1.4 C
Berlin
Freitag, Dezember 2, 2022

KW on location: THE MAW OF mit Rachel Rossin im Tieranatomischen Theater | 15.09.-18.09.2022

Editors’ Choice

THE MAW OF von Rachel Rossin (*1987, US) erforscht das Zusammentreffen von Körper, Maschine, Wahrnehmung und Code, das im Rahmen aktueller Forschung zu Gehirn-Computer-Schnittstellen entsteht. Die Künstlerin und Programmiererin Rossin, die sich durch ihre multidisziplinäre Praxis als Pionierin in der künstlerischen Auseinandersetzung mit virtueller Realität profiliert hat, verbindet in ihrem Werk u.a. Malerei, Skulptur und Neue Medien, um digitale Landschaften zu kreieren. Hierbei werden Aspekte von Entropie, Verkörperung, omnipräsenter Technologie und deren Auswirkungen auf die menschliche Psyche thematisiert. Rossins Projekt THE MAW OF umfasst Installationen, Skulpturen, Elemente aus Augmented und Virtual Reality sowie Netzkunst und eine ortsspezifische Installation im Tieranatomischen Theater (TA T) in Berlin, die im Rahmen des Digitalprogramm der KW Institute for Contemporary Art präsentiert wird.

Abb. oben: ­­­Rachel Rossin, THE MAW OF (2022) © die Künstlerin

Als Mixed-Reality-Theater gedacht, inszeniert die Arbeit ein neues konzeptuelles und visuelles Vokabular, das sich mit den erweiterten Grenzen des zeitgenössischen menschlichen Körpers und Geistes auseinandersetzt. Das Werk greift auf die historische Entwicklung vom Körperstamm entfernter Strukturen und entsprechend ausgelagerter, peripherer Sensorik zurück und stellt das Physische als Teil eines größeren technischen Gebildes dar. Rachel Rossins Arbeit kombiniert visuelle Elemente aus Computerspielen, Apps, Mangas und Dokumentarfilmen und wird so zu einer Entdeckungsreise entgrenzter, real gewordener Fantasie. Im Zuge dessen entstehen unterschiedliche Abbilder, Traumfiguren gleich, die ihrerseits zu prothesenartigen Symbolen zur Erweiterung unserer Körperlichkeit mutieren – „Sentinel Species“, wie Kanarienvögel, die zur Überprüfung von Giftstoffen in der Luft von Kohlebergwerken eingesetzt werden, oder Blindenhunde, aber auch technische Geräte wie Smartphones und Tastaturen. Heutzutage stellen tragbare Exoskelette ein Beispiel dafür dar, wie Hardware und Wetware (Körper) zunehmend miteinander verschmelzen. Viele dieser Technologien werden derzeit an Tieren getestet, bevor sie schließlich in das menschliche Gehirn implantiert werden, was die Entwicklung kognitiver Peripherie stark vorantreibt.

Das von den KW Institute for Contemporary Art und dem Whitney Museum of American Art, New York gemeinsam in Auftrag gegebene Online-Werk, das auf den Webseiten der KW (14. September ­– 21. Oktober 2022) und des Whitney Museum of American Art (ab September 2022 – fortlaufend) zu sehen sein wird, bildet eine interaktive Feedback-Schleife zwischen den Computerbildschirmen der Besucher*innen und ihren Smartphone-Displays. Offline, im Tieranatomischen Theater, überlagern sich in Rossins Virtual-Reality-Umgebung die 3D-Scans des TA T mit denen aus der Lobby des Whitney Museum und Landschaftselementen aus einem Videospiel. In dieser virtuellen Umgebung folgen die Besucher*innen einem Avatar als „Maschinengeist“, der ein Netz aus Nebenflüssen durchquert, welches das menschliche Nervensystem verkörpert.

Die Wahl des Ortes ist nicht zufällig: Rossin nutzt das Tieranatomische Theater nicht nur als Ausstellungsort, sondern bezieht ihn auch aktiv in ihre Arbeit mit ein. Hier nahm die systematische Erforschung von Tierbiologie an der Humboldt-Universität zu Berlin ihren Anfang, was wiederum den Grundstein für die wissenschaftliche Forschung gelegt hat, die es uns nun ermöglicht, in die Anatomie von Mensch und Tier einzugreifen. Während das TA T heute als Ort kuratorischer Forschung und ästhetischer Praxis dient, forschen Neurowissenschaftler*innen in unmittelbarer Nachbarschaft auf der Grundlage von Tierstudien, Game Studies und anderen Praktiken aktiv an Gehirn-Computer-Schnittstellen.

THE MAW OF thematisiert als eine Auseinandersetzung mit verkörperter Subjektivität im Technozän die Beziehungen zwischen Innen und Außen, von Mensch, Tier und Maschine. Die Ausstellung gleicht einem erweiterten Körper, in dem die Grenzen zwischen physischem und digitalem Raum verschwimmen. Der Ausstellungsraum wird durch das Erschaffen einer Welt, deren virtuelle Realität durch verschiedene Portale zugänglich ist, abgesteckt. Diese fungieren als Zugänge zu einer digitalen Welt der Kontemplation und poetischer Repräsentation.

Kurator: Nadim Samman
Kuratorische Assistenz: Linda Franken

WO?

Tieranatomisches Theater, Campus Nord, Haus 3, Philippstraße 13, 10115 Berlin

WANN?

Donnerstag, 15. September bis Samstag, 18. September 2022

Täglich 12–19 Uhr

Einführung:
Täglich um 16:30 Uhr
Auf Deutsch und Englisch

Anmeldung: mediation@kw-berlin.de

KOSTET?

Freier Eintritt

- Advertisement -spot_img

IHRE MEINUNG | YOUR OPINION

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

- Advertisement -spot_img

Latest article