Gallery Weekend Berlin 2026 | Marc Brandenburg. 20th Century Debris – Berlinische Galerie | 17.04.-14.09.2026

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Ab 17. April 2026 präsentiert die Berlinische Galerie mit „Marc Brandenburg. 20th Century Debris“ eine umfassende Werkschau des Berliner Künstlers. Zu sehen sind rund 170 Arbeiten, darunter aktuelle und auch sehr frühe, selten gezeigte Zeichnungen aus den 1990er Jahren sowie Videos, Tattoo-Bögen und Fotos.

Abb. oben: Marc Brandenburg, Ohne Titel, 2010, Privatsammlung, © Marc Brandenburg, Foto: Jochen Littkemann, Courtesy Contemporary Fine Arts

Das Werk des Berliner Künstlers Marc Brandenburg (1965) bewegt sich zwischen Zeichnung, Collage, Installation, Video und Performance. Seit den 1980er Jahren ist er ein fester Teil der Berliner Kreativszene und zählt international zu den wichtigsten Zeichnerinnen der Gegenwart. Im Zentrum seines Schaffens stehen detaillierte Bleistiftzeichnungen nach fotografischen Vorlagen. Brandenburg fängt diese auf Streifzügen durch die Stadt ein oder findet sie in Magazinen, Filmen und Büchern. In mehreren Arbeitsschritten invertiert er die Bilder, kehrt also helle und dunkle Bereiche um, verzerrt sie und überträgt sie anschließend frei auf Papier. So entstehen abstrahierte Darstellungen der Wirklichkeit.

Als genauer Beobachter des großstädtischen Lebens spürt Brandenburg die Seltsamkeiten der urbanen Realität auf und richtet sein Augenmerk auf scheinbar Belangloses abseits normierter Schönheitsvorstellungen. Zugleich gehören Symbole der Populärkultur zu seiner Bilderwelt: Porträts von Berühmtheiten, Pornografie, Fast Food und Kitsch. Exzess und Konsum thematisiert Brandenburg ebenso wie gesellschaftliche Missstände als Auswirkungen des Spätkapitalismus. Dabei wird selten eine lineare Erzählung transportiert; vielmehr entsteht eine melancholische und unheilvolle Stimmung, die subtil auf die Krisen unserer Zeit verweist: 20th Century Debris – Die Trümmer des 20. Jahrhunderts.

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Marc Brandenburg, Ohne Titel, 2022, Deutsche Bundesbank, Frankfurt am Main, © Marc Brandenburg, Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac, Foto: CHROMA, André Carvalho

Die Ausstellung präsentiert mehr als 170 Arbeiten des Künstlers mit Leihgaben unter anderem aus der Sammlung Deutsche Bank, der Sammlung Zeitgenössische Kunst der Bundesrepublik Deutschland, dem Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin sowie weiteren privaten und öffentlichen Sammlungen. Gezeigt werden sowohl aktuelle als auch frühe, selten präsentierte Zeichnungen aus den 1990er Jahren sowie Videos, Tattoo-Editionen und Fotografien.

Künstlerische Praxis
Bleistiftzeichnungen bilden das zentrale Medium im Werk von Marc Brandenburg. Die akribische Ausführung seiner fotorealistischen Arbeiten übt eine besondere Faszination aus. Am Beginn seines künstlerischen Prozesses stehen Fotografien, die der Künstler als eine Art Skizze versteht. Selbst aufgenommene oder aus Zeitschriften entnommene Bilder überträgt er frei und ohne technische Hilfsmittel in detaillierte Zeichnungen auf Papier. Seit den späten 1990er Jahren beginnt Brandenburg, seine Motive zunehmend zu abstrahieren. Das Invertieren der Bildwerte ist bis heute sein markantestes Stilmittel. Um die Jahrtausendwende erweitert er diesen Ansatz, indem er seine fotografischen Vorlagen zusätzlich verzerrt und in abstrakte Formen überführt.

Frühe Arbeiten
In den 1990er Jahren entstehen die ersten zeichnerischen Serien Marc Brandenburgs. Das Arbeiten in klar umrissenen Werkgruppen bildet damals einen zentralen Bestandteil seiner Praxis. Im ersten Ausstellungsraum werden Zeichnungen aus fünf Serien präsentiert. Die Serie From June to November (1993) ist die früheste in der Ausstellung und umfasst realistische Darstellungen von Interieurs und Stillleben, Porträts von Berühmtheiten sowie Motive aus Zigarettenwerbung und expliziten Szenen. Ein Jahr später rückt in Bilderbuch erstmals Brandenburgs eigenes fotografisches Material in den Mittelpunkt. Die weiterhin fragmentarischen Motive erhalten nun feste Rahmungen durch schwarze Linien oder skizzenhafte Markierungen. In der Serie The Dangling Conversation (1996) kontrastiert eine weiche zeichnerische Modellierung mit Büro- und Heftklammern, die das Papier physisch durchdringen. Mit Meddle (1998) entwickelt Brandenburg schließlich seine charakteristische Umkehrung der Tonwerte. In White Rainbow wird die Negativästhetik um abstrakte Formen erweitert, die an Kameraschwenks erinnern und Eindrücke von Bewegung und Gleichzeitigkeit erzeugen.

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Marc Brandenburg, Ohne Titel, 2006, Privatsammlung, © Marc Brandenburg, Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac

Unter Schwarzlicht
Der zweite Ausstellungsraum ist mit Schwarzlicht beleuchtet – eine Präsentationsform, die Brandenburg seit dem Jahr 2000 verwendet. Durch die besondere Beleuchtung beginnen die weißen Papierflächen zu fluoreszieren, sodass die Zeichnungen zu leuchten scheinen und gemeinsam eine räumliche Erfahrung erzeugen. Die ausgestellten Arbeiten von der Mitte der 2000er Jahre bis in die Gegenwart kreisen um Themen wie Körper und (Ver-)Kleidung sowie deren Erscheinungsformen innerhalb einer Gesellschaft, die aus Sicht des Künstlers durch zunehmende Isolation, soziale Ungleichheit und kapitalistischen Exzess geprägt ist. Mit zwei großformatigen Panoramazeichnungen des Berliner Tiergartens aus dem Jahr 2024 widmet sich Brandenburg zudem nach längerer Zeit erneut dem Thema Landschaft.

Brandenburg versteht seine Beobachtung der Großstadt und deren künstlerische Umsetzung als streng dokumentarisch. Ergänzt werden die statischen Zeichnungen in der Ausstellung durch neue Videoarbeiten, die seine ausgeprägte Beobachtungsgabe sichtbar machen und zeigen, wie Motive in zufälligen Alltagssituationen entstehen. Die durch Invertierung und Verlangsamung erzeugte visuelle Wirkung wird durch eine geisterhafte Tonspur zusätzlich verstärkt.

Temporäre Tattoos
Seit 2012 entwickelt Brandenburg Editionen temporärer Tattoos auf Grundlage seiner Zeichnungen. Im Laufe der Jahre entstanden mehr als zehn solcher Editionen, unter anderem anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des Berghain. Nach der Transformation von Fotografie in Zeichnung erfolgt hier ein weiterer Medienwechsel, bei dem der menschliche Körper zum Bildträger wird. Brandenburg beschreibt seine Arbeitsweise mit dem aus der Musik stammenden Begriff des „Samplings“: Gefundenes und eigenes Bildmaterial werden kombiniert, wodurch Kontraste und Analogien entstehen. Auch die individuelle Kombination der Motive auf der Haut folgt diesem Prinzip.

Marc Brandenburg, Ohne Titel, 2006, Privatsammlung, © Marc Brandenburg, Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac
Marc Brandenburg, Ohne Titel, 2024 (Ausschnitt) © Marc Brandenburg, Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac, Foto: CHROMA, André Carvalho

Fotografien
Für Brandenburg fungiert die Fotografie als skizzenhaftes Ausgangsmaterial. Obwohl er sich nicht primär als Fotograf versteht, beginnt sein künstlerischer Prozess mit dem Festhalten von Situationen mittels Kamera. Über die Jahre entsteht so ein umfangreiches visuelles Archiv, aus dem einzelne Motive erst lange später in Zeichnungen überführt werden. Die in der Ausstellung gezeigten Fotografien geben Einblick in den Bilderkosmos des Künstlers und verdeutlichen insbesondere, mit welcher Präzision er die Ästhetik des fotografischen Schnappschusses in das Medium der Zeichnung übersetzt.

WANN?

Vernissage: Donnerstag, 16. April 2026, 19 Uhr

Ausstellungdaten: Freitag, 17. April bis Montag, 14. September 2026

WO?

Berlinische Galerie
Alte Jakobstraße 124–128
10969 Berlin

KOSTET?

Eintritt 12 EUR, ermäßigt 7 EUR
Jeder 1. Mittwoch im Monat ermäßigter Eintritt (7 EUR) für alle

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