Freitag, 6. März 2026 – 19:00 UHR
WO?
Kathedrale von Tampere
Finnland





