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Sonntag, Dezember 3, 2023

D’EST Screening Kapitel 7: My Significant Others – District Berlin | 29.11.2021-30.11.2022

Editors’ Choice

Mit Arbeiten von: Alžběta Bačíková, Ieva Balode, Masha Godovannaya, Alex Martinis Roe, Lea Petříková.
Die Geschichte feministischer Videokunst lässt sich nicht auf die Anerkennung eines Systems reduzieren, das dazu diente, Künstler*innen aufgrund ihres Geschlechts und ihrer Sexualität zu marginalisieren und auszuschließen. Dieses System stellt eine Konstellation von Kräften dar, die ein breites Spektrum kultureller Elemente kategorisieren, hierarchisieren und irrelevant machen: die Erzählungen, die die Arbeiten inspirieren, ästhetische Ausdrucksformen, künstlerische Medien, Sprache und affektive Verstrickungen. Solche übergreifenden Konzepte wie Kanon und Kunstgeschichte geben sich traditionell als neutral aus, während sie in Wirklichkeit Ausgrenzungen hervorrufen und rechtfertigen können.

Abb. oben: Ieva Balode, Commission, 2020. Video still, single-channel video, 5’59’’, color, sound.

Das D’EST Screening Kapitel Imagined Community VIII: My Significant Others präsentiert Künstlerinnen, die in einen Dialog mit dem feministischen Kulturerbe treten, indem sie vergessene und ausgelöschte Narrative rekonstruieren und patriarchale Mythologien dekonstruieren. Die Kuratorinnen Markéta Jonásová und Ulrike Gerhardt haben es sich zur Aufgabe gemacht, solche Mythologien in Frage zu stellen, die die hierarchischen Strukturen der Kunstgeschichte stützen und verstärken und zu einer systematischen Marginalisierung und Ausgrenzung von Künstler*innen führen. Die vorgestellten Künstlerinnen stellen ihre feministischen Vorläuferinnen als ihre inspirierenden Vorgängerinnen vor. Das Screening Kapitel ist kein Versuch, eine lineare Herstory zu schreiben, denn gerade jenes auf Objektivität und Rationalität basierende System hat viele Künstlerinnen zum Verschwinden gebracht. Vielmehr ist es ein Zeugnis für die Vielfalt der Formen affektiver Verbindungen, die geopolitische und chronologische Abgrenzungen durchbrechen. Auf diese Weise verschaffen die Kuratorinnen weiblichen historischen Figuren nicht nur eine verspätete Anerkennung, sondern thematisieren auch die Formen des Ausschlusses von künstlerischen, aktivistischen und dissonanten Artikulationen und Praktiken von Frauen aus dem kunsthistorischen Kanon, um gleichzeitig die Namen dieser Frauen darin (wieder) einzuschreiben.

ART at Berlin - courtesy of District Berlin - Alžběta Bačíková
Alžběta Bačíková, Bent Tiles, 2017. Video still, full HD video, 22’22’’, color, sound.

Die Videoarbeit Alliances (2018) von Alex Martinis Roe spürt dem unsichtbaren Erbe der feministischen Vorfahren in der Stadt Paris nach. Indem sie mit engagierten Feministinnen und Aktivistinnen spricht, entwirft Martinis Roe ein differenzierteres Bild von 1968 und der Frauenbefreiungsbewegung. In Bent Tiles (2017) erzählt die Künstlerin Alžběta Bačíková die Geschichte der verkannten tschechischen Keramikerin Jarmila B. vor dem Hintergrund eines verlassenen Kurhotels. Mit ihren radikalen Ideen und ihrem Habitus war sie ihrer Zeit voraus, führte inkognito das Leben einer Rebellin. Masha Godovannayas Videoarbeit Only Two Words (2018) stellt die beiden Gedichte Holes and Bone der amerikanischen Dichterin Eileen Myles vor und transferiert sie in einen queeren visuellen Essay mit Bildern aus St. Petersburg, Russland, und New York, USA. Lea Petříkovás Videoarbeit After the Magician (2020) erkundet Themen wie Unsichtbarkeit, Magie und Träume und bezieht sich dabei auf den unvollendeten Film Le Magicien (1947) der unterschätzten surrealistischen Künstlerin Alice Rahon. Ieva Balodes sci-fi inspiriertes Werk Commission (2020) folgt der Reise eines mythischen matriarchalischen Buches zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart.

ART at Berlin - courtesy of District Berlin - Alex Martinis Roe
Alex Martinis Roe, Alliances, 2018. Videostill, Einkanal-Video (HD), 24’11’’, Farbe, Ton, 16:9.

Das Programm ist eine Zusammenarbeit zwischen der etc. gallery, der Online-Plattform D’EST und dem Národní filmovy archiv, Prag, und wurde von der Rosa Luxemburg Stiftung unterstützt. Begleitend zum Programm ist ein Essay von Ulrike Gerhardt erschienen.

kuratiert von Markéta Jonášová und Ulrike Gerhardt.

WO?

District Berlin
Bessemerstr. 2-14
12103 Berlin – Tempelhof

WANN?

Montag, 29. November 2021 bis Mittwoch, 30. Dezember 2022

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