Das junge Ensemble in der jtw Spandau feiert am 18. September 2026 die Première des Stücks „Der Ausflug der toten Mädchen“ nach der Erzählung der Autorin Anna Seghers, in der Seghers beschreibt, wie ein politisches System sich in die Freundschaften einer Mädchenklasse eingräbt und sie auseinanderbringt. Dabei verknüpft das Ensemble das erdrückende Wirklichkeit zur Zeit der Weltkriege mit den Erfahrungswelten der jungen Spieler*innen von heute und spinnt die autobiografische Geschichte von Seghers fort, indem sie Seghers späteres oft widersprüchliches Handeln in der DDR mit aufgreifen.
Abb. oben: jtw Spandau, Ausflug der toten Mädchen. Alexander Anufriev.
Die Regisseurin Josephine Witt erkundet den Text, der vor 80 Jahren erstmals publiziert wurde, mit 15 Jugendlichen Spieler*innen zwischen 16 und 28 Jahren und bringt die existenziellen Abgründe unter Freundinnen in einer Zeit gesellschaftlichen Terrors auf die Bühne. Was bedeutet Verrat in Zeiten gezielter Vernichtung im persönlichen Kontakt?
In der drastischen Erzählung setzt sich Anna Seghers bereits 1944 im mexikanischen Exil dem Entsetzen aus, das das NS-System über die Mädchen gebracht hat – noch bevor dieses sein Ende fand. Ihre Kindheitsfreundinnen sind tot. Teils wurden sie im KZ getötet, teils haben sie den Gashahn aufgedreht.
Diesen persönlichen Albtraum verwebt die Inszenierung mit Briefen von Anna Seghers aus späteren Lebensphasen der Schriftstellerin. Den autofiktionalen Ansatz der Geschichte greifen die Jugendlichen auf, um ihrerseits als Ich-Erzählerinnen auf der Basis eigener Erfahrungen ein gesellschaftliches Stimmungsbild zu zeichnen, das die Zeitreise durch finstere Abschnitte deutscher Geschichte aus Anna Seghers` Text bis in die Gegenwart verlängert.

Die Autorin Anna Seghers (1900 -1983) war Trägerin des Kleist und Büchner-Preises und von 1952 bis 1978 Präsidentin des Schriftstellerverbandes der DDR. „Ausflug der toten Mädchen“, in der sie die Grauen der Kriege aus weiblicher Perspektive beschreibt, entsteht nachdem sie vom Tod ihrer jüdischen Mutter im Ghetto erfährt, der sie den Text widmet. Ins Exil ging sie als Jüdin und Kommunistin direkt nach der Machtergreifung Hitlers.
Die jtw Spandau ermöglicht jungen Menschen eine Zusammenarbeit von professionellen Kunstschaffenden mit nicht professionellen Akteurinnen. Josephine Witt ist Regisseurin und Autorin. Die Absolventin der Hochschule Ernst Busch bewegt sich oft innerhalb der Methodik der Stückentwicklung. Regelmäßig arbeitet sie mit Formen der Über- und Fortschreibung bestehender Archetypen und Sujets des Kanons. Sie arbeitet mit professionellen und nicht-professionellen Schauspielerinnen, Jugendlichen, Menschen mit Behinderungen. Witt bezieht die Perspektiven, Wünsche und besonderen Fähigkeiten ihres Ensembles in den künstlerischen Prozess ein. Sie überschreitet konsequent die Grenzen des klassischen Sprechtheaters.
WANN?
Première: Freitag, 18. September 2026, ab 19 Uhr
Vorstellungen:
Samstag, 19., Dienstag, 22., Mittwoch, 23., Donnerstag, 24., Freitag, 25. September 2026
Montag, 9. November 2026
WO?
jtw Spandau
Gelsenkircher Str. 20
13583 Berlin
KOSTET?
Eintritt: frei







