Die Kunsthalle Tübingen zeigt ab 10. Oktober 2026 die Ausstellung PRESENT PERFECT. Darin stellt sie Arbeiten des Künstlers Lars Eidinger verschiedenen Arbeiten aus der Sammlung dialogisch gegenüber.
Abb. oben: Lars Eidinger, Paris, 2021, Courtesy of Ruttkowski;68, Köln, Düsseldorf, Paris, New York
Seit über dreißig Jahren fängt der Schauspieler und Fotograf Lars Eidinger die Wirklichkeit zunächst mit der Kamera, später mit seinem Smartphone ein. Die Fotografien und Videos von Lars Eidinger entstehen im Flow mit der Umgebung intuitiv. Sie geben die Welt so wieder, wie sie ist, und machen gleichzeitig auch Übersehenes, Unschönes und unfeine Spuren gelebten Lebens – kurz Unsichtbares sichtbar.
Mit einer freischwebenden Aufmerksamkeit fotografiert Eidinger bizarre und übersehene Routinen des Alltags: eine steinerne Skulptur ohne Hände am Wegesrand, geometrisch zugerichtete Bäume und Hecken oder Passant*innen im Doppelgänger-Look. Die scheinbar beiläufig von Eidinger eingefangenen Momentaufnahmen und Szenerien geben unmittelbar und unverfälscht nicht nur Auskunft über die conditio humana, sondern legen en passant Tiefenschichten der westlichen Wohlstandsgesellschaft bloß, sodass existentielle Emotionen, Bedürfnisse und Rituale des Gegenwartsmenschen unverstellt zum Ausdruck kommen.
Unter dem Titel Present Perfect präsentiert die Kunsthalle Tübingen in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler nicht nur Fotografien und Videos von Lars Eidinger, sondern bringt ausgewählte Werkgruppen seiner visuellen Anthropologie in einen Dialog mit Werken anderer Künstlerinnen und Künstler.

So treffen in der thematisch strukturierten Präsentation erstmals Fotografien von Lars Eidinger auf ikonische Exponate aus der Sammlung der Kunsthalle. Die hauseigene Sammlung wurde seit den 1970er Jahren sukzessive um Dauerleihgaben erweitert und umfasst heute vor allem Werke der 1960er und der 1970er Jahre. Wie Lars Eidinger weiteten die Pioniere der Avantgarde die Kunst thematisch und auch in Bezug auf die Verwendung von Gegenständen als Readymades auf die Wirklichkeit aus.
Die über 200 Werke umfassende Schau spürt deshalb den Berührungslinien zwischen Lars Eidingers Fotografie und den Pionieren der Avantgarde nach und regt die Besucher*innen so zum Mit- und Weiterdenken an. Die Ausstellung ist thematisch nach existenziellen Themen wie Alltag, Erinnern und Vergessen, Selbsterforschung, Instinkt und Ausdrucksbedürfnis, Raumerkundung sowie Konsum und Technisierung strukturiert und umfasst neben Lars Eidingers Fotografien und Videos beispielsweise Werke von Georg Friedrich Zundel über Yves Klein, Ben Willikens, Sigmar Polke bis hin zu ausgewählten Gegenwartspositionen wie Erwin Wurm oder Katja Strunz.
WEITERE KÜNSTLER*INNEN DER AUSSTELLUNG (AUSWAHL): Carl Andre, Arman, Robert Berry, Joseph Beuys, César, Jean Dubuffet, Rupprecht Geiger, Alberto Giacometti, Dan Flavin, Raymond Hains, William Kentridge, Yves Klein, Claes Oldenburg, Sigmar Polke, Anne & Patrick Poirier, Peter Roehr, Daniel Speorri, Katja Strunz, Franz Erhard Walther, Ben Willikens, Georg Friedrich Zundel

Das Konzept und die Kuration hat Dr. Nicole Fritz, Vorstand und Direktorin Stiftung Kunsthalle Tübingen, übernommen. Zur Ausstellung erscheint ein Magazin mit einem Gespräch von Nicole Fritz mit Lars Eidinger.
WO?
Kunsthalle Tübingen
Philosophenweg 76
72076 Tübingen
WANN?
Samstag, 10. Oktober 2026 bis Sonntag, 28. Februar 2027
geöffnet Di–Mi und Fr–So 11:00–18:00 Uhr
Do 11:00–19:00 Uhr







