Hamburger Bahnhof On Tour: sechs Konzerte und Performances mit Annika Kahrs und Saâdane Afif Mit der monatlichen Veranstaltungsreihe „Hamburger Bahnhof On Tour“ legt das Museum zu seinem 30-jährigen Jubiläum einen besonderen Schwerpunkt auf die Vernetzung mit Berliner Kulturakteurinnen: von Februar bis Juli 2026 veranstaltet der Hamburger Bahnhof in Zusammenarbeit mit Freunde Guter Musik Berlin e.V. sechs Konzerte und Performances der Berliner Künstler*innen Annika Kahrs und Saâdane Afif im Musikinstrumenten-Museum SIM, Berliner Medizinhistorischen Museum, Ev. Heilige-Geist-Kirche, im Roten Salon der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, KM28 und der Kantine am Berghain.
Abb. oben: Annika Kahrs, Strings, 2010, HD Video, Farbe, Ton, 8:20 Min., Videostandbild © Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin und Produzentengalerie Hamburg
Von Februar bis April 2026 findet im Rahmen der Ausstellung „Annika Kahrs. OFF SCORE“ ein Programm statt, das einen Überblick über ihre Performances der vergangenen 16 Jahre gibt. Kahrs Performances hinterfragen musikalische Strukturen sowie Faktoren von Musikproduktion, Aufführungspraxis und Hörgewohnheiten und stellen Virtuosität und traditionelle Formate in Frage.
Die Ausstellung im Hamburger Bahnhof zeigt noch bis 3. Mai 2026 die bislang umfangreichste Auswahl ihrer Werke an der Schnittstelle von Kunst und Musik. Zum Auftakt der Reihe „Hamburger Bahnhof on Tour“ am 19. Februar 2026 wird im Musikinstrumenten-Museum Kahrs Film „Ganz ungültig, nur ein Versuch“ (2024) gezeigt, der bis 1. März 2026 dort zu freiem Eintritt zu sehen sein wird.
Von Mai bis Juli 2026 finden begleitend zur Ausstellung „Saâdane Afif. Five Preludes“ drei weitere Abende mit Performances statt, die in direktem Zusammenhang mit den im Museum gezeigten Werken stehen. Afifs Arbeiten mit ihren vielfältigen Bezügen zur Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts setzen einen Prozess des Betrachtens und Interpretierens in Gang, in den Mitwirkende und die Betrachter*innen einbezogen werden.
So lädt er Künstlerinnen und Schriftstellerinnen ein, in ihren jeweiligen Sprachen poetische Kommentare zu seinen Werken zu verfassen. Diese sogenannten „Lyrics“ sind Teil der noch bis zum 13. September 2026 gezeigten Ausstellung und bilden den Ausgangspunkt für die Performances: an drei Abenden wird eine Auswahl der zu den ausgestellten Werken verfassten „Lyrics“ von Musikerinnen und Performerinnen mit unterschiedlichem Background interpretiert.

PROGRAMM
Tickets zu den Konzerten: 15 / 12 Euro
VVK: reservix.de (ab Ende Januar 2026)
Annika Kahrs: OFF SCORE LIVE
Donnerstag, 19. Februar 2026
Musikinstrumenten-Museum SIM
Ben-Gurion-Straße 1, 10785 Berlin
18 Uhr – Eröffnung der Videoinstallation „Ganz ungültig, nur ein Versuch“ (2024)
Curt-Sachs-Saal, Eintritt frei
Der Film „Ganz ungültig, nur ein Versuch“ nimmt Anton Bruckners (1824–1896) Symphonie Nr. 0 als Ausgangspunkt – ein Werk, das der österreichische Komponist selbst als „ungültig“ bezeichnete. Annika Kahrs nutzt diese sogenannte Nullte als materielles und inhaltliches Fundament, um Prozesse des Verwerfens, Überarbeitens und Neuerfindens zu untersuchen.
Fünf Musiker*innen spielen in einem Konzertsaal Bruckners ‚Nullte‘ Sinfonie. Während der Performance verändert sich die ursprüngliche Partitur, denn sie wurde zuvor von jungen Menschen, die sich an unterschiedlichen Orten der Musikrezeption und -produktion befinden, handschriftlich ausgelöscht, überschrieben oder ergänzt. So verschränken sich klassische Interpretation und zeitgenössische Formen des Komponierens zu einem neuen Musikstück. Der Film läuft bis 1. März 2026, der Eintritt ist frei.
20 Uhr
Strings, 2010, Streichquartett
Alone Together, 2016, 4 Performer*innen, Solistenensemble Kaleidoskop
In „Strings“ und „Alone Together“ setzt sich Kahrs jeweils mit der Struktur eines klassischen Quartetts auseinander und lotet deren Grenzen aus. In „Strings“ wird ein Streichquartett gezielt aus dem Takt gebracht, indem Musiker*innen nach jedem Satz Instrumente und Plätze tauschen. In „Alone Together“ dekonstruiert ein Gesangsquartett einen dreiminütigen Jazz-Klassiker durch zeitliche Dehnung und räumliche Trennung in eine 30-minütige Performance – eine Studie über Synchronität, Autonomie und kollektives Scheitern, aus dem wiederum etwas Neues entsteht.
Mittwoch, 18. März 2026, 19 Uhr
Berliner Medizinhistorisches Museum der Charité, Hörsaalruine
Virchowweg 16, 10117 Berlin
Score of Symptoms, 2026 (UA)
7 Performer*innen, Solistenensemble Kaleidoskop
In ihrer neuen, für das Solistenensemble Kaleidoskop entworfenen Performance „Score of Symptoms“ thematisiert Kahrs Krankheit und Heilung als existenzielle Zustände. Der Aufführungsort, die beeindruckende Hörsaalruine im Berliner Medizinhistorischen Museum, wird dabei zum Symbol für Verwundung und Transformation. Kahrs versteht Heilung nicht als Rückkehr zum alten Zustand, sondern als individuellen, transformatorischen Prozess, der sich hier performativ in Klang, Geste und Körperlichkeit ausdrückt.

Mittwoch, 15. April 2026, 20 Uhr
Ev. Heilige-Geist-Kirche
Perleberger Straße 36, 10559 Berlin
the lord loves changes, it’s one of his greatest delusions, 2018
Pfeif-Chor und Orgel, Alexander Moosbrugger – Orgel
In der Performance „the lord loves changes, it’s one of his greatest delusions“ kombiniert Kahrs Orgelspiel mit einem Pfeifchor, der das musikalische Material bis zur Erschöpfung dekonstruiert. Basierend auf dem Werk „Gay Guerrilla“ (1979) des US-amerikanischen Komponisten Julius Eastman, das auf dem Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“ (vor 1529) von Martin Luther aufgebaut ist, entfaltet sich ein vielschichtiger Kommentar über Wandel, Widerstand und die symbolische Kraft musikalischer Zitate. Die Performance, ursprünglich als Videoarbeit konzipiert, findet erstmals live in einer Kirche statt – einem Ort, der selbst durch sakrale und politische Geschichte aufgeladen ist.
Saâdane Afif: FIVE PRELUDES LIVE
Donnerstag, 28. Mai 2026, 20 Uhr
Roter Salon der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz
Linienstrasse 227, 10178 Berlin
The Fountain Archives & Anthologie de l’humour noir
Über viele Jahre hat Saâdane Afif die Rezeptionsgeschichte des Readymades „Fountain“ von Marcel Duchamp recherchiert und im Werkkomplex „The Fountain Archives“ bearbeitet. Zehn der hierzu entstandenen Lyrics wurden von dem in Berlin lebenden Komponisten und Musiker Augustin Maurs vertont. Sie werden mit eigens für diese Stücke von Afif produzierten Flöten und Stimme aufgeführt.
Im zweiten Teil des Programms wird eine Auswahl der zum Werk „Anthologie de l’humour noir“ verfassten Lyrics präsentiert, in denen über Themen wie Vergänglichkeit oder das Museum als Garant der Überlieferung von Kunst reflektiert wird.
Dienstag, 23. Juni 2026, 20 Uhr
KM28
Karl-Marx-Strasse 28, 12043 Berlin
The Old & Melancholic Beat Live
Erste Lyrics hat Afif 2004 zu den vier Werken in seiner Ausstellung “Melancholic Beat” im Museum Folkwang verfassen lassen. Diese vier Texte werden ebenso wie die zwölf Lyrics, die 2025 zum Werkkomplex “The Old” entstanden sind, aufgeführt. Die Performance „Melancholic Beat Live“ ist eine Auftragsarbeit des Museum Folkwang im Rahmen der Ausstellung “Saâdane Afif. Affiches / Plakate”, Museum Folkwang, Essen (13.3.–4.10.2026).

Dienstag, 7. Juli 2026, 20 Uhr
Kantine am Berghain
Am Wriezener Bahnhof, 10243 Berlin
2000 millimètres d’infinis possibles & Live
In dem zweiteiligen Programm werden die Lyrics zu den Werken „2000 millimètres d’infinis possibles“ und „Live“ von Musiker*innen aufgeführt, die in den Bereichen der improvisierten und experimentellen Musik arbeiten.
WANN?
Ausstellung: Donnerstag 19. Februar – Dienstag 7. Juli 2026
WO?
HAMBURGER BAHNHOF –
NATIONALGALERIE DER GEGENWART
Invalidenstraße 50
10557 Berlin






