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Montag, November 28, 2022

Giorgio Battistelli mit EXPERIMENTUM MUNDI zu Gast, Vasilisa Berzhanskaya als Semiramide und Uraufführung NEGAR in der Tischlerei

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Mit EXPERIMENTUM MUNDI hat Giorgio Battistelli als junger Komponist 1981 seiner Heimatstadt ein klingendes Denkmal gesetzt und zugleich einen Klassiker des Komponierens mit konkreten Alltagsklängen erschaffen, in dem sechzehn Handwerker aus dem mittelitalienischen Albano Laziale auf der Bühne ihrer täglichen Arbeit nachgehen. Mit über 400 Aufführungen weltweit ist EXEPERIMENTUM MUNDI längst ein Klassiker der Neuen Musik.

Abb. oben: Foto: Giorgio Battistelli (c) Fabrizio Sansoni

Es ist ein Stück mit und über die Klänge traditioneller Handwerkskunst und der mit ihnen erschaffenen Welt. Am 15. September wird Battistelli der Goldene Löwe der Biennale di Venezia für sein Lebenswerk verliehen und in diesem Kontext noch einmal das Erfolgsstück gezeigt, bevor es kurz darauf am 19. und 21. Oktober auf Einladung der Deutschen Oper im Haus der Berliner Festspiele zu sehen sein wird. Die musikalische Leitung liegt in den Händen des Komponisten selbst.

Der Bäcker schlägt einige Eier auf und greift zum Rührstab, wenig später beginnen die Schuster mit der Arbeit, als nächste kommen Pflasterer und Schmiede hinzu. So erwacht allmählich eine italienische Kleinstadt mit ihren traditionellen Handwerksbetrieben zum Leben – wenn Giorgio Battistelli als Dirigent die Einsätze für sein Musiktheaterwerk gibt. In diesem stehen sechzehn Handwerker auf der Bühne, allesamt aus Albano Laziale, einer Kleinstadt südlich von Rom, oberhalb des Albanersees, in der auch der Komponist 1953 geboren wurde.

Diese ist jedoch, mit den dabei entstehenden Geräuschen, den je eigenen Rhythmen und spezifischen Klängen, kunstvoll in und zu einem Musiktheater verarbeitet, in dem es um das Erschaffen einer Welt mittels der Kunstfertigkeit handwerklicher Arbeit geht. Den sechzehn Handwerkern stehen dabei ein Schlagzeuger, vier ebenfalls aus den Handwerkerfamilien von Albano Laziale stammende Sängerinnen sowie ein Schauspieler zur Seite. Letzterer rezitiert mit Auszügen aus der „Encyclopédie“ von Diderot und d’Alembert Texte des 18. Jahrhunderts, in denen die einzelnen Gewerke so beschrieben werden, wie sie bis heute ausgeübt werden – und wie sie in der knapp einstündigen Komposition auf der Bühne zu erleben sind.

EXPERIMENTUM MUNDI bietet dabei zugleich einen Einstieg in das Werk Giorgio Battistellis, dessen auf Pier Paolo Pasolinis „Teorema“ basierende Oper IL TEOREMA DI PASOLINI am 9. Juni 2023 auf der Großen Bühne der Deutschen Oper Berlin zur Uraufführung kommen wird.

Gioachino Rossinis SEMIRAMIDE (halbszenisch)

Ebenfalls im Haus der Berliner Festspiele präsentieren wir am 20. und 22. Oktober eine halbszenische Fassung von Rossinis SEMIRAMIDE unter dem Dirigat von Yi-Chen Lin und mit Vasilisa Berzhanskaya in der Titelpartie, Beth Taylor als General Arsace, Levy Sekgapane als Idreno und Ricardo Fassi als Assur. Die szenische Einrichtung übernimmt Philine Tiezel.

Uraufführung NEGAR von Marie-Ève Signeyrole / Keyvan Chemirani

Erste Premiere der Saison 2022/23 ist ein Musiktheater von Marie-Ève Signeyrole und Keyvan Chemirani am 29. Oktober in der TischlereiNEGAR, eine Koproduktion mit der Opéra Orchestre National de Montpellier Occitaine. Der Komponist Chemirani tritt international als Zarbspieler auf, vor allem mit seinem Trio Chemirani, aber auch mit Größen des Jazz wie Sylvain Luc, Didier Lockwood und Louis Sclavis, Vertretern der Weltmusik oder mit Ensembles der Alten Musik. Von Regisseurin Marie-Ève Signeyrole war im September 2020 bereits ihre mit Beethovens 7. Sinfonie in Dialog tretende Dokumentartheaterproduktion BABY DOLL in der Deutschen Oper Berlin zu sehen und wurde von Presse und Publikum gleichermaßen begeistert aufgenommen.

Nach vielen Gesprächen und Interviews, die Signeyrole und ihre französisch-iranische Co-Autorin Sonia Houssein-Pour geführt haben, entsteht ein Musiktheater, das von der Liebe dreier Menschen als lebensbedrohlichem Politikum in der komplexen, widersprüchlichen Welt des heutigen Teheran handelt und in dem Musik und Kunst zum Mittel der Rebellion werden. Für die Komposition verbindet Keyvan Chemirani verschiedene Kulturen und Stile: Musiker*innen mit traditionellen persischen Instrumenten spielen gemeinsam mit Orchestermitgliedern der Deutschen Oper Berlin. Sänger*innen des Opernensembles treffen auf Gäste wie die in Teheran aufgewachsene Künstlerin Golnar Shahyar, die die Musik ihrer persischen Heimat kombiniert mit Jazz und improvisiertem Gesang.
Weitere Vorstellungen am 31.10. sowie am 1., 2., 3., 5. und 6. November.

Symposion: Dietrich Fischer-Dieskau vom 28. bis 30. Oktober

Vom 28. bis 30. Oktober widmet sich ein Symposion dem Jahrhundertsänger Dietrich Fischer-Dieskau mit Vorträgen, Gesprächen und zwei LiederabendenMichael Wersin wird am 29.10. um 11 Uhr Dietrich Fischer-Dieskaus Weg im Liedgesang mit Tonbeispielen skizzieren, Sieghart Döring sich mit dessen Wagner-Interpretationen beschäftigen (um 15 Uhr). Und gleich im Anschluss widmet sich Martin Fischer-Dieskau dem Sänger als „italienischem Bariton“. Aber auch Weggefährten wie Hartmut Höll, der langjährige Klavierpartner, und Produzent Cord Garben geben im Gespräch Auskunft. In einer Podiumsdiskussion mit den Liedsängern André SchuenSamuel Hasselhorn u.a. wird nach dem Umgang mit dem Erbe gefragt (am 30.10. um 12 Uhr). Die Moderation liegt in den Händen von Fanny Tanck (rbbKultur).

Den Abschluss des Symposions bietet am 30.10. um 17 Uhr ein Liederabend, bei dem die profilierten Baritone Markus Brück und Philip Jekal gemeinsam ihre Interpretation von Schuberts „Winterreise“ präsentieren. Begleitet werden sie am Flügel von John Parr.

Aus Anlass des 10. Todestages erscheint an dem Wochenende eine Box mit sämtlichen Liedaufnahmen der Deutschen Grammophon von Dietrich Fischer-Dieskau, die Michael Wersin in seinem Vortrag präsentiert.

Wir freuen uns, vom 26. bis 29. Oktober auf Einladung des Royal Opera Houses Muscat vier Vorstellungen der seit Jahren im Programm der Deutschen Oper geschätzten Produktion von Humperdincks HÄNSEL UND GRETEL in der Regie von Andreas Homoki im Oman zeigen zu können. Die musikalische Leitung hat Sir Donald Runnicles.

WO?

Richard-Wagner-Straße 10, 10585 Berlin

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