Mit der Ausstellung „UFERLOS IM ALL“ widmet CSR.ART dem Künstler Peter Hemmelskamp (1961–2006) eine umfangreiche Präsentation seines außergewöhnlichen malerischen Werks. Die Ausstellung versammelt Arbeiten eines Künstlers, der zu Lebzeiten weitgehend abseits des etablierten Kunstbetriebs arbeitete und heute als bemerkenswerte Position der Art Brut zwischen figurativer und abstrakter Bildsprache wiederentdeckt wird. Reisen spielte in Hemmelskamps Leben eine zentrale Rolle: Zahlreiche Aufenthalte in Europa und Afrika prägten seine Wahrnehmung und brachen sich künstlerisch Bahn auf Papier. Landschaften, Natur und Kultur fanden Eingang in seine farb- und formenstarken Bildwelten. Hemmelskamps Gemälde erzählen von Aufbruch und der neugierigen Offenheit gegenüber dem Unbekannten. Dies entfaltet gerade in den Reisemonaten des Sommers eine besondere Resonanz. So lädt „UFERLOS IM ALL“ nicht nur zur Begegnung mit einem außergewöhnlichen künstlerischen Werk ein, sondern auch zu einer gedanklichen Reise durch die Bildwelten eines leidenschaftlichen Entdeckers. Die Vernissage findet am Freitag, 3. Juli 2026 um 18 Uhr im CSR.ART statt.
Abb. oben: Peter Hemmelskamp, Uferlos im All, 1991, 100 x 70 cm
Peter Hemmelskamp war künstlerischer Autodidakt. Geboren wurde er am 3. Mai 1961 in Delmenhorst; aufgewachsen ist er in Hude-Vielstedt bei Oldenburg. Er stammte aus einer alteingesessenen Bauernfamilie, entschied sich jedoch früh gegen den vorgezeichneten Weg in der Landwirtschaft. Auch eine in Bremen begonnene Ausbildung zum Zahntechniker entsprach nicht seiner Vorstellung vom eigenen Leben; Hemmelskamp schloss sie nicht ab. Stattdessen suchte er seinen eigenen Weg – zunächst im Reisen, später zunehmend in der Kunst.
“Dritter Klasse durch die Wüste”
Eine besondere Bedeutung für Hemmelskamps künstlerisches Schaffen hatten seine Reisen. Bereits als junger Mann brach er zu längeren Aufenthalten auf, die ihn unter anderem nach Griechenland, Ägypten, Sudan, Israel, Kenia, Tansania, Uganda, Tunesien und Marokko führten. Sein 2026 posthum veröffentlichter Reisebericht „Dritter Klasse durch die Wüste“ gibt Einblick in diese frühe Phase seines Lebens. Die Reiseeindrücke, die Begegnungen, die Landschaften, die Farben und die unmittelbare Wahrnehmung von Natur und Fremde wurden zu einem wichtigen Fundament seines späteren künstlerischen Schaffens. Das daraus entstandene Buch wird in der Ausstellung UFERLOS IM ALL erhältlich sein.
Nach seiner zweiten Afrikareise lebte Hemmelskamp zeitweise in Bremen, kehrte später aber nach Hude-Vielstedt zurück. Ein geplantes Kunststudium kam nicht zustande. Nach einem mehrmonatigen Aufenthalt in Tarifa in Spanien war er ab Mitte der 1980er Jahre als Künstler tätig.
Hemmelskamps Bildsprache
Ohne akademische Ausbildung entwickelte Peter Hemmelskamp einen eigenständigen künstlerischen Ausdruck, der sich unabhängig von kunstbetrieblichen Erwartungen entfaltete. Seine Bilder verbinden Naturformen, Tiere, Pflanzen, Himmelskörper und organische Strukturen mit einer farbintensiven, oft ornamentalen Bildsprache. Dabei bewegen sich seine Arbeiten zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, ohne sich einer eindeutigen Stilrichtung zu unterwerfen. Kunsthistorisch wird Hemmelskamps Werk häufig der Art Brut beziehungsweise Outsider Art zugeordnet.
Ab den frühen 1990er Jahren entwickelte Hemmelskamp jene Bildsprache, die heute als charakteristisch für sein Werk gilt. Naturmotive, insbesondere Vögel, Fische, Pflanzen, Wellen, Schlangen, Schnecken und andere organische Formen, verschmelzen mit geometrischen Strukturen und leuchtenden Farbflächen zu komplexen Kompositionen. Perspektive und räumliche Ordnung treten dabei zugunsten eines freien, assoziativen Bildraums zurück. Seine Maltechnik verband unter anderem Aquarell, Zeichnung, Ölkreide, Ölmalerei und Lack. Wassily Kandinsky zählt zu den wenigen nachweisbaren künstlerischen Bezugspunkten seines Schaffens; Hemmelskamp übernahm jedoch nicht die vollständige Abstraktion, sondern entwickelte einen eigenen figurativ-abstrahierenden Stil. Sein Werk umfasst rund 120 Gemälde sowie wenige Zeichnungen.
Atelier Hasbruch
1993 wurde Hemmelskamp Mitglied der Künstlergruppe „Atelier Hasbruch“, in der sich Kunstschaffende aus Hude aus den Bereichen Malerei, Grafik, Bildhauerei, Literatur, Collage, Keramik, Fotografie und Performance zusammenschlossen. Die Gruppe suchte ihre Inspiration auch im Hasbruch, einem alten Waldgebiet in der Nähe von Hude, und zeigte ihre Arbeiten ab den 1990er Jahren in gemeinsamen Ausstellungen. Für Hemmelskamp wurde diese Verbindung von Naturraum, künstlerischem Austausch und freier Arbeit zu einem wichtigen Umfeld.
Die Ausstellung „UFERLOS IM ALL“ lädt dazu ein, das Werk eines Künstlers neu zu entdecken, dessen Leben von Aufbruch, Ungebundenheit, Neugier und genauer Naturbeobachtung geprägt war. Seine Malereien erzählen von Reisen, von Landschaften und Tieren, von Erinnerung und Imagination. Sie transportieren Hemmelskamps große Lust an Farbe und Form und öffnen Bildräume, in denen sich Erlebtes und inneres Erleben verdichten. Zugleich eröffnet die Ausstellung die seltene Gelegenheit, Arbeiten zu sehen, die bislang nur einem kleinen Kreis von Sammler*innen und Kenner*innen bekannt waren.
Peter Hemmelskamp starb am 27. März 2006 im Alter von 44 Jahren in Hude. Mehrere seiner Werke befinden sich heute in der Artothek des Deutschen Bundestages.
WANN?
Vernissage: Freitag, 3. Juli 2026, 18 – 21 Uhr
ab ca. 18:30 Uhr Begrüßung: Stephanie Schneider, M.A.
Einführung in das Werk: Prof. Dr. Michael Klotz
Ausstellung: Donnerstag, 2. Juli – Donnerstag, 30. Juli 2026
Dienstag – Samstag 10:00 – 19:00 Uhr
WO?
CSR.ART
Budapester Straße 35-50
im EG, links neben dem Eingang Richtung Zoo Palast Kino
10787 Berlin






