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Freitag, Dezember 2, 2022

DAS MINSK Kunsthaus in Potsdam | 24.09.-25.09.2022

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DAS MINSK Kunsthaus in Potsdam ist das jüngste Projekt der Hasso Plattner Foundation. Am 24. September 2022 öffnet das neue Haus für die Öffentlichkeit mit den zwei Ausstellungen Wolfgang Mattheuer: Der Nachbar, der will fliegen und Stan Douglas: Potsdamer Schrebergärten. Das ehemalige Terrassenrestaurant „Minsk“ – erbaut in den 1970er Jahren im modernistischen Stil der DDR – wird damit zu einem Ort für Begegnungen zwischen moderner und zeitgenössischer Kunst. Hier werden künftig Kunstwerke aus der ehemaligen DDR, die Teil der Sammlung Hasso Plattner sind, in neuen Kontexten gezeigt.

Abb. oben: DASMINSK Kunsthaus in Potsdam, Foto: Ladislav Zajac

Die beiden Eröffnungsausstellungen (Laufzeiten: 24.09.2022 – 15.01.2023) präsentieren zwei Künstler aus der Sammlung Hasso Plattner, die sich dem, durchaus politischen, Thema der Landschaft widmen – einem Sujet, das eine zentrale Rolle innerhalb der Sammlung einnimmt, vom Impressionismus bis in die Gegenwart. Immer wieder malte Wolfgang Mattheuer (1927 in Reichenbach/Vogtland; † 2004) seine unmittelbare Umgebung und seinen eigenen Garten. Mal scheint seine Landschaftsmalerei der sichtbaren Realität zu entspringen, mal enthält sie mythologische Elemente. Die Ausstellung zeigt Werke von 1960 bis 2000. Der Fotograf und Filmemacher Stan Douglas (1960 in Vancouver) fotografierte die Potsdamer Schrebergärten im Rahmen des DAAD-Programms Anfang der 1990er-Jahre in Potsdam und dokumentierte darin die Stadt unmittelbar nach der Wende. Für seinen ebenfalls in der Ausstellung gezeigten Film Der Sandmann (1995) baute und filmte er einen Schrebergarten vor und nach der Wende in den ehemaligen DEFA-Studios in Babelsberg. Die zeitgleichen Ausstellungen und die begleitende Publikation reflektieren die weite und die eingezäunte Natur sowie Stadt und Industrie im Spannungsfeld zwischen Erhalt und Erneuerung.

Der Künstler Olaf Nicolai (*1962 in Halle/Saale) wurde eingeladen, auf diese Ausstellungen zu reagieren. Unter dem Titel Ménage de la maison (dt. Hausputz) entwickelt Nicolai eine temporäre, ortsspezifische Performance für DAS MINSK Kunsthaus in Potsdam, die ab dem 22.10.2022 mittwochs bis montags in der Mittagszeit stattfinden wird.

Im fortlaufenden Sammlungsformat WECHSELSPIEL im Kabinett des MINSK trifft immer ein Werk der Sammlung Hasso Plattner auf ein Werk einer anderen Sammlung und ermöglicht so wiederkehrende Einblicke in den eigenen Bestand und andere Sammlungen.
„Die Architektur aus der ehemaligen DDR wird erhalten, und wir haben uns ebenfalls für den Erhalt des historischen Namens ‚Minsk‘ entschieden. Das Ausstellungshaus setzt sich mit den Mitteln der Kunst kritisch mit dem Kapitel der Geschichte auseinander, in dem es entstanden ist,“ sagt Gründungsdirektorin Paola Malavassi. „Aus der Gegenwart heraus reflektieren wir die Vergangenheit – in der Überzeugung, dass das Heutige nicht ohne das Vergangene verstanden werden kann. Die Vielschichtigkeit und Widersprüchlichkeit von Lebenserfahrungen bilden die Grundlage unseres Programms. Dabei differenzieren wir zwischen politischen Systemen und den darin lebenden Bevölkerungen.“ Seit seiner Entstehung war das Restaurant „Minsk“ auch ein Ort für Veranstaltungen und Musik. Daran anschließend werden hier neben den Ausstellungen auch immer wieder Konzerte, Lesungen und Performances stattfinden.

Für die drei Masten vor dem MINSK hat die belarussische Künstlerin Rufina Bazlova (*1990 in Grodno) Flaggen gestaltet, die auf ihre Kreuzstichstickereien zurückgehen. Bazlova bezieht sich in ihrer Intervention Such a Minsk inhaltlich auf die aktuelle politische Lage in Belarus. Die Zusammenarbeit mit Bazlova knüpft an die damalige Gestaltung von architektonischen Elementen durch belarussische Künstler:innen im alten „Minsk“ an.

Am Treppenaufgang des MINSK zum Brauhausberg wurde das Werk Cagy Being (Käfigwesen) 3 von Ruth Wolf-Rehfeldt installiert. Die großflächige Wandarbeit wurde 1989 für eine Kindertagesstätte geplant, aber nach dem Fall der Mauer nicht mehr realisiert. Nun, dreißig Jahre später, wird diese bedeutende Arbeit, die fünf Kinder in geometrisch abstrakter Form darstellt, erstmalig umgesetzt. Die Installation kündigt die umfangreiche Retrospektive der Künstlerin Ruth Wolf-Rehfeldt mit dem Titel Nichts Neues im MINSK Anfang 2023 an. Die 1932 in Wurzen geborene Künstlerin gilt als Pionierin der „Mail Art“ in der ehemaligen DDR, ihr Werk umfasst „Typewritings“, Druckgrafiken, Collagen sowie Gemälde. Nach dem Fall der Berliner Mauer hörte Wolf-Rehfeldt auf, künstlerisch zu arbeiten. Im November 2022 wird ihr Werk wird mit dem Hannah-Höch-Preis des Landes Berlin ausgezeichnet.

Mit seiner großen Fensterfront und dem großzügigen Vorplatz strahlt DAS MINSK Kunsthaus in Potsdam wie schon das damalige Terrassenrestaurant Offenheit aus. Unabhängig vom Ausstellungsbesuch sind Cafébar, Terrasse und Foyer für die Öffentlichkeit zugänglich. „Für viele Potsdamer:innen ist das ehemalige Terrassenrestaurant ‚Minsk ‘ mit Erinnerungen verbunden. Viele von ihnen haben genau deshalb für den Erhalt des alten ‚Minsk‘ gekämpft, denn es ging ein Stück weit auch um den Erhalt der eigenen Identität und die der Stadt. DAS MINSK Kunsthaus in Potsdam will genau hier anknüpfen und sich wieder als ein Begegnungsort, über die Kunst hinaus, etablieren. Hier wird gezeigt, gesucht und diskutiert, ausgehalten und zusammengebracht und hoffentlich auch wieder getanzt und gelacht. Ich erhoffe mir ein Miteinander und Füreinander“, sagt Stefanie Plattner, Projektzuständige für DAS MINSK Kunsthaus in Potsdam von Seiten der Hasso Plattner Foundation.

Im Inneren des Gebäudes finden sich Reminiszenzen an das alte „Minsk“ wie die große Wendeltreppe und der abgerundete Bartresen an Originalstelle, in neuem Gewand: Die Innengestaltung von Foyer und Bar wurde vom Architekturbüro Linearama aus Genua in Zusammenarbeit mit den Hedwig Bollhagen Werkstätten im brandenburgischen Marwitz realisiert.

Bereits im April 2021 hat der rumänische Künstler Dan Perjovschi (*1961 in Sibiu) die zukünftigen Ausstellungswände des MINSK mit seinen Zeichnungen eingeweiht, die mit den fortschreitenden Bauarbeiten wieder vom Gebäude absorbiert wurden. Jetzt ist er zurückgekehrt und hat seine Zeichnungen im Aufzug und an den Säulen der Cafébar für alle sichtbar fortgesetzt.

Am 24. und 25. September werden das Haus und die Ausstellungen zu den regulären Öffnungszeiten (10 bis 19 Uhr) für das Publikum geöffnet sein. Der Zutritt zum Gebäude sowie den Ausstellungen erfolgt mittels online vorab gebuchter kostenfreier Zeitfenster-Tickets. Ein Besuch des Hauses ohne Zeitfenster-Ticket ist an diesen Tagen nicht möglich.

WO?

DAS MINSK Kunsthaus in Potsdam, Max-Planck-Straße 17, 14473 Potsdam

WANN?

Samstag 24 und Sonntag 25 September, ab 10 bis 19 Uhr

KOSTET?

10 Euro, 8 Euro ermäßigt

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