Im Herbst 2026 präsentiert das Haus am Waldsee die erste umfassende institutionelle Einzelausstellung des Künstlers Peter Wächtler (*1979 in Hannover, lebt und arbeitet in Schleswig-Holstein) in Berlin. Wächtlers Arbeiten entstehen jenseits fester Werkbegriffe oder Einordnungen: Er schreibt, filmt, zeichnet, malt und baut Skulpturen und Filmsets, um vertraute Genres und Erzählweisen in ein Wechselspiel zwischen Sehnsucht und Orga zu überführen. In zwei Jahrzehnten hat Wächtler eine eigene Formensprache entwickelt, die die vermeintliche Behaglichkeit des Vergangenen nutzt, um gegenwärtige Widersprüche zwischen Selbstbestimmung und Selbstaufgabe miteinander zu verschränken.
Abb. oben: Peter Wächtler, Ohne Titel (Ständig), 2026, Bleistift auf Papier, Courtesy der Künstler und Privatsammlung, © VG Bild-Kunst, Bonn, 2026.
Wächtlers Arbeiten nutzen oft überlieferte visuelle Kürzel – etwa Figurinen, Tierskulpturen, Briefbeschwerer oder Industriedesign –, die historische Geschehnisse und Epochen aufrufen. Es wohnt ihnen oft ein Gefühl der Vertrautheit inne, gespeist aus Fabeln, Filmen und populären Erzählungen, in denen Tiere und fantastische Kreaturen uns das eigene Bedürfnis nach Sinngebung vor Augen führen. Aus ihren Kontexten gelöst geistern sie wie Überbleibsel durch Wächtlers Welten und bündeln diffuse Ängste und Emotionen. So entstehen bei Wächtler immer wieder Bilder, die an Traditionen rühren, ihre Brüchigkeit freilegen und so ihre Relevanz für die Gegenwart auf die Probe stellen.
Der Titel der Ausstellung, „Ständig“, spiegelt die Auseinandersetzung des Künstlers mit kulturellem Gewicht und kanonischem Erbe wider – als etwas, das sowohl Halt gibt als auch erdrückt. Die Ausstellung vereint bestehende und neue Arbeiten, allen voran einen gleichnamigen neuen Film. Er verbindet traditionelle Animationsprinzipien und einen komplexen Set-Bau, der anknüpfend an Techniken des Theaters und frühen Films mit extremen Winkeln und verzerrten Perspektiven arbeitet. Basierend auf einem Gedicht des Künstlers werden schablonenhafte Bewegungen und Sprache in Szene gesetzt, die sich an der inhärenten Logik der Konjunktionen „und“, „oder“, „aber“ und „denn“ orientieren.
Für die Ausstellung werden Wächtlers Werke zu Dreierserien zusammengestellt, die kulturelle Konventionen heraufbeschwören, um deren Porosität aufzudecken und ihre Relevanz für die Gegenwart in Frage zu stellen.
Kuratiert von Anna Gritz
Gefördert durch Hauptstadtkulturfonds; Haus am Waldsee – Freunde und Förderer e.V.
Sophie Kovel: Gigantomania
im Rahmen der Ausstellungsreihe Seit…

Die Ausstellungsreihe Seit…, die im Rahmen des 80-jährigen Jubiläums des Haus am Waldsee stattfindet, setzt sich im Café, der ehemaligen Garage der Villa, fort. Im dritten und letzten Kapitel wendet sich die Künstlerin Sophie Kovel (*1999 in Los Angeles, lebt und arbeitet zwischen Paris und New York) unter dem Titel Gigantomania dem nahegelegenen Studio Babelsberg zu. Kovel nimmt die historische Verstrickung zwischen der deutschen Filmindustrie und den ehemaligen Bewohner*innen des Haus am Waldsee während des Nationalsozialismus zum Ausgangspunkt, um die Kontinuität einer globalen, auf Wirkung und Monumentalität zielenden Bildproduktion nachzuzeichnen. Der Ausstellungstitel verweist auf diesen gewaltigen Maßstab – auf die geteilte Sehnsucht totalitärer wie kommerzieller Bildpolitik nach Größe, Dauer und Überwältigung.
Kuratiert von Pia-Marie Remmers
Gefördert durch Kulturstiftung des Bundes. Gefördert von dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien; LOTTO-Stiftung Berlin; Haus am Waldsee – Freunde und Förderer e.V.
WANN?
Ausstellungsdaten: Freitag, 16. Oktober 2026 – Sonntag, 17 Januar 2027
Eröffnung: Donnerstag, 15. Oktober 2026, 19 Uhr
Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag, 11–18 Uhr
WO?
Haus am Waldsee
Argentinische Allee 30
14163 Berlin







