PROPHEZEIUNGEN – Wer deutet die Zeichen der Zeit? – Diözesanmuseum (Paderborn) | 30.08.2026-31.07.2027

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Das Diözesanmuseum Paderborn präsentiert in Zusammenarbeit mit dem storyLab kiU an der FH Dortmund und inspiriert von der Universität Paderborn die Ausstellung „PROPHEZEIUNGEN – Wer deutet die Zeichen der Zeit?“. Die interaktive Ausstellung läuft vom 30. August 2026 bis zum 31. Januar 2027 und beleuchtet das Bestreben der Menschheit, die Zukunft vorauszusehen – von antiken Orakeln und biblischen Offenbarungen bis hin zu moderner Kunst und künstlicher Intelligenz. Durch die Kombination historischer Artefakte mit zeitgenössischen Kunstwerken und immersiven Medieninstallationen schafft das Museum einen anregenden Raum, in dem Besucher darüber nachdenken können, wo wir in einer unsicheren Welt nach Antworten suchen.

Abb. oben: Kassandra 2023 | Thomas Duttenhoefer | Eisen | Foto: Kalle Noltenhans.

Werde ich glücklich? Wird ein Krieg ausbrechen? Was ist der Sinn hinter allem? Wer beantwortet solche Fragen? Gibt es jemanden, der enthüllen kann, was die Zukunft bringen wird? Prophet/8innen, die in Verbindung zum Göttlichen stehen? Wissenschaftler/8innen, die Vorhersagemodelle erstellen oder Künstler*innen, die mit ihren Werken neue Blickwinkel und Perspektiven vermitteln?

Poetisch, partizipativ und mit neuen immersiven Erzähltechniken spürt das Diözesanmuseum Paderborn in der Ausstellung PROPHEZEIUNGEN – Wer deutet die Zeichen der Zeit? vom 30.08.2026 bis 31.01.2027 solchen Fragen nach. Dabei eröffnet die Ausstellung einen Resonanzraum für die unterschiedlichen Phänomene des Prophetischen von der Antike bis ins KI-Zeitalter. Die Ausstellung schaut auf ganz verschiedene Aspekte des Themas und lädt dazu ein, selbst Fragen zu stellen.

Zu sehen sind zeitgenössische Perspektiven von Thomas Duttenhoeffer, Barbara Dombrowski, Michael Triegel, Christoph Brech, Claudia Brieske und Helmut Kirchlechner – sechs ganz unterschiedlich arbeitende Künstler*innen. Ihre Werke stehen im Dialog miteinander und mit Objekten, Skulpturen, Gemälden und Handschriften von der Spätantike bis zum Barock aus der Sammlung des Museums.

„Jahrtausende lang haben Orakel, Seher*innen und Prophet*innen auf unsere existenziellen, religiösen oder politischen Fragen geantwortet, uns die Zukunft oder den göttlichen Willen enthüllt“, erklärt Kuratorin Christiane Ruhmann. „Dabei waren ihre Antworten oft mehrdeutig oder gar beängstigend. Indem wir den uralten Prophezeiungen zeitgenössische Kunst und immersive Inszenierungen gegenüberstellen, laden wir Besuchende dazu ein, darüber nachzudenken: Wem trauen wir zu, unsere Fragen zu beantworten? Prophet*innen? Philosoph*innen, Wissenschaftler*innen, Künstler*innen? Und was bedeutet es, wenn wir uns heutzutage unsere Fragen mehr und mehr von der KI beantworten lassen – wer antwortet da eigentlich?“

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Michael Triegel | Hiob, 2020 | Eitempera auf grundiertem Papier | Z 20/03 | Foto Galerie Schwind Leipzig | © VG Bild- Kunst, Bonn 2026

Der Generalvikar des Erzbistums Paderborn Msgr. Dr. Michael Bredeck unterstrich: „Mit unserem neuen experimentellen Ausstellungsformat CONNECT # laden wir – gemeinsam mit unseren Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartnern – dazu ein, sich auf kreative und spielerische Art mit wichtigen Themen der Gegenwart auseinanderzusetzen. Hier macht es der poetische, künstlerische und partizipative Zugang möglich, dass Besuchende Raum Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartner finden, für sich selbst kreative Fragen zu stellen und sich selbst mit der Ausstellung zu verbinden – zu „connecten“. Das Museum wird so mehr und mehr zu einem „Dritten Ort“ – einem Raum für Teilhabe und Begegnung.“

Kooperationspartner der dritten CONNECT #-Ausstellung ist das storyLab kiU der Fachhochschule Dortmund mit Sitz im Dortmunder U. Es erforscht neue mediale Formen des Erzählens und der kulturellen Vermittlung mittels virtueller Bild- und Klangwelten. Dabei setzt es u.a. auf immersive Techniken, die das Gefühl vermitteln, selbst Teil des Geschehens zu sein.

Zum Thema Prophezeiungen hat das storyLab kiU eine mediale Bild-/Klangarbeit und eine raumgreifende immersive Inszenierung für die Ausstellung entwickelt. Im Mittelpunkt steht hier die Frage, wie und in welcher Gestalt prophetische Deutungen aus der Vergangenheit in heutiger Zeit fortbestehen und auch im KI-Zeitalter fortgeschrieben werden.

An Hörspots zu ausgewählten Exponaten verkündet die Stimme des bekannten Kabarettisten und wortgewaltigen Sprachgenies Jochen Malmsheimer alte, überlieferte Prophezeiungen.

Die Ausstellung – Von Kassandra bis KI
Durch ein Intro – konzipiert vom storyLab kiU – betreten die Besuchenden die Ausstellung. Auf einem Monitor wechseln in schneller Folge diffuse, geheimnisvolle Bilder. Ist das dort in weiter Ferne das Orakel von Delphi? Gibt es etwas hinter der Welt?

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Michael Triegel | Patmos | Vorzugsgrafik zur Ausstellung, Kustodie Leipzig | 1999, Strichätzung | Aquatinta | e.a. R 090 | Foto Galerie Schwind Leipzig | © VG Bild-Kunst Bonn 2026

Als Seherin aus der griechischen Mythologie ist Kassandra bekannt. Hier ist sie in Form einer zeitgenössischen Eisenskulptur des Gegenwartskünstlers Thomas Duttenhoefer zu sehen. Kassandra erkennt die Zukunft, doch niemand glaubt ihren Warnungen. Die Skulptur der mythischen Prophetin blickt in der Ausstellung auf eine Arbeit von Barbara Dombrowski aus ihrem Projekt „Tropic Ice_Dialog Between Places Affected by Climate Change“, mit dem die Fotokünstlerin vor den Folgen des Klimawandels warnt. Barbara Dombrowski porträtierte Indigene auf den fünf Kontinenten, die besonders vom Klimawandel betroffen sind. In der Paderborner Ausstellung werden fünf ihrer großformatigen Fotoarbeiten im monatlichen Wechsel gezeigt.

Orakel und Offenbarung
Direkt daneben belegen Orakelstäbchen aus dem 5. bis 9. Jahrhundert, die in westfälischen Frauengräbern gefunden wurden, spätantike und mittelalterliche Praktiken göttlicher Befragung. Ein kostbares Manuskript aus dem 9. Jahrhundert, das Corveyer Evangeliar, weiß zu berichten: „Ein Prophet gilt nirgends weniger als in seinem Vaterland…“. Im Urchristentum galt Johannes der Täufer als letzter und wichtigster Prophet Israels. Hier zeigen ihn zwei Holzskulpturen.

Ein Tafelbild aus dem 15. Jahrhundert und zwei beeindruckende Holzschnitte von Lucas Cranach (1473–1553) verbildlichen die Offenbarung des Johannes aus dem Neuen Testament, die biblische Apokalypse. Die Ausstellung stellt sie in einen spannungsreichen Dialog mit Gemälden des im Stil der alten Meister arbeitenden Leipziger Künstlers Michael Triegel. Triegels Bilder sind komplexe, teils visionäre und auch ironische künstlerische Auseinandersetzungen mit antik-mythologischen und christlichen Stoffen.

Auf den bekannten 1. Korintherbrief des Apostels Paulus, in dem es darum geht, dass alle prophetische Rede ohne die Liebe nichts nützt, reagieren die Arbeiten von Christoph Brech und Helmut Kirchlechner. Christoph Brechs Spiegelarbeit „Punto di Vista“ spielt mit Paulus‘ Satz: „Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht.“ Der große Zerrspiegel des Münchner Künstlers lässt alles ineinanderfließen, Perspektiven werden unsicher. Alles verändert sich mit dem jeweiligen Standpunkt der Betrachtenden. Wer sich auf das Spiel mit der reflektierenden Fläche einlässt, entdeckt darin Helmut Kirchlechners „raumzeit(k)reise“ von der gegenüberliegenden Wand. Kirchlechner hat sie vor Ort für die Ausstellung und auch explizit als Reaktion auf Brechs Spiegel geschaffen. Sie sind zugleich Teil seines Langzeitprojekts. Mit unterschiedlichen Werkzeugen zeichnet er in gleichmäßigem Duktus von innen nach außen Spiralen, die sich während des Prozesses zu Kreisscheiben verdichten. Für den Künstler symbolisieren diese Formen Zugänge zur Unendlichkeit.

Das storyLab kiU der Fachhochschule Dortmund hat eine sibyllinische Höhle geschaffen, einen begehbaren Raum der Prophezeiungen, die sich zeitlich und räumlich überlagern. Wer ihn betritt, wird zum aktiven Teil der Installation, kann mit ihr interagieren, sich aber auch analog einbringen und Klebezettel mit eigenen Fragen in der „Höhle“ platzieren.

Thematisch inspiriert wurde die Ausstellung von einem langjährigen Kooperationspartner des Museums, der Fakultät für Kulturwissenschaften der Universität Paderborn, die im Rahmen eines Seminars das Ausstellungsthema behandelt.

WANN?

Ausstellungsdaten: Sonntag, 30. August 2026 – Sonntag, 31. Januar 2027

Eröffnung: Samstag29. August 2026, 16 Uhr (Paderborner Museumsnacht ab 18 Uhr)

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10–18 Uhr, jeden ersten Mittwoch im Monat bis 20 Uhr

WO?

Diözesanmuseum Paderborn
Markt 17
33098 Paderborn

KOSTET?

4 EUR, ermäßigt 2 EUR

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