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Freitag, Dezember 2, 2022

Von Clowns und anderen Schweinehunden – Bilder unserer Selbst. Eine Ausstellung im Verein Berliner Künstler (VBK) | 12.11-04.12.2022

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Sechs internationale Künstler*innen zeigen ab 12. November 2022 im VBK Bilder ihrer selbst. Zwei Lyriker – der Rocksänger Jan Plewka und der Schauspieler Robert Gallinowski – denken laut über die Werke nach und schaffen dabei eigene Kunst: Wort und Ton. Die Ausstellung „Von Clowns und anderen Schweinehunden – Bilder unserer Selbst“ bietet ein ganzheitliches Erlebnis rund um die Frage wer in uns wohnt und wie die anhaltende Krisenzeit diese Kreatur(en) beeinflusst hat.

Abb. oben: Sayyora Muin, „Ahnenpfahl“-Detail, ca. 160 x 250 x 250 cm, Mixed Media, 2022; Foto: Karime Benzakour-Knidel

„Wenn wir uns als Künstlerin oder Künstler in unserem künstlerischen Arbeiten mit uns selbst beschäftigen, wird es intim. Es geht um Selbstbild und Identität und wir ertasten die Facetten unserer Person: Unser ehrliches Selbst, unsere Erinnerung an uns selbst, unser verborgenes Selbst, unser zensiertes Selbst, u.v.m.“, berichtet Frauke Bohge, Berliner Künstlerin und Projektleiterin der Ausstellung „Von Clowns und anderen Schweinehunden – Bilder unserer Selbst“, die am 11.11. ab 19 Uhr in der Galerie im Verein Berliner Künstler (VBK) in Berlin-Mitte eröffnet wird.

Menschen sprechen von “inneren Schweinehunden“ oder „geben den Clown“

„In den letzten zwei Jahren hat sich der menschliche Spiegel aufgrund der Pandemie verändert. Unsere Zeit allein und mit anderen hat sich verändert. Viele sind mit ihrer eigenen Identität und ihrem Selbstbild konfrontiert worden. Im Guten wie im Schlechten. Unter diesen Umständen wurde die Idee für das gesamte Projekt geboren“, erklärt Anna-Lisa Unkuri, schwedische Malerin, die nach Stationen in Australien und Frankreich nun ebenfalls in Berlin wohnt.

In das Projekt wurden weitere vier Künstler-Kolleg*innen einbezogen: Catherine Bourdon (Frankreich), Andrea Cataudella (Italien), Sayyora Muin (Usbekistan) und Katrin Salentin (Deutschland), für welche das innere Selbstbild teilweise auch schon zuvor ein wichtiges Motiv war. Die Kunstwerke, die diesem inneren Dialog entspringen, können in einem zweiten Schritt die betrachtenden Dritten erreichen. Da sind sie dann: Selbstbilder, Selbstportraits, aber auch die persönlichen Rollen und Projektionen, die sich kaum entschlüsseln lassen.

Musikalische Lyrik als Werkzeug von Jan Plewka
Bei allen Dechiffrierungsversuchen können sich die Besucher von Jan Plewka, Songwriter und Sänger der Band Selig und selbst bildender Künstler, unterstützen lassen. Plewka steuert (mit seinem Kollegen Marco Schmedtje) dem Gesamt- konzept mit seinem Song „Wie ein Geist“ eine lyrische Auseinandersetzung mit dem Ausstellungsthema bei. Darin betrachtet er die Werke der Künstler*innen und gibt als neugieriger Außenstehender seinen Gedanken und Gefühlen in Wort und Ton Ausdruck. Der Fotograf Sven Sindt, der schon für Bands wie Juli und den Musiker Jochen Distelmeyer Musikvideos gemacht hat, wird für den Plewka-Song ein Video produzieren.

Alternativ oder auch darauf aufbauend können Besucher:innen der Ausstellung auch am Abend des 19. November um 18 Uhr zurück in die Galerie kommen, um Robert Gallinowskis „lauten Gedanken zu den Inneren Bildern der Künstler:innen“ zuzuhören. Unter dem Titel „Wohin ich bleibe“ wird der Schauspieler und Lyriker außerdem aus eigenen Texten lesen.

DEEDS NEWS povvera studios
Atelier @ povvera studios:

Über den VBK
Vor mehr als 180 Jahren wurde der VEREIN BERLINER KÜNSTLER gegründet. Er ist damit der älteste noch existierende KünstlerInnenverein Deutschlands. Mehr als 1500 Mitglieder gehörten dem Verein an, u.a. Adolph Menzel, Max Liebermann, Otto Nagel, Georg Kolbe, Heinrich Zille und A. Paul Weber. Seit 1964 hat der Verein seinen Sitz am Landwehrkanal gegenüber der Neuen Nationalgalerie. In dem denkmalgeschützten Haus am Schöneberger Ufer 57 wirkt die vereinseigene Galerie mit durchschnittlich zehn Ausstellungen pro Jahr als Plattform für unterschiedliche Ausstellungsformate und Veranstaltungen, die von den Mitgliedern eigenverantwortlich umgesetzt werden. Darüber hinaus kooperiert der VBK mit nationalen und internationalen Organisationen und realisiert Kunstprojekte im In- und Ausland. Ehrenmitglieder sind u. a. Elvira Bach, Matthias Koeppel und Jonas Burgert.

Die Künstler*innen

Frauke Bohge
geb. 1983 in Berlin, beschäftigt sich mit Orten und Erinnerungen. Vor allem im Genre der Malerei zu Hause, entwickelt sie inzwischen ihre Vorliebe für Materialität auf der Leinwand weiter und arbeitet auch mit Beton und Textilien unterschiedlicher Beschaffenheit und Herkunft.

DEEDS NEWS Frauke Bohge Foto Karime Benzakour Knidel
Frauke Bohge, „1993“, 70 x 50 cm, Öl auf Leinwand, 2022; Foto: Karime Benzakour-Knidel

Catherine Bourdon
gebürtige Französin, ist nach ihrem Studium an der Ecole Nationale des Beaux-Arts de Paris und der Faulte St. Charles (Sorbonne) nach Berlin gekommen und greift auf markante stilistische Elemente oder Vorgehensweisen aus der Kunstgeschichte zurück. Dabei agiert sie spartenübergreifend und gleichzeitig ganz dem spontanem Gestus des Action Painters gemäß: Das Sujet ist Anlass für die Farbe.

DEEDS NEWS Catherine Bourdon Foto Karime Benzakour Knidel
Catherine Bourdon „Vanitas“, 19 x 14 x 14 cm, Öl, Acryl, Kunstharz, 2022; Foto: Karime Benzakour-Knidel

Andrea Cataudella
entwickelt seine Malerei zwischen Realismus und Abstraktion mit expressiven Elementen. Er seziert den Menschen, seine Psyche, sein Über-Ich, holt das Innerste nach Außen und erzeugt eine erschütternde Wahrhaftigkeit.“ Peter Schlangenbader Der Italiener Andrea Cataudella lebt und arbeitet seit einigen Jahren in Berlin.

DEEDS NEWS Andrea Cataudella Foto Karime Benzakour Knidel
Andrea Cataudella, „A.C. (Selbstportrait)“, 40 x 40 cm, Öl auf Leinwand, 2017; Foto: Karime Benzakour-Knidel

Katrin Salentin
geb. 1980 in Düren, Charakteristikum ist die Collage. Rearrangierte Körper- und Farbfragmente, ausgeschnitten aus zeitgenössischen Katalogen, erwachsen zunächst analog, dann digital zu neuen surrealen Formen, die sich als irritierende Figurationen im Raum inszenieren.

DEEDS NEWS Katrin Salentin
Katrin Salentin, „Enfeebled Self“, 50 x 40 cm, Digitale Collage, 2012/2022

Anna-Lisa Unkuri
Die Gemälde von Anna-Lisa Unkuri nehmen in einem zweiteiligen Prozess Gestalt an: der von Intuition getriebene, expressive und abstrakte Teil und der andere, figurative, der eine persönliche Erzählung anstrebt. Die Ideen stammen oft aus ihren eigenen Familienalben und Fotografien, in denen Zeichen interpretiert werden, Schwarz-Weiß zu Farbe wird und Ereignisse eine neue Bedeutung erhalten. Anna-Lisa ist in Schweden geboren, lebte in Australien und Paris und seit 2014 in Berlin.

DEEDS NEWS Anna Lisa Unkuri Foto Karime Benzakour Knidel
Anna-Lisa Unkuri, „I see you, do you see me“, 150 x 130 cm, Öl auf Leinwand, 2022;
Foto: Karime Benzakour-Knidel

Sayyora Muin
Das Schicksal der Frauen: ihre Träume, Hoffnungen, Ängste sind das Hauptthema von der in Tashkent (Usbekistan) geborenen Muin. Sie ist immer auf der Suche nach verschiedenen Möglichkeiten, ihre Geschichten zu erzählen: manchmal in leichter, scheinbar ungezwungener Grafik, manchmal als Objekte einer Skulpturen- Installation oder im Genre der Fotografie und immer sowohl universell als auch ganz persönlich.

WANN?

Vernissage: Freitag, 11. November 2022 19:00 Uhr

Ausstellungsdaten: Samstag, 12. November bis Sonntag, 4. Dezember 2022

Event
Samstag, 19. November 18:00 Uhr

Ein Abend mit Robert Gallinowksi. Er ist Schauspieler und liest aus eigenen Texten und Gedichten zum Thema „Selbstbilder“.

Samstag, 3. Dezember 16:00 bis 20:00

Zur Finissage haben sich die Musiker Jan Plewka und Marco Schmedtje angekündigt.

Mittwoch, 16. November 20:40 Uhr auf radio eins
Cora Knoblauch wird auf radio eins in der Rubrik „art aber fair“ von der Ausstellung erzählen.

WO?
Verein Berliner Künstler
Schöneberger Ufer 57
10785 Berlin-Tiergarten

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