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Freitag, Dezember 2, 2022

Membranes Out Of Order im Kunstquartier Bethanien | 09.12.22 – 08.01.23

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Mit Membranes Out Of Order wird im Kunstquartier Bethanien erstmalig ein Projekt ganz der Bioart gewidmet. Die Ausstellung schafft ein interdisziplinäres Feld zwischen Kunst und naturwissenschaftlicher Forschung. in einer Zeit, in der die Gesellschaft durch die Pandemie mit Fachwissen konfrontiert ist, das zuvor Expert*innen vorbehalten war, verankern die Positionen von Margherita Pevere, Theresa Schubert und Karolina Żyniewicz Kunst als kognitive Haltung, performativen Akt oder als Bindeglied zur Natur in einer konsequenten Auseinandersetzung mit der Schnittstelle zwischen eigenem Körper und Alltagserfahrung.

Abb. oben: Margherita Pevere, Wombs W.03, Bild aus der Performance für Kamera. Foto: Sanjin Kaštelan

Mit Offenlegung der eigenen Arbeitsprozesse fächern sich die Richtungen der Ausstellung auf, wie ein Querschnitt durch den Aufbau einer Membran. Sechs Ausstellungsräume widmen sich den unterschiedlichen Herangehensweisen der drei Künstlerinnen und machen dokumentarisch sichtbar, was einem Publikum sonst verborgen bleibt: Zeichnungen, Laborjournale, Fotografien und andere Instrumentarien sind ebenso zugänglich wie die fertig realisierten Werke und erheben ebenso Anspruch auf Wertigkeit und reflexives Potenzial.

DEEDS NEWS Membranes Out Of Order Foto Theresa Schubert VG Bildkunst Kapelica Gallery Archives
Theresa Schubert, mEat me, Dinner leftovers, gebratenes Fleischstück, 2020. Foto: Theresa Schubert / VG Bildkunst / Kapelica Gallery Archives

Pevere, Schubert und Żyniewicz sind sowohl künstlerisch als auch kuratorisch für die Ausstellung verantwortlich. Für Membranes Out Of Order lassen sie ihre jeweiligen Positionen aufeinandertreffen, sich überschneiden, ineinander übergehen und voneinander ableiten.

Margherita Peveres Werkkomplex bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Körper und Umwelt. So thematisiert sie mit Wombs (2018 – 2021) hormonelle Verhütung durch ihre intermediale Praxis aus Bioart, Performance und Fotografie. Ausgehend von Fortpflanzungsorganen werden Rahmenbedingungen zwischen Sexualität und Gender erforscht. Die Entscheidung, mit Bakterien und Schnecken zu arbeiten, eröffnet Zugänge jenseits einer binären Genderordnung.

In einer Ästhetik zwischen Alchemie und Futurismus hinterfragen die Werke von Theresa Schubert den Anthropozentrismus und seine Grenzen. Für das Projekt mEat me (2020) stellte sie etwa Fleisch aus ihren eigenen Zellen her, welches sie anschließend selbst aß, um performativ unseren Umgang mit Fleisch, Massentierhaltung, aber auch dem eigenen Körper als Ressource zu hinterfragen.

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Theresa Schubert, mEat me, Muskelzellen der Künstlerin unter dem Mikroskop, 2019. Foto: Theresa Schubert / VG Bildkunst / Educell Inc.

Karolina Żyniewicz versteht Kunst als situierte Wissensproduktion. Für safe suicide (andauernd) befasst sie sich mit Leben und Tod als Selbsttransformation. Sie züchtete ihre eigenen Zellen, um sie anschließend zu töten. Bilder der sterbenden Zellen durch Fluoreszenz- und Konfokalmikroskopien wurden auf Porzellanteller in Form traditioneller polnischer Begräbnisbilder gedruckt.

Zugänge schaffen, Offenlegung von Prozessen und Vermittlung von Inhalten bleibt in einem weiteren Kontext auch in der Vermittlung der Ausstellung thematisch vorangestellt: In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) werden barrierearme Vermittlungskonzepte wie haptisch erfahrbare Objekte, Beschreibungen in Braille und Audiodeskriptionen zum Teil der Ausstellung.

DEEDS NEWS Membranes Out Of Order Foto Paweł Jozwiak
Karolina Żyniewicz, safe suicide I, Foto: Paweł Jóźwiak

Ein Rahmenprogramm rundet das Projekt ab. Für Membranes Out Of Order ist ein Katalog in Planung, der Anfang Februar in einer Sonderveranstaltung präsentiert wird.

Margherita Pevere promoviert an der Aalto-Universität in Helsinki in künstlerischer Forschung und Queer Studies. Seit 2008 wird ihre Kunst international in Gruppen- sowie Einzelausstellungen gezeigt, u. a. Kiasma Museum in Helsinki, Kunsthalle Rostock, Fields Institute for Research in Mathematical Sciences in Toronto. Sie wurde für ihr Werk mehrfach ausgezeichnet und gefördert. Sie ist Mitbegründerin der Kunstgruppe Fronte Vacuo.

Dr. Theresa Schubert promovierte in Medienkunst an der Bauhaus-Universität in Weimar. Ihr Werk wird international gezeigt, unter anderem im KW Institute for Contemporary Art, der Biennale Istanbul, dem European Media Art Festival und dem Moscow Museum of Modern Art. Sie erhielt mehrere Preise für ihr Werk, u. a. mEat me wurde mit dem Award of Excellence des Japan Media Arts Festival 2022 geehrt.

Karolina Żyniewicz promoviert im internationalen PhD-Programm Nature-Culture an der Fakultät der freien Künste der Universität Warschau und schloss zuvor ein Studium an der Akademie der Künste Lodz ab. Ihre forschungsbasierte, experimentelle Kunst wird international Solo und in Gruppenausstellungen gezeigt.

WANN?

Vernissage: Freitag, 9. Dezember 19:00 Uhr

Ausstellungsdaten: Freitag, 9. Dezember bis Sonntag, 8. Januar 2023

Projektraum im Kunstquartier Bethanien
Öffnungszeiten: Di – Fr 14:00 – 20:00 | Sa + So 13:00 – 19:00
Finissage mit Künstlerinnengespräch: 08.01.2023, 15:00 (wird noch bestätigt)
Rahmenprogramm/Talks (werden noch bekanntgegeben)
Projektwebsite: www.membranesoutoforder.de
Führungen für sehbehinderte Menschen (EN): Freitag + Sonntag 15:00 – 18:00
Katalog, Texte und Veranstaltungen auf Englisch
Führungen auf Deutsch auf Anfrage

WO?

Kunstquartier Bethanien
Mariannenplatz 2
10997 Berlin – kreuzberg

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