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Donnerstag, August 11, 2022

Haus am Waldsee zeigt Tony Cragg mit “Drawing as Continuum” bis 09.01.2021

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Bild: Installationsansicht, Tony Cragg – Drawing as Continuum, Haus am Waldsee 2021, Foto: Roman März, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021.

Als Ausstellungsort für internationale Kunst pflegt das Haus am Waldsee seit Beginn seiner Ausstellungstätigkeit im Jahr 1946 einen besonderen Bezug zur Skulptur. Seit der Erweiterung und Generalsanierung des Hauses 2017/18 freut sich das Haus am Waldsee über die Leihgabe der großen Außenskulptur „Versus“ (2011/19) des britischen Bildhauers Tony Cragg (*1949). Im Herbst 2021 widmet es nun dem zeichnerischen Werk des international agierenden und vielfach ausgezeichneten Bildhauers eine große Ausstellung mit seinen Arbeiten auf Papier, die durch einzelne Skulpturen im Innenraum ergänzt wird.

Die Schau fokussiert sich auf Arbeiten seit den 1980er Jahren bis heute. Zu sehen sind Handzeichnungen, Aquarelle, Lithografien und Radierungen, die einen tiefen Einblick in das künstlerisch-wissenschaftliche Denken von Tony Cragg erlauben.

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Installationsansicht, Tony Cragg – Drawing as Continuum, Haus am Waldsee 2021, Foto: Roman März, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Die verstärkte Wendung zur Zeichnung auf Papier vollzieht sich mit den 1990er Jahren. Nun nutzt Cragg den Zeichenstift sowohl zur technischen Kommunikation als Skizze als auch als Möglichkeit zur Kontemplation über Form und Inhalt komplexer Fragestellungen im Bereich des
Unsichtbaren beziehungsweise des digitalen Raums.

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Tony Cragg, Untitled, 2009, Bleistift auf Papier, 49,8 x 55,4 cm, Courtesy der Künstler, Foto: Michael Richter, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Auch in seinen Zeichnungen taucht Cragg tief in die Felder ein, die aus der Auseinandersetzung mit Material und Form, Mikro- und Makrostrukturen und ihren Energiefeldern entstehen. Oft arbeitet er auf dem Papier spielerisch Themen in Serien durch, als wären es Versuchsreihen. So untersucht er zum Beispiel in den 1990er Jahren intensiv Formabläufe von Gefäßen, die sich verschachteln, frei bewegen und schließlich wie in einem kulturellen Zeitraffer transformieren. Fortlaufend findet Cragg in den aktuellen technischen und naturwissenschaftlichen Forschungen neue Herausforderungen und Denkansätze für sein künstlerisches Werk. Die Neugier auf kleinste und größte bioenergetische Bewegungen, die den Kosmos ausmachen und unseren Planeten umgeben oder im Verborgenen mikroskopischer Größenordnungen liegen, macht er auf unterschiedliche Weise sichtbar.

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Tony Cragg, Chromosomes, 2005, Wasserfarben, 52,2 x 41,2 cm, Courtesy der Künstler, Foto: Michael Richter, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Gesetzmäßigkeiten der digitalen Welt können ebenso Gegenstand seiner Suchbewegungen sein wie fossile Funde, die weit zurückliegende Zeitalter einbeziehen. Dabei bindet Cragg die Vorstellung von Zeit und Raum stets auch an ein anthropomorphes Formenrepertoire. Es entstehen liniendichte Zeichnungen von Köpfen und Gesichtern, die in multiplizierter Form ineinanderfließen. Hier werden Vorstellungen von Beweglichkeit, Automatisierung, Spiegelung und Verflüssigung sichtbar, die an das Menschliche gebunden scheinen.

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Installationsansicht, Tony Cragg – Drawing as Continuum, Haus am Waldsee 2021, Foto: Roman März, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Unter den Serien auf Papier finden sich Einzelblätter, die mit altmeisterlicher Genauigkeit Insekten, Werkzeuge oder auch Brotlaibe wiedergeben. Neben den vornehmlich abstrakten Blättern, die Raum-, Form- und Energieverläufe oft in vehementer Bewegung wiedergeben, scheint Cragg sich mit diesen Einzelblättern nicht nur von Zeit zu Zeit seiner eigenen Fähigkeit zur realistischen Studie versichern zu wollen, sondern mit Humor auf uralte kulturelle und natürliche alltägliche Bereiche zu verweisen. Craggs künstlerisches Denken ist als Bildhauer an Materialstrukturen und Räume der Naturwissenschaften gebunden. Mit den Zeichnungen können seine Quellen neu entdeckt werden.

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Installationsansicht, Tony Cragg – Drawing as Continuum, Haus am Waldsee 2021, Foto: Roman März, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Die selten ausgestellten Arbeiten auf Papier, die nach Worten des Künstlers nur für ihn und als Einstimmung entstehen, spiegeln Craggs unersättlichen Entdeckergeist, der ihm seit nunmehr vier Jahrzehnten große internationale Aufmerksamkeit verschafft.

Kuration: Katja Blomberg und Tony Cragg

Katalog: Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Verlag der Buchhandlung Walther König. Hg., Einführender Text: Katja Blomberg. Aktuelles Interview: Jon Wood, Tony Cragg. 76 Seiten, Deutsch/Englisch, 28 Euro.

WO?

Haus am Waldsee, Argentinische Allee 30, 14163 Berlin-Zehlendorf

WANN?

Freitag, 17. September 2021 bis Sonntag, 9. Januar 2022

Dienstag bis Sonntag, 11 bis 18 Uhr

KOSTET?

Regulär 7 EUR, Ermäßigt 5 EUR

www.hausamwaldsee.de

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