Cezanne | Fondation Beyeler (Riehen/Schweiz) | 25.01.-25.05.2026

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Zum ersten Mal in ihrer Geschichte widmet die Schweizer Fondation Beyeler eine Einzelausstellung Paul Cézanne (1839–1906), einem Pionier der modernen Kunst und einem bedeutenden Künstler ihrer Sammlung. Mit rund 80 Werken konzentriert sich die Ausstellung auf die letzte und wichtigste Schaffensphase des französischen Malers und zeigt Cézanne auf dem Höhepunkt seiner künstlerischen Kraft: rätselhafte Porträts, idyllische Badenden-Szenen, eindringlich wirkende Landschaften seiner Heimat Provence sowie immer wieder neu gestaltete Darstellungen seines Lieblingsmotivs, der Montagne Sainte‑Victoire. Die Ausstellung ist noch bis zum 25. Mai 2026 in der Fondation Beyeler zu sehen.

Abb. oben: Paul Cezanne, Les joueurs de cartes, 1893–1896, The Card Players, Oil on canvas, 47 x 56.5 cm, Musée d’Orsay, Paris, © Musée d’Orsay, Dist. GrandPalaisRmn / Patrice Schmidt

In seinem Atelier im Süden Frankreichs entwickelte Cézanne mit meisterhafter Intuition eine komplexe und kraftvolle Spannung zwischen Farbe, Licht und Form und schuf revolutionäre Bilder, die bis heute Generationen von Künstlerinnen und Künstlern inspiriert haben. Die Ausstellung zeigt, wie Cézanne die Malerei grundlegend veränderte und – in den Worten von Pablo Picasso – zum „Vater von uns allen“ wurde.

Paul Cezanne in his studio in Les Lauves Photo : Bernard Emile (1868–1941) Paris, musée d’Orsay © GrandPalaisRmn (musée d’Orsay) / René-Gabriel Ojeda

Mit 58 Ölgemälden und 21 Aquarellen aus renommierten institutionellen und privaten Sammlungen in der Switzerland, France, Germany, United Kingdom, Spain, Netherlands, Denmark und den United States präsentiert die Ausstellung das bahnbrechende Spätwerk von Paul Cézanne. Neben ikonischen Werken aus bedeutenden öffentlichen Sammlungen wie dem Museum of Modern Art, dem Metropolitan Museum of Art, dem Musée d’Orsay, dem Philadelphia Museum of Art, der National Gallery of Art und der Tate stammen die Hälfte der ausgestellten Gemälde aus privaten Sammlungen, von denen viele nur selten öffentlich zu sehen sind.

Installation view “Cezanne”, Fondation Beyeler, Riehen/Basel, 2026, Photo: Mark Niedermann

Zu den Höhepunkten der Ausstellung gehört die Zusammenführung von neun Darstellungen der Montagne Sainte-Victoire sowie die gemeinsame Präsentation zweier seltener Darstellungen von Kartenspielern durch Paul Cézanne: das berühmte Gemälde der Courtauld Gallery in London und die legendäre Version aus dem Musée d’Orsay in Paris. Darüber hinaus zeigt die Ausstellung 14 der bewunderten Fruchtstillleben des Künstlers sowie acht herausragende Porträts und Selbstporträts. Mit La pierre à moudre au parc du Château Noir (La meule) (Millstone in the Park of the Château Noir), 1892–1894, ist zudem ein bedeutendes Werk aus dem Philadelphia Museum of Art zu sehen, das erstmals in Europa präsentiert wird. Die Ausstellung zeigt außerdem erstmals zwei Aquarellversionen von The Boy in the Red Vest nebeneinander. Darüber hinaus umfasst sie mehrere Werke, die seit Jahrzehnten nicht öffentlich gezeigt wurden, darunter das um 1895 entstandene Portrait de Paul Cézanne. Ebenfalls ausgestellt sind zahlreiche bewusst unvollendete Gemälde, bei denen Cézanne Teile der Leinwand unbemalt ließ, sowie mehr als 30 Landschaftsgemälde aus der Provence.

Die Ausstellung beginnt Mitte der 1880er-Jahre, als Paul Cézanne sich vom Einfluss des Impressionismus befreit hatte und den Stil fand, der ihn zu einer Schlüsselfigur der modernen Kunst machen sollte. Geboren in Aix-en-Provence, schlug Cézanne Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen radikal neuen Weg ein, indem er die Malerei von traditionellen Konventionen wie der Zentralperspektive löste. Cézannes erklärtes Ziel war es nicht länger, die Natur einfach darzustellen, sondern vielmehr den Prozess des Malens von Motiven aus der Natur zu analysieren und in seinem Werk sichtbar zu machen.

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Installation view “Cezanne”, Fondation Beyeler, Riehen/Basel, 2026 Photo: Mark Niedermann

Mit dieser neu gewonnenen künstlerischen Freiheit wandte sich Paul Cézanne den Motiven zu, die sein späteres Werk prägen sollten, insbesondere den Landschaften seiner Heimat Provence. Sie boten ihm ein Experimentierfeld, auf dem er seine Vision einer neuen Form der Malerei entwickeln konnte. In Cézannes Werk wird die Landschaft der Provence weit mehr als nur eine malerische Kulisse – sie wird zum Mittelpunkt einer überraschend neuen und modernen Bildsprache. Mit seinen Ansichten der Montagne Sainte-Victoire und der von südlichem Licht durchfluteten Wälder beeinflusste Cézanne nicht nur die Kunstgeschichte, sondern auch die Wahrnehmung dieser Region bis heute. Seine Bilder machten die Provence zu einem Sehnsuchtsort, an dem Natur, Ruhe und zeitlose Schönheit miteinander verschmelzen. Indem er die Landschaft in Farben übersetzte, verlieh Cézanne ihr eine ikonische Präsenz, die weit über die Malerei hinaus nachhallt. Für das heutige Publikum offenbaren seine Provence-Motive sowohl die Wurzeln der Moderne als auch den magischen Reiz, der der Region ihre anhaltende Faszination verleiht.

Paul Cézanne war fasziniert von der Montagne Sainte-Victoire. Immer wieder stellte er seine Staffelei dem Berg gegenüber auf und sah in ihm ein ideales Experimentierfeld für die zentrale Frage seiner Kunst: Wie lässt sich die Welt so malen, wie man sie wirklich erlebt? Für Cézanne bedeutete dies nicht einfach, die Natur darzustellen, sondern ihre Formen, Farben und ihre Atmosphäre sichtbar zu machen – Kunst als ein Gegenstück zur Natur. Von den 1880er-Jahren bis zu seinem Tod malte er die Montagne Sainte-Victoire etwa 30-mal in Öl und schuf darüber hinaus zahlreiche Aquarelle. Die Ausstellung in der Fondation Beyeler vereint sieben Ölgemälde und zwei Aquarelle zu diesem Motiv.

DEEDS NEWS -Fondation Beyeler-Cezane - Image courtesy of Nelson-Atkins
Paul Cezanne, La Montagne Sainte-Victoire vue des Lauves, 1904/05, Montagne Sainte-Victoire Seen from Les Lauves, Oil on canvas, 63.8 x 81.6 cm, The Nelson-Atkins Museum of Art, Kansas City, Missouri, purchase William Rockhill Nelson Trust, Image courtesy of Nelson-Atkins Digital Production & Preservation

Die Montagne Sainte-Victoire ist das Motiv, an dem Paul Cézanne seine Technik der Bildkonstruktion auf der Leinwand erprobte. Cézanne malte die Dinge nicht so, wie er sie kannte, sondern so, wie er sie unmittelbar vor sich sah: als sinnliche Farbeindrücke („sensations colorantes“), die er als Farbflecken („taches colorées“) auf die Leinwand übertrug. Auf diese Weise erforschte er, wie sich Form allein durch Farbe erzeugen lässt. Seine zahlreichen Versionen waren weniger Ausdruck eines unermüdlich forschenden Geistes als vielmehr ein systematischer Versuch, sich dieser neuen Art des Sehens anzunähern. Cézanne versuchte, die beständige Kraft des Berges mit den flüchtigen Eindrücken des Augenblicks zu vereinen – eine Suche, die später einen entscheidenden Einfluss auf Künstler wie Pablo Picasso oder Georges Braque ausübte.

Auch Badenden-Figuren spielen in der Ausstellung eine zentrale Rolle – ein Motiv, zu dem Paul Cézanne immer wieder auf unterschiedliche Weise zurückkehrte, um das Verhältnis zwischen dem menschlichen Körper und der Natur zu erforschen. Anstatt idealisierte Figuren darzustellen, verschmilzt Cézanne Körper und Landschaft so stark miteinander, dass die Badenden den Rhythmus der Bäume und die Krümmung des Flussufers annehmen oder wie Pflanzen aus dem Boden zu wachsen scheinen. Diese stille Verschmelzung verleiht seinen Badeszenen ihre besondere Spannung: Die Figuren sind zugleich präsent und scheinen doch im Begriff zu sein, in ihrer Umgebung zu verschwinden. Cézannes Badende verbinden die klassische Tradition des Aktes mit einem modernen Verständnis von Form und Raum.

Paul Cezanne, Groupe de baigneuses, (Group of Bathers), um 1895 Oil on canvas, 47 x 77 cm, Ordrupgaard, Copenhagen Photo: Anders Sune Berg

Auch seine Stillleben zeigen das unermüdliche Bestreben von Paul Cézanne, die sichtbare Welt in eine stabile, beinahe zeitlose Ordnung zu überführen. Seine scheinbar einfachen Arrangements aus Äpfeln, Birnen, Orangen, Krügen, Kannen, Brot und sorgfältig drapierten Tüchern dienen in Wirklichkeit als Bühne, auf der er beharrlich Form, Farbe und Gleichgewicht erforscht. Indem er Früchte zu kompakten Farbvolumen verdichtet, Stoffe zu bewegten Landschaften formt und das feine Spiel von Licht und Schatten auf den glatten Oberflächen verschiedener Gefäße untersucht, verwandelt er alltägliche Gegenstände in grundlegende Elemente einer neuen Bildarchitektur. Seine Stillleben sind sorgfältig durchdachte Konstruktionen, in denen jedem Objekt Gewicht, Volumen und räumliche Wirkung verliehen wird – und in denen sich Cézannes Suche nach der inneren Ordnung der Dinge ebenso im Kleinen wie im überwältigenden Maßstab der Natur entfaltet.

Neben Stillleben mit Früchten und Gefäßen thematisiert die Ausstellung auch Paul Cézannes Auseinandersetzung mit dem Motiv des Schädels, das eine existenzielle Dimension seines Werks widerspiegelt. Anders als die Arrangements aus Früchten und Tüchern ist der Schädel kein bloß dekoratives Objekt, sondern ein Symbol für Vergänglichkeit und die grundlegenden Fragen der menschlichen Existenz. Der Schädel erhält eine dichte, skulpturale Präsenz, deren Gewicht, Schatten und Konturen mit derselben Aufmerksamkeit behandelt werden wie alle anderen Objekte in Cézannes Stillleben. In diesen Gemälden verschmilzt die materielle Realität des Gegenstands mit einer Reflexion über Zeit, Sterblichkeit und Vergänglichkeit.

Paul Cezanne, Nature morte avec crâne et chandelier, (Still Life with Skull and Candlestick), um 1900 Oil on canvas, 61 x 50 cm, Staatsgalerie Stuttgart, acquired 1955 Photo: bpk / Staatsgalerie Stuttgart

Die Ausstellung versucht zu zeigen, wie Paul Cézanne die Strukturen seiner Bilder sichtbar machte und dadurch die Betrachter:innen einlädt, sich aktiv mit seinem Malprozess auseinanderzusetzen und daran teilzuhaben. Dies gilt insbesondere für die Werke, die unvollendet erscheinen, in denen der Künstler sich die Freiheit nahm, Teile der Leinwand unbemalt zu lassen und so eine neue Form von Harmonie zu erzielen. Diese Kompositionen zeichnen sich durch eine Art Offenheit aus, die es den engagierten Betrachter:innen ermöglicht, sie gedanklich weiterzuführen und in ihrer Vorstellung zu vervollständigen.

DEEDS NEWS -Fondation Beyeler-Cezane - on long-term loan at the Kunsthaus Zürich
Paul Cezanne, Portrait de l’artiste à la palette, ca. 1890, Self-Portrait with Palette, Oil on canvas, 92 x 73 cm, Emil Bührle Collection, on long-term loan at the Kunsthaus Zürich

In diesem Sinne erhalten die Besucher:innen am Ende der Ausstellung die Gelegenheit, selbst die Aquarelltechnik auszuprobieren, in der Paul Cézanne eine solche Meisterschaft erreichte. Durch die Einrichtung eines Ateliers innerhalb des Museumsraums möchte die Fondation Beyeler den einzigartigen Ansatz des Künstlers nicht nur für das Auge, sondern auch für die praktische Erfahrung zugänglich machen.

Die Ausstellung endet mit dem Kurzfilm Cézanne on Art, 2025, konzipiert und inszeniert vom gefeierten zeitgenössischen Maler Albert Oehlen und dem renommierten Filmemacher Oliver Hirschbiegel, bekannt für internationale Filme wie Downfall, 2004, und The Experiment, 2001. Inspiriert von Gesprächen zwischen Paul Cézanne und seinem Freund, dem Schriftsteller Joachim Gasquet, verbindet der Film Kunst, Philosophie und Landschaft zu einer atmosphärischen Evokation des Künstlers – mit Sean O’Brien, Sam Riley und Nichole Galicia in den Hauptrollen. Gedreht an Originalschauplätzen wie der Montagne Sainte-Victoire und den Bibémus-Steinbrüchen, fängt er das Licht und die faszinierende Atmosphäre der Landschaft ein, die Cézannes Malerei so stark beeinflusste. Der Film wird seine Premiere in der Fondation Beyeler feiern.

Die Ausstellung „Cézanne“ wird kuratiert von Ulf Küster, Senior-Kurator der Fondation Beyeler. Der Ausstellungskatalog, gestaltet von der in London ansässigen Grafikdesignerin Melanie Mues, wird auf Deutsch und Englisch im Hatje Cantz Verlag veröffentlicht. Auf 200 Seiten versammelt er Essays von Louise Bannwarth, Gottfried Boehm, Ulf Küster und Fabienne Ruppen sowie eine illustrierte Biografie von Sarah Weishaupt.

WANN?

Ausstellungdaten: Sonntag, 25. Januar bis Montag, 25. Mai 2026

WO?

Fondation Beyeler
Baselstraße 101
4125 Riehen
Schweiz











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