Von Albrecht Dürer als „Schöner Martin“ bezeichnet, war Martin Schongauer ein herausragender Maler, Zeichner und Kupferstecher, der außerhalb eines kleinen Kreises von Fachleuten und Liebhabern bis heute vergleichsweise wenig bekannt ist. Dennoch war er einer der populärsten Künstler des späten Mittelalters – und eine der prägenden Figuren dieser Epoche. Die Ausstellung The Beautiful Immortal, die seit dem 8. April 2026 im Pariser Louvre gezeigt wird, vereint rund hundert Werke, um Schongauers Œuvre sowie seine Wirkung über Grenzen und Zeiten hinweg sichtbar zu machen. Gezeigt werden einige seiner seltenen Zeichnungen, eine große Auswahl jener Kupferstiche, die ihn in ganz Europa berühmt machten, sowie erstmals eine nahezu vollständige Zusammenstellung der ihm zugeschriebenen Gemälde (Altarwerke und Tafelbilder), darunter die außergewöhnliche Madonna im Rosenhag von 1473, das einzige datierte Tafelbild aus seiner Hand. Die Ausstellung gliedert sich in zwei Hauptkapitel: Der erste Teil zeichnet Leben und Werk Martin Schongauers nach, während der zweite die weitreichende Wirkung seiner Kupferstiche auf die europäische Bildkultur untersucht.
Abb. oben: Martin Schongauer, La Vierge au buisson des roses (Detail), 1473. Daté 1473 au revers. Huile et tempera sur bois de résineux, H. 200,2; L. 114,4; Ép. 2,9 cm. Colmar, église des Dominicains © Région Grand Est – Inventaire général / Bastien Garnier, avec l’aimable autorisation du Conseil de Fabrique de la Collégiale Saint-Martin à Colmar
Aufgrund der begrenzten Quellenlage wissen wir bis heute vergleichsweise wenig über das Leben von Martin Schongauer, geboren in Colmar um 1445, verstorben in Alt-Breisach 1491. Als Sohn und Bruder von Goldschmieden in Colmar erlernte er früh die feine Technik des Gravierens (Grabstichels) und entwickelte in seinen Kupferstichen eine bemerkenswerte Präzision sowie ein klares Verständnis von Räumlichkeit, wodurch er seinen Vorgänger, den Meister ES, übertraf. Seine frühen Werke zeugen von seiner Kenntnis der großen Maler der südlichen Niederlande, etwa Rogier van der Weyden, ebenso wie der Künstler aus Nürnberg, einer Stadt, die er vermutlich im Rahmen einer Reise zwischen etwa 1465 und 1470 besuchte.
Nur wenige Gemälde von Martin Schongauer sind bis heute erhalten. Sie zeigen seinen ausgeprägten Sinn für Ästhetik, sowohl in der Darstellung des Menschen als auch in der Gestaltung von Raum und Hintergrund, sowie seine Vorliebe für ornamentale Details und Naturalismus. Seine kleinformatigen Tafelbilder veranschaulichen die neue, intimere Auffassung der Beziehung zwischen Maria und Kind, die Ruhe von Anbetungsszenen und die wachsende Bedeutung der Rolle Marias. Die Ausstellung präsentiert diese Werke, die für die private Andacht bestimmt waren, neben großformatigen Arbeiten, die für kirchliche Auftraggeber entstanden und sich heute überwiegend noch im Elsass befinden, etwa in den Kirchen von Colmar und der Komturei in Isenheim.
Vor allem jedoch erreichen seine Kupferstiche den Höhepunkt seines faszinierenden Stils. In ihnen verbinden sich außergewöhnliches technisches Können mit umfassender Kenntnis apokrypher Texte und Heiligenlegenden. Sie zeugen von einem belesenen Künstler mit einem Gespür für detailreiche, einfallsreiche Erzählungen und einem geschulten Blick für die Natur. Seine vielfältige Themenwahl ermöglichte es ihm, ein breites Publikum anzusprechen: Neben religiösen Darstellungen integrierte er Tiermotive, fantastische Elemente und dekorative Formen.
Der zweite Teil der Ausstellung widmet sich der Wirkung Schongauers über Zeit und Raum hinweg. Seine Kunst -insbesondere seine Kupferstiche – faszinierte Künstler noch lange nach seinem Tod. Zahlreiche Zeichnungen, Gemälde, Drucke, Skulpturen und Kunstobjekte aus dem späten 15. bis ins 17. Jahrhundert, aus Spanien, Frankreich, Böhmen und Italien, von bekannten wie anonymen Künstlern, wurden von seinen Werken inspiriert, teils eng am Vorbild, teils in freier Interpretation. Aus einem Bestand von über tausend Arbeiten wurde eine Auswahl getroffen, um diese weitreichende ikonografische Verbreitung zu veranschaulichen, die weit über die Grenzen des Heiligen Römischen Reiches hinausging. Diese außergewöhnliche Nachwirkung hat Schongauer den Beinamen „unsterblich“ eingebracht – immortal.
WANN?
Ausstellungsdaten: Mittwoch, 8. April bis Montag, 20. Juli 2026
WO?
Louvre
75001 Paris
Frankreich





