Wenn Galerien Nachfolger suchen: Berliner Kunststandort wird als Gesamtpaket angeboten

Editors’ Choice

Galerien entstehen meist aus persönlicher Leidenschaft für Kunst und werden oft über Jahrzehnte entwickelt. Sie sind eng mit den Menschen verbunden, die sie aufgebaut haben, ihrem Programm, ihren Künstler*innen und ihrem Netzwerk. Entsprechend schwierig gestaltet sich häufig die Frage, was geschieht, wenn sich Galerie-Betreibende zurückziehen. Nicht selten endet das mit einer Schließung. Dass ein etablierter Kunststandort aktiv in neue Hände übergehen soll, ist dagegen vergleichsweise rar.

Foto: Galerie Creative Game in Berlin-Lichterfelde, by courtesy of the gallery

Genau diesen Weg beschreitet derzeit die Berliner Galerie Creative Game. Im Süden der Stadt soll der über Jahre gewachsene Galeriestandort verkauft werden. Vorgesehen ist die Übernahme im Rahmen eines Asset Deals, bei dem neben den Räumlichkeiten auch die betriebliche Infrastruktur, technische Ausstattung, Einbauten und organisatorische Strukturen Teil der Übergabe sind. Ziel ist es, den Standort nicht zu schließen, sondern seine Zukunft unter neuer Leitung zu sichern.

Dabei stellt sich eine grundsätzliche Frage, die den Berliner Kunstmarkt in den kommenden Jahren zunehmend beschäftigen dürfte: Wie lässt sich die Nachfolge etablierter Galerien gestalten? Viele Häuser wurden in den 1990er- und frühen 2000er-Jahren gegründet. Ihre Gründerinnen und Gründer haben über Jahrzehnte Künstler*innen aufgebaut, Sammler begleitet und Netzwerke entwickelt. Irgendwann stellt sich zwangsläufig die Frage, wie diese Arbeit fortgeführt werden kann, ohne das gewachsene Strukturen verloren gehen.

Während Unternehmen anderer Branchen häufig auf geregelte Nachfolgemodelle zurückgreifen können, existieren solche Strukturen im Galeriewesen bislang kaum. Nicht selten endet mit dem Ausscheiden der Inhaber auch der gesamte Ausstellungsbetrieb. Künstler*innen verlieren ihre Vertretung, Sammler*innen einen vertrauten Ansprechpartner und Stadtteile einen kulturellen Ort, der häufig weit über den Kunstmarkt hinaus wirkt.

Dabei besteht der eigentliche Wert einer Galerie nur zum Teil in ihrer Immobilie oder ihrer Ausstattung. Noch entscheidender sind die über Jahre gewachsenen Beziehungen zu Künstler*innen, Sammler*innen Kurator*innen, Institutionen und Nachbarschaft, das erworbene Vertrauen, die Reputation des Ortes und das Wissen darüber, wie ein Galeriebetrieb erfolgreich geführt werden kann. Diese immateriellen Werte lassen sich zwar nicht eins zu eins übertragen. Sie können jedoch den Grundstein für einen erfolgreichen Generationswechsel legen.

Galerist Albert Heiser und aktueller Eigentümer von Creative Game beschreibt die angebotenen Räume so : “Unsere Galerie befindet sich in einer denkmalgeschützten Gründerzeitvilla aus dem Jahr 1878, die 2022 denkmalgerecht saniert wurde. Die rund 96 Quadratmeter große Gewerbeeinheit hat über mehr als fünf Meter hohe Decken, originale Holzbalken, Douglasien-Dielen, moderne Lichttechnik und zwei Vorgärten mit Sondernutzungsrechten. Wir haben diesen Ort über mehrere Jahre als Galerie und Ausstellungsort aus- und aufgebaut. Mit der Regionalbahn vom Potsdamer Platz aus ist man übrigens in 10 Minuten hier”.

Heiser plant eine begleitete Übergabe zum Januar 2027: “Gesucht werden Interessierte, die den Standort mit einem eigenen Profil weiterentwickeln und zugleich an unsere bestehende Infrastruktur anknüpfen möchten. Der Kaufpreis für Immobilie und Galeriebetrieb liegt bei 850.000 Euro.”

Ob sich solche Modelle künftig häufiger etablieren werden, bleibt abzuwarten. Angesichts steigender Betriebskosten, eines anspruchsvoller werdenden Kunstmarktes und des bevorstehenden Generationenwechsels in vielen Galerien könnte die strukturierte Übergabe bestehender Kunstorte zu einer interessanten Alternative zwischen Geschäftsaufgabe und Neugründung werden. Für Berlin würde dies nicht nur den Erhalt gewachsener Kulturorte bedeuten, sondern auch die Chance, deren Geschichte unter neuer Leitung fortzuschreiben. Die Zukunft des Kunstmarkts entscheidet sich damit nicht nur an neuen Gründungen, sondern ebenso daran, ob es gelingt, bestehende Orte in die nächste Generation zu überführen.

Mehr Informationen zum angebotenen Standort stellt die Galerie Creative Game auf Anfrage zur Verfügung.

WO?

Galerie Creative Game
Jägerstraße 12A
12209 Berlin

- Advertisement -spot_img

IHRE MEINUNG | YOUR OPINION

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

OPEN CALL 2025

spot_img
- Advertisement -spot_img

Latest article