Gegründet im Jahr 2019 und nun als gemeinnütziger Kunstverein (Villa Heike e.V.) neu aufgestellt, widmet sich die Institution der nachhaltigen Förderung zeitgenössischer Kunst sowie der Pflege einer offenen, kritischen Kulturpraxis. Im Mittelpunkt des Programms von Villa Heike Kunstverein stehen künstlerische Positionen, die das technische Bild als kreative Methode, Darstellungsform und Ort politischen Handelns befragen.
Abb. oben: Villa Heike Kunstverein @VillaHeike
Im Villa Heike Kunstverein in Berlin ist vom 26.03. bis 02.05.2026 die Ausstellung Shifting Weathers mit Arbeiten von Susanne Kriemann, Jasmijn Visser (mit Ingmar König) und Luiz Zanotello zu sehen. Ausgehend von digitaler Fotografie, Video, Scanografie und KI-generierten Bildern untersuchen die beteiligten Künstler*innen, wie Wetter und Klima durch technische Bildverfahren sichtbar gemacht werden und welche Rolle diese Bilder für unsere Wahrnehmung ökologischer Prozesse spielen. Die Ausstellung eröffnet damit neue Perspektiven auf die komplexen Beziehungen zwischen Klima, Bildproduktion und Wahrnehmung.
Shifting Weathers ist eine Ausstellung im Villa Heike Kunstverein, die sich mit Wetter, Klima und bildgebenden Technologien auseinandersetzt. Während in der Öffentlichkeit Klima durch technische Bilder, Messungen und Prognosen sichtbar gemacht wird, ist es zugleich wirksam durch langsame Prozesse, die unserer unmittelbaren Wahrnehmung entgehen.
Das Ausstellungsprojekt Shifting Weathers versteht Wetter als fortwährenden Zustand, der Wahrnehmung, Empfinden und Zeitlichkeit formt. Mit Arbeiten von Susanne Kriemann, Jasmijn Visser (mit Ingmar König) und Luiz Zanotello richtet es den Blick auf die komplexen Gegebenheiten, die der medialen Vermittlung und Interpretation von Wetter und Klima zugrunde liegen. Die Ausstellung zeigt aber vor allem, wie künstlerische Praktiken jenseits von Katastrophenbildern neue Perspektiven auf die Vielschichtigkeit von Klima eröffnen.
Shifting Weathers wird von Sarie Nijboer unter der Leitung von Michael Schäfer kuratiert. Begleitet wird die Ausstellung von einem eintägigen Symposium zu Fragen von Bildproduktion, Klimawissen und Wahrnehmungspolitiken.
Susanne Kriemann betrachtet in ihrer Arbeit Datadust, skin of sand Landschaften als materielle Archive menschlicher Hinterlassenschaften. Sie zeigt, wie Mikroplastik zum neu integrierten Bestandteil ökologischer Kreisläufe geworden ist. Es wird durch Wetter und Verwitterung über die Zeit hin verteilt und sedimentiert. Kriemanns Beobachtungen machen so Klima als bestimmenden Faktor langfristiger Einschreibungsprozesse sichtbar.
Jasmijn Visser entwickelt in Zusammenarbeit mit dem Game Developer Ingmar König das interaktive Videospiel The weather has been canceled, das eine Welt ohne Wetter entwirft. In ihrer fragmentierten, lyrischen Spielwelt, in der sich Spielende frei bewegen können, wird die Komplexität des Klimawandels gespiegelt: nicht auf eine einzige Erzählung reduzierbar, und dennoch tief verankert im kulturellen Gedächtnis sowie in kollektiver Trauer.

Luiz Zanotello untersucht in seiner Installation Tempo e Tempo das Zusammenspiel von Zeit und Wetter anhand von Echtzeitbildern frei zugänglicher Wetterkameras weltweit. Indem er eine Maschine mit diesen visuellen Daten trainiert und ihre Prozesse filmisch sichtbar macht, verschiebt die Arbeit den Blick auf unterrepräsentierte Regionen und unterschiedliche Zeitlichkeiten. Dabei wird Wetterbeobachtung als politischer Akt des Sehens gefasst.
Die Villa Heike ist ein Atelier- und Bürohaus im Berliner Ortsteil Alt- Hohenschönhausen. Das Gebäude wurde 1910–1911 nach Plänen der Architekten Wilhelm Verhülsdonk und Richard Lott für den Berliner Industriellen Richard Heike errichtet, dieser war Gründer und Eigentümer einer Fabrik für Fleischverarbeitungsmaschinen. Der Baustil ist durch verschiedene Einflüsse gekennzeichnet: Elemente des Historismus finden sich im Hochparterre, in den Treppenhäusern und Wohnräumen der ehemaligen Fabrikantenwohnung. Das imposante, 9,50 m hohe Vestibül ist mit starken Anklängen an einen dorischen Tempel gestaltet und komplett mit Steinputz ausgekleidet. Besonders im Hochparterre finden sich, begünstigt durch die konstruktiven und gestalterischen Möglichkeiten der Stahlbetonbauweise, ungewöhnliche Bauformen mit Anklängen an Art déco und Jugendstil.

1945 wurde das Gebäude von der sowjetischen Armee konfisziert. In den Wirren der Nachkriegszeit diente es erst als Kommandantur des russischen Geheimdienstes NKWD mit Gefängniszellen im Souterrain und wurde anschließend an die Stasi übergeben. Diese richtete in den 60er Jahren in der Villa Heike und den rückwärtigen Fabrikationshallen das Geheimarchiv für NS-Akten ein das sich hier bis zur Auflösung im Jahr 1990 befand.
Im Jahr 2015, nach zwanzigjährigem Leerstand und von akutem Verfall bedroht, wurde das Objekt durch den Berliner Architekten Christof Schubert mit der Idee eines Atelier- und Bürohauses entwickelt. Nun erwarb eine kleine Bauherrengemeinschaft aus dem Kreativ-Bereich das Objekt und begann im gleichen Jahr mit Bauarbeiten. Nach fast vierjähriger Planungs- und Bauzeit fand am 16. Februar 2019 mit einer Kunstausstellung die Einweihung statt.
Heute beherbergt die Villa Heike hauptsächlich Künstlerateliers, eine Ausstellungshalle, Werkstätten und Büros. Der Ausstellungsraum dient als vermietbare Fläche, jedoch hauptsächlich als Heimstätte für das kuratierte Programm des 2025 neu gegründeten, gemeinnützigen Kunstvereins Villa Heike e.V.
WANN?
Eröffnung: Samstag, 21. März 2026, 17 Uhr
Laufzeit: Donnerstag, 26. März – Samstag, 02. Mai 2026
Symposium: Samstag, 11. April 2026, 12–18 Uhr
WO?
Villa Heike Kunstverein
Freienwalder Str. 17
13055 Berlin-Lichtenberg





