„95 Jahre Janosch“: Das Neue Kunstmuseum Tübingen (NKT) zeigt vom 12. März bis 17. Mai 2026 die einzigartige Kunst und Lebenskunst des Jubilars Horst Eckert alias Janosch. Und alle – die Tigerente, der Frosch, der kleine Tiger, der kleine Bär und auch der weise, jederzeit tiefenentspannte Herr Wondrak – erweisen ihrem künstlerischen Schöpfer die Ehre. Gezeigt werden rund 300 Unikate aus Janoschs Lebenswerk, von denen die Hälfte erstmals in einer Ausstellung zu sehen sind.
Abb. oben: Janosch, 2021
„In Janoschs Kopf scheint eine Art Quelle zu sprudeln, und die Texte fließen beinahe ungefiltert aufs Papier. Nachdenkliches, Komisches, Überraschendes und vor allen Dingen Liebenswertes.“ Das schreibt Janoschs langjähriger Freund, der erfolgreiche Cartoonist Peter Gaymann, im Nachwort zum Buch „Der kleine Hase Baldrian“.

Die große Jubiläumsausstellung „95 Jahre Janosch“ ist wie ein großes, buntes, erlebnisreiches Schaufenster von Janoschs endlos sprudelndem, unglaublich fantasiereichen Schaffen. Ölgemälde, Federzeichnungen, Aquarelle, Holzschnitte, Radierungen, Karikaturen, Illustrationen, sogar Plastiken und Textilarbeiten: Der am 11. März 1931 im damaligen oberschlesischen Hindenburg (dem heutigen Zabrze in Polen) als Horst Eckert geborene Künstler beherrscht die unterschiedlichsten künstlerischen Genres und Techniken.

Seit den 1960er-Jahren nennt er sich Janosch. Janosch, der begnadete Schriftsteller. Der Schöpfer von Kinderbuch-Klassikern wie „Oh, wie schön ist Panama“. Der Erfinder des skurrilen, seine Händematte liebenden Herrn Wondrak mit schütterem Haar und gekleidet in einer schwarz-gelben Latzhose. Ja, irgendwie ist dieser Herr Wondrak das Alter Ego des Herrn Janosch. Er ist gelassen, klug und unerschütterlich in allem, was er tut. Mit einem Wort: Er ist ein wahrer Lebenskünstler. Und als solcher weiß er auch das gute Essen und gute Tropfen sehr zu schätzen. Folglich ist in der Ausstellung diesem Thema ein ganzes Kapitel gewidmet.

„Das Leben ist so“, sagt Janosch, „du wirst hineingeworfen wie in ein kaltes Wasser, ungefragt, ob du willst oder nicht. Du kommst lebend nicht mehr heraus.“ Also stand Janosch, wie alle seine Mitmenschen, vor der Wahl: Sei darüber unglücklich und ersaufe, fühle dich lustlos und gräme dich oder tummele dich in diesem einen Leben, das du hast, wie ein Fisch im Wasser, voller Lebensfreude und Leidenschaft.
Janosch hat sich, trotz leidvoller Kindheit und Jugend, für den zweiten Weg entschieden. Seine Kunst ist ein Spiegelbild seiner Seele, seines Lebens, seiner Weisheit, seiner unerschöpflichen Fantasie. Ob als Maler, Schriftsteller, Illustrator, Kinderbuchautor, Bildhauer oder Karikaturist: Janoschs künstlerische Welten sind mit ihrem Humor und ihrer Lebensfreude, gerade in diesen schwierigen Zeiten, hochgradig aktuell und ansteckend – für Jung und Alt.

1980 verabschiedete sich Janosch von seinem bisherigen Leben. Er verkaufte sein Haus am Ammersee, stieg mit nur einer Tasche in ein Flugzeug und gelangte über mehrere Stationen auf die Insel Teneriffa, wo er bis heute – fernab der Öffentlichkeit – seinen Traum von einem Leben in größtmöglicher Unsichtbarkeit wahr machen konnte. Und hier, abseits von allem Trubel, feiert er in engstem Familienkreis auch seinen 95. Geburtstag.

Seine vielen Fans, ob jung oder alt, feiern ihn im fernen Baden-Württemberg, in den Ausstellungsräumen des NKT in der Schaffhausenstraße 123 in Tübingen.
Hier, im grün-schwarzen Ländle, begegnete Bernhard Feil, der Gründer und Leiter des NKT, bei einer Veranstaltung in Stuttgart erstmals diesem Künstler. Das war im Jahr 2013. Seitdem sind sie Freunde und Geschäftspartner.

Dass das politische Baden-Württemberg seinen ökologischen Fußabdruck jüngst erneuert hat, das dürfte dem Insulaner gefallen, der in seiner Wahlheimat schon vor Jahren eine eigene Umweltstiftung gegründet hatte.
„Die Regenwälder sind die Seele der Welt, weil sie das Klima unserer Erde regulieren. Es gibt wunderbare Bäume und Pflanzen“, schreibt Janosch im „Großen, kleinen Tiger-Atlas“. Doch die Menschen holzen die Wälder ab und vernichten Pflanzen und Tiere. Das erboste auch den kleinen Bär: „Der Mensch ist eine Sau“, brummte der kleine Bär und sagte, er sei froh, dass er ein Bär ist.

Wie kaum ein anderer Künstler bringt Janosch, einfach und prägnant, den Sinn des Lebens künstlerisch auf den Punkt – in Worten, mit Taten, gemalt oder gezeichnet. „Um der Kunst des Lebens zu frönen, darf man auf dieser Welt nichts zu verlieren haben“, schreibt Janosch. Schon das Wort Besitz bereite dem Weisen Unbehagen. Denn es besagt, dass da „besessen“ wird. Und wer will schon von etwas besessen sein …
Ganz gewiss wird Janosch zeitlebens nie seinen Humor verlieren. Denn das Alter, auch seines, geht nach ihm so: „Von außen gesehen fallen die Zähne und die Haare aus … Doch von innen hast du dich noch nie so jung gefühlt.“
Einen herzlichen, innigen Glückwunsch zu deinem jungen 95. Geburtstag, lieber Janosch.

WANN?
Ausstellung: Donnerstag, 12. März – Dienstag, 17. Mai 2026
WO?
Neues Kunstmuseum Tübingen
Schaffhausenstraße 123
72072 Tübingen





