Yoshitomo Nara – David Zwirner Gallery (New York) | 05.11.-12.12.2026

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David Zwirner Gallery präsentiert ab 5. November 2026 eine Ausstellung des japanischen Künstlers Yoshitomo Nara (geb. 1959), die neue Gemälde und Zeichnungen, jüngere Skulpturen sowie vom Künstler selbst ausgewählte frühe Arbeiten umfasst. Die Ausstellung erstreckt sich über die beiden New Yorker Galeriestandorte in der 537 West 20th Street und der 533 West 19th Street. Es ist Naras erste Einzelausstellung bei David Zwirner und zugleich seine erste große Einzelausstellung in New York seit nahezu einem Jahrzehnt.

Abb. oben: Yoshitomo Nara in seinem Atelier, 2026. Fotografie: Keita Saiki, Kunstwerk: Yoshitomo Nara

Seit Mitte der 1980er-Jahre hat Nara mit seinem medienübergreifenden Ansatz ein unverwechselbares und vielfältiges Œuvre geschaffen. Seine künstlerische Sensibilität wurde auf besondere Weise durch seine einsame Kindheit im ländlichen Norden Japans geprägt. Die frühen Begegnungen mit der Natur, der Folklore und den Kindermärchen sowie seine geradezu offenbarende Entdeckung der Popmusik über ein selbst gebautes Radio bilden die Quellen seiner Kreativität. In der Auseinandersetzung mit sich selbst deutet Nara seine vergangenen Erfahrungen immer wieder neu. Sie haben seine Bildsprache geprägt und seine stilistische Entwicklung über vier Jahrzehnte hinweg bestimmt.

Im philosophischen Dialog mit seinem Innersten erschafft Nara personifizierte Wesen. Mit ihren großen Köpfen und weit geöffneten Augen sind sie für ihre charakteristischen Wesenszüge bekannt und verkörpern in der Wahrnehmung des Publikums sowohl Unschuld als auch Aufbegehren. Nara selbst versteht diese Figuren als Selbstporträts. Als seine ausdrucksstarken Bildwelten in den 1990er-Jahren hervortraten, wurden sie als Ausdruck unverstellter Emotionen wahrgenommen, deren Unmittelbarkeit und Intensität dem Geist der Punk- und Rockmusik vergleichbar waren.

Im Laufe der Zeit hat sich ihre Wirkung jedoch verändert. Heute erkennen viele Menschen in Naras Figuren Projektionen ihrer selbst, in denen sich ihre eigenen Empfindungen und Verletzlichkeiten spiegeln. Dadurch haben sich diese Bilder von ihrem ursprünglichen Entstehungsimpuls gelöst und sind zu kulturellen Bezugspunkten geworden, die weltweit Resonanz finden und jüngere Generationen von Künstlerinnen und Künstlern ebenso beeinflussen wie das Publikum.

Die Ausstellung vereint grundlegende Arbeiten aus den 1980er-Jahren mit Gemälden aus dem Jahr 2026 und macht damit die jüngsten Entwicklungen von Naras unverwechselbaren Stellvertreterfiguren sichtbar.

Die neu entstandenen Leinwandgemälde, frontal angelegte Porträts mit unmittelbar auf die Betrachtenden gerichtetem Blick, lassen eine bedeutende Weiterentwicklung seiner Farbpalette erkennen. Im vergangenen Jahr sind seine komplex übereinandergeschichteten Farben gedämpfter und zugleich wesentlich nuancierter geworden. Sein zunehmend aufgelöster Pinselduktus, aus dem die Formen allmählich hervortreten, erzeugt auf der Bildoberfläche eine atmosphärische Tiefe.

Andere Gemälde offenbaren eine neue Arbeitsweise, bei der Nara seine Kompositionen zunächst mit Farbstiften skizziert und so ein zeichnerisches Grundgerüst entwickelt, bevor er transparente Acrylfarben in lasierenden Schichten aufträgt. Die Figuren nehmen natürliche Körperhaltungen ein, während ihre tränengefüllten Augen einen Ausdruck der Ungewissheit vermitteln.

Ergänzend werden jüngere großformatige, monochrome Zeichnungen gezeigt, die mit industriellen, ölbasierten Farbstiften entstanden sind. Im Gegensatz zu den Gemälden sind diese Arbeiten ausgesprochen linear angelegt und veranschaulichen die Bandbreite von Naras zweidimensionalem Schaffen. Auf den ersten Blick mögen seine Bildwelten formal sehr unterschiedlich erscheinen, doch verbindet sie eine gemeinsame emotionale Intensität, die universelle menschliche Empfindungen wachruft.

Bereits während seines Studiums begann Nara, seinen zeichnerischen Stil in die Malerei zu übertragen. Er vereinfachte seine Kompositionen, reduzierte den Farbeinsatz und entwickelte eine sparsame, konzentrierte Linienführung. Frei von konventionellen Methoden setzt Nara die Farbe auf eine Weise ein, die seinem Umgang mit Feder und Bleistift entspricht.

Unabhängig davon, welches Medium oder Werkzeug er verwendet, ist das Zeichnen für ihn ein selbstverständlicher, sicherer Akt, der aus einer unmittelbaren Inspiration entsteht – ein geistiger Zustand.

In den von ihm als „Liniengemälde“ bezeichneten Arbeiten vergrößert Nara seine markanten Skizzen aus Notizbüchern mittels Projektion und erweckt sie in der Malerei zu neuem Leben. Die vermeintlich einfachen Umrisslinien bewahren dabei ihren ursprünglichen schöpferischen Impuls und jene Freiheit, die das Zeichnen ermöglicht: die schnelle Ausführung und die fließende Formgebung.

Parallel zur Präsentation der Gemälde und Zeichnungen in der Galerie an der 20th Street werden am Standort in der 19th Street dreizehn von Naras Skulpturen aus dem Jahr 2024 gezeigt, die gegenüber ihren ursprünglichen Modellen um das Zehnfache vergrößert wurden.

Die monumentalen Bronzeköpfe sind mit weißem Urethanlack überzogen, dessen matte Oberfläche ihnen eine scheinbare Weichheit verleiht. Sie erinnern an jene Schneemonster, die Nara aus den Wintern seiner Kindheit kennt und die durch starke Schneefälle entstehen.

Bereits während er die handtellergroßen Tonmodelle formte, stellte sich Nara ihre monumentale Vergrößerung vor. Ihn faszinierte die Frage, welche psychologische Wirkung es haben könnte, die kleinen, sichtbar von Hand geformten Köpfe plötzlich in einem gewaltigen Maßstab zu erleben.

Die Begegnung mit ihren stark vergrößerten, einfachen Gesichtsausdrücken und das Spiel von Licht und Schatten auf den glatten Oberflächen schaffen eine Atmosphäre der Ruhe und Kontemplation.

Die Ausstellung findet zeitgleich mit Yoshitomo Nara: Sentinels of Stillness im Skulpturengarten des Hirshhorn Museums in Washington, D.C., statt. Drei monumentale Skulpturen, die auf das Sechzehnfache vergrößerte Fassungen von Naras kleinen Tonköpfen darstellen, eröffnen dort die neue jährliche Ausstellungsreihe Annual West Lawn Series. Sie sind vom 31. Oktober 2026 bis zum 7. November 2027 zu sehen.

WANN?

Eröffnung: Donnerstag, 5. November 2026

Ausstellungsdaten: Donnerstag, 5. November bis Samstag, 12. Dezember 2026

WO?

David Zwirner Gallery
533 West 19th Street & 537 West 20th Street
New York, NY 10011
USA

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