Mit NIGHT präsentiert die Neue Nationalgalerie die erste große Einzelausstellung des italienischen Künstlers Maurizio Cattelan in Deutschland. Die Ausstellung findet im Rahmen des Preis der Nationalgalerie 2026 statt, für den Maurizio Cattelan von einer internationalen Jury ausgewählt wurde. Sie vereint wichtige historische Werke Cattelans und neue Arbeiten in dem ikonischen Mies van der Rohe-Gebäude.
Abb. oben: Maurizio Cattelan, Novecento, 1997, Castello di Rivoli, Torino, Foto / Photo: Paolo Pellion di Persano.
Seit den frühen 1990er-Jahren zählt Maurizio Cattelan (*1960 in Padua) zu den prägenden Stimmen der internationalen Gegenwartskunst. Seine Arbeiten greifen vertraute Bilder auf, die tief im kollektiven Gedächtnis verankert sind, und verschieben deren Bedeutung durch minimale, oft irritierende Eingriffe. Dabei widmet sich Cattelan Themen, die gesellschaftlich, historisch oder emotional besonders aufgeladen sind: Religion, Kindheit, Autorität und generationsübergreifende kollektive Traumata. Mit einer Bildsprache, die zwischen Ironie, Provokation, Überzeichnung und formaler Reduktion oszilliert, hinterfragt er etablierte Narrative und eröffnet neue Perspektiven auf Erinnerung, Glauben und gesellschaftliche Machtstrukturen. Mit NIGHT kehrt Maurizio Cattelan nach Berlin zurück – zwanzig Jahre nachdem er die 4. Berlin Biennale mitkuratierte.
Die Ausstellung vereint Schlüsselwerke wie Him (2001), Novecento (1997), La Rivoluzione Siamo Noi (2000) und das von Günter Grass’ Die Blechtrommel inspirierte Untitled (2003) mit neuen Arbeiten. Gemeinsam verhandeln sie zentrale Motive in Cattelans Schaffen: die fragile Grenze zwischen Unschuld und Gewalt, die Konstruktion von Identität sowie die fortwährende Präsenz historischer Erinnerung.
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht eine eigens für die Neue Nationalgalerie entwickelte ortsspezifische Installation. Mit dieser neuen Auftragsarbeit greift Cattelan behutsam in die räumliche Ordnung des Hauses ein, verändert so die Art und Weise, wie das Gebäude genutzt und erlebt wird, und eröffnet neue Formen der Begegnung. Vertraute Ausstellungsformen treten zugunsten einer Präsentation zurück, die von Aufmerksamkeit, Reflexion und gemeinsamer Erfahrung geprägt ist. Dadurch verschieben sich die Beziehungen zwischen Werk, Publikum und Architektur.

Die von Mies van der Rohe entworfene Neue Nationalgalerie in Berlin bildet hierfür einen besonderen Resonanzraum. Ihre ikonische Architektur wird nicht nur zum Ausstellungsort, sondern selbst zum aktiven Bestandteil der Inszenierung und prägt maßgeblich die Wahrnehmung und Erfahrung der gezeigten Arbeiten.
In Berlin präsentiert, entfaltet sich NIGHT in einem deutschen Kontext, der von vielschichtigen historischen Erfahrungen und fortwährenden Prozessen des Erinnerns geprägt ist. Während gesellschaftliche Narrative über Generationen hinweg immer wieder neu befragt werden, tritt Cattelans Werk in ein Spannungsfeld ein, in dem Bilder, Symbole und Formen der Repräsentation weiterhin aktiv verhandelt werden.
MAURIZIO CATTELAN. NIGHT wird kuratiert von Lisa Botti, Kuratorin an der Neuen Nationalgalerie, mit Klaus Biesenbach, Direktor der Neuen Nationalgalerie, in enger Zusammenarbeit mit Maurizio Cattelan.
Klaus Biesenbach erklärt: „Als jemand, der in Deutschland geboren wurde und den Großteil seines Erwachsenenlebens im Ausland verbracht hat, hatte Maurizio Cattelans Werk für mich immer schon eine sehr deutsche Leseart. Him bezog sich für mich auch auf den Kniefall von Willy Brandt, Little Drummer Boy erinnerte mich an die Blechtrommel und natürlich war Joseph Beuys‘ Filzanzug eine meiner ersten Begegnungen mit der Kunstwelt, da ich nur wenige Kilometer von Beuys‘ Wirkungsstätte entfernt aufgewachsen bin. Nun werden wir Cattelans Werk in Berlin erleben – in jener Stadt, die in meiner Vorstellung auf seltsame Weise bereits der gedankliche Ursprung vieler dieser Werke war. Und selbst dieses Gebäude, der Mies-Bau, den viele als Tempel bezeichnen, wird nun als Kirche zu einem Teil und Gegenstand dieser Ausstellung.”
Lisa Botti ergänzt: „Diese Ausstellung entstand in enger Zusammenarbeit mit Maurizio Cattelan über einen längeren Zeitraum hinweg. Dazu gehörten wiederholte Besuche in Berlin sowie ein fortlaufender Austausch über die Neue Nationalgalerie und ihren historischen Kontext. Speziell für diesen Ort konzipiert, vereint die Ausstellung bestehende Werke und neue Auftragsarbeiten, die unmittelbar auf ihren Standort Bezug nehmen. Der Titel NIGHT („Nacht“) verweist auf einen Zustand, in dem Dinge nicht unbedingt verborgen sind, sondern auf andere Weise wahrgenommen werden. Im gedämpften Licht des Abends können vertraute Formen fremd erscheinen, während zuvor übersehene Details plötzlich in den Fokus rücken.“

Der Preis der Nationalgalerie, im Jahr 2000 von den FREUNDEN der Nationalgalerie initiiert, hat sich in den vergangenen 25 Jahren als eine der bedeutendsten Auszeichnungen für zeitgenössische Kunst in Deutschland etabliert und würdigt Künstler*innen, die die nationale und internationale Kunstlandschaft nachhaltig prägen.
2026 tritt der Preis der Nationalgalerie mit dem Umzug in die Neue Nationalgalerie in eine neue Phase ein und bietet einer Künstlerin die einmalige Gelegenheit, eine fokussierte und ambitionierte Ausstellung in der ikonischen Glashalle zu realisieren. Das Format spiegelt den Anspruch der Nationalgalerie wider, bedeutende Kunst nach Berlin zu bringen.
„Wir freuen uns sehr, Maurizio Cattelans Werk im Rahmen dieses neuen Kapitels des Preises zum ersten Mal in Berlin in dieser Tiefe zu zeigen“, so Christian Kohorst, Vorsitzender der FREUNDE der Nationalgalerie. „Künstler*innen einem neuen und breiteren Publikum zugänglich zu machen, ist genau das, worum es beim Preis der Nationalgalerie geht – und dies ergänzt unsere kontinuierliche Förderung aufstrebender Positionen durch Ankäufe, Auftragsarbeiten, Ausstellungen und Bildungsprogramme.“
Die Jury für den Preis der Nationalgalerie 2026 setzt sich zusammen aus Emma Lavigne (Direktorin der Pinault-Sammlung, Paris) und Sam Keller (Direktor der Fondation Beyeler, Basel) sowie Klaus Biesenbach (Direktor der Neuen Nationalgalerie). Neben den Jurymitgliedern waren auch die Kurator*innen der Nationalgalerie und die Mitglieder der FREUNDE der Nationalgalerie vorschlagsberechtigt.
Die Ausstellung im Rahmen des Preis der Nationalgalerie wird ermöglicht von den FREUNDEN der Nationalgalerie und gefördert durch BMW.
WANN?
Eröffnung: Mittwoch, 9. September 2026 (im Rahmen der Berlin Art Week)
Ausstellungsdaten: Donnerstag, 10. September 2026 – Sonntag, 7. März 2027
Öffnungszeiten: Dienstag – Mittwoch, Freitag – Sonntag, 10 – 18 Uhr, Donnerstag, 10 – 20 Uhr
WO?
Neue Nationalgalerie
Potsdamer Straße 50
10785 Berlin





