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Freitag, Dezember 2, 2022

Installation im öffentlichen Raum in Berlin-Mitte: Carlos Noronha Feio (sunclipse!) / (sunsight!) | 17.09-10-10.11.2022

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Der Verein zur Förderung von Kunst und Kultur am Rosa-Luxemburg-Platz (L40) eröffnet am 17. September 2022 eine Installation im öffentlichen Raum, Rosa-Luxemburg-Straße 27 + 28 in Berlin Mitte. Bis 10. November 2022 wird im Foyer des L40 zusätzlich die Installation (grow flowers!) gezeigt.

Abb. oben: Courtesy L40

(sunclipse!) / (sunsight!)

Mit den beiden Schriftzügen (sunclipse!) und (sunsight!) spielt der portugiesische Künstler Carlos Noronha Feio auf den Architekten und Systemtheoretiker Buckminster Fuller und dessen Überzeugung an, dass der falsche Sprachgebrauch überholte Realitäten aufrechterhält. So war dieser überzeugt, dass wir niemals in der Lage sein werden, uns von dem Irrglauben zu lösen, das Zentrum des Universums zu sein, solange wir z.B. wissenschaftlich überholte Wörter wie Sonnenuntergang und Sonnenaufgang verwenden. Buckminster schlug daher neue Begriffe für Sonnenaufgang und Sonnenuntergang vor, und zwar Sonnenfinsternis und Sonnensicht. Diese Neologismen weisen über die nachklingende geozentrische Tendenz vorkopernikanischer Himmelsmechaniken hinaus und beschreiben konkret, wie wir die Sonne abhängig von der Konstellation aus Erdbewegung und unserer individuellen geografischen Position jeweils sehen – oder eben nicht. Eine einfache Änderung der Sprache kann also Einstellungen ändern.

Vielleicht fügen sich die beiden gegenüberliegenden Begriffe deshalb perfekt in die städtebaulichen Gegebenheiten vor Ort ein. Die im Nord-Süd-Ausrichtung der Rosa-Luxemburg-Str. führt dazu, dass die Westseite nur morgens und die Ostseite nur abends Sonne abbekommt. (sunclipse!) und (sunsight!) beschreiben also wie von Buckminster angeregt konkrete Phänomene.

(grown flowers!)

Die zweite Installation des Künstlers (grow flowers!) im Foyer des Kunstvereins lenkt unseren Blick vom Himmel auf die Erde, indem sie uns auffordert, Blumen zu pflanzen. Das ist an sich nie eine schlechte Idee und erfreut sich derzeit so großer Beliebtheit, dass überall in den Stadtzentren Bürgergärten entstehen. Das sogenannte Guerilla Gardening ist nicht zuletzt eine Reaktion auf immer weniger Grün in der Stadt, architektonischen Tristesse, steigende Luftverschmutzung und das Bedürfnis, die Stadt wieder als soziale Gemeinschaft zu erleben.

Die Arbeit (grow flowers!) war eine der ersten Arbeiten, die der Künstler im Rahmen der Textserie produzierte. Sie existiert in mehreren Sprachvarianten, was der Künstler als integralen Teil des Werks sieht. Das kurze Zitat – ursprünglich in Russisch – stammt aus dem “Gedicht über Blumen” des nonkonformistischen sowjetischen Dichters Genrikh Sapgir (Heinrich Sapgir). In diesem Gedicht adressiert Sapgir verschiedene Berufsgruppen aus unterschiedlichen Bereichen des Lebens und spricht sie direkt an; letztlich um ihre Arbeit in Frage zu stellen und sie aufzufordern, stattdessen Blumen zu züchten. „Lasst Blumen wachsen, lasst Ideen wachsen, lasst die Setzlinge eures eigenen Schaffens wachsen und kultiviert euch selbst und andere.“.

Im Frühjahr 2023 wird eine deutsche Version die englische ersetzen.

WANN?

Einweihung: Samstag 17. September 2022, 13-18h (@L40)

Ausstellung bis Donnerstag 10. November 2022

WO?

Eine Installation im öffentlichen Raum, Rosa-Luxemburg-Straße 27 + 28, 10711 Berlin-Mitte

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